Um in schwierigen wirtschaftlichen Situationen zu bestehen, ist ein funktionales Risikomanagementsystem für ein Unternehmen unverzichtbar
Nachrichten

KÖLN, 9.12.2008. Die Auswirkungen der Finanzkrise haben die Absatzkrise in der Automobilindustrie weiter verstärkt. Für 2009 erwarten die Zulieferunternehmen ein schwieriges Geschäftsjahr mit deutlichen Absatzrückgängen. Schon im Oktober diesen Jahres kauften die Deutschen 8,2 % weniger Neuwagen als im Vorjahr. In den USA verlor der Markt für Neuwagen sogar 32 % im Vergleich zum Oktober 2007. Und mehr noch: Die Absatzkrise in der Automobilindustrie greift auch in Schwellenländern weiter um sich. In Brasilien brach der Verkauf neuer Autos und Lastwagen im November um mehr als ein Viertel ein. Der Verband der Autobauer, Anfavea, warf deshalb seine bisherigen Wachstumserwartungen für 2008 über Bord. Die Branche führt die nachlassende Nachfrage in erster Linie auf die Finanzkrise zurück. Entsprechend hat das Liquiditätsmanagement allerhöchste Priorität.

Doch so kritisch die Situation ist, bietet sie auch Chancen, die es mit den richtigen Strategien zu nutzen gilt. „Unternehmen sollten frühzeitig Liquiditätsengpässe quantifizieren bzw. Lücken schließen“, sagt Matthias Pohl, Branchenspezialist Automotive von der LBBW. „Um in schwierigen wirtschaftlichen Situationen zu bestehen, ist ein funktionales Risikomanagementsystem für ein Unternehmen unverzichtbar“, glaubt auch Hendrik Löffler, Geschäftsführer Funk RMCE. Pohl und Löffler sind Mitglieder des Arbeitskreises „Risikomanagement für Unternehmen der Automobilzulieferindustrie“, der im November 2005 in Nürnberg gegründet wurde. Zu den Gründungsmitgliedern gehören 15 Unternehmen, u.a. LEONI AG, Lisa Dräxlmaier GmbH, Webasto AG, VOGT electronic AG und die Oechsler AG. Inzwischen zählt der Arbeitskreis mehr als 65 Mitgliedsunternehmen. Natürlich könnten Firmen mit einer risikoadjustierten Planung konjunkturelle Entwicklungen nicht beeinflussen oder vorhersehen, räumt AG-Initiator Löffler ein. „Doch Unternehmen, die sich bereits frühzeitig mit solchen Szenarien beschäftigt haben, können die richtigen Maßnahmen treffen, um ihre Risiken zu steuern.“

Die Darstellung und Dokumentation von Erfahrungswerten im Zusammenhang mit der Implementierung und Weiterentwicklung von Risikomanagementsystemen in Unternehmen der Automobilzulieferindustrie ist oberstes Ziel des Arbeitkreises. Der Schwerpunkt liegt darin, ein „best-practice“ und nicht „best-ever“ zu definieren und damit einen Leitfaden zur Implementierung und Weiterentwicklung eines Risikomanagementsystems – beispielsweise in Form von Checklisten – für Unternehmen der Automobilzulieferindustrie zu erarbeiten. Als unmittelbarer Nutzen werden zudem der Austausch von Erfahrungen, die Fixierung von Argumentationshilfen für die Diskussion mit Fachabteilungen, Geschäftsführung oder externen Gesprächspartnern, aber auch dem Aufzeigen von Potenzialen zur Kostenoptimierung angesehen.

Mehr Infos unter http://www.rmce.de/Arbeitskreise/automobilzulieferindustrie.html.

TEILEN
Vorheriger ArtikelRisikoorientierte Geldpolitik erweist sich als Fehler
Nächster ArtikelAngespannte Risikosituationen, ein intensiver Wettbewerb
Thorsten Hahn, Jahrgang 1967, ist Gründer und Geschäftsführer der BANKINGCLUB GmbH. Der Profinetzwerker zählt auf Plattformen wie XING und Linkedin zu den Nutzern mit der besten Vernetzung in die Finanzbranche. Wie kein Zweiter versteht er dieses Netzwerk zu nutzen und auch anderen zugänglich zu machen. Außerdem ist der erfahrene Banker und Diplom-Kaufmann Herausgeber der BANKINGNEWS, welche 10 Jahre lang als Onlinemagazin und seit Sommer 2014 als Printzeitung (7.500 Empfänger) erscheint, sowie Autor verschiedener Fachbücher und Buchbeiträge.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

*

code