• 10.000.000.000.000: Leser fordern ein Fed-Programm im Umfang von bis zu 10 Bio. Dollar
  • Null: Aber die große Mehrheit spricht sich gegen weiteres Gelddrucken aus
  • Zweikommanull: US BIP-Zahlen für Q3 als letztes Highlight vor dem FOMC-Entscheid
 
„Geister schreien, Hexen lachen – gebt uns Süßes, sonst wird‘s krachen!“ Am Sonntag ist wieder Halloween. Jener vollkommen sinnlose Amerika-Import, der diese Woche passenderweise am Ende der großen ARD Themenwoche „Essen ist Leben“ stattfindet. Eine Woche lang haben wir rund um die Uhr erfahren, dass eigentlich alles, was es im Supermarkt zu kaufen gibt, ungenießbare bis tödliche Substanzen enthält. Dann kommt Halloween, und vollkommen irrgeleitete Kinder laufen schreiend durch die Gassen und sammeln kiloweise Süßigkeiten ein. Neuester Trend: Auf das Aufsagen von „Reim-dich-oder-ich-fress-dich“-Sprüchen wird gänzlich verzichtet. Einfach an der Tür klingeln und den Süßigkeitensack präsentieren. Ich werde mir dieses Jahr einen Konterspruch einfallen lassen, zum Beispiel: „Blöder Geist, wo bleibt dein Spruch? Kriegst kein Bonbon, hast genug!“

Damit die Kinder ausschlafen und ihre Bauchschmerzen auskurieren können, folgt auf Halloween in vielen Ländern und Regionen Europas ein Feiertag. Dies nur mal so vorab, damit sich die Hamburger und deren Anrainer am Montag nicht wieder wundern, warum‘s keine Overnight Impressionen gibt. Wenn am Dienstag auch wir Kurzurlauber wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren, geht in den Märkten die Post ab: Dienstag Zwischenwahlen in den USA; Mittwoch Entscheidung der Fed über neue „quantitative Lockerungsmaßnahmen“ und in Portugal Abstimmung über den Haushalt 2011; Donnerstag gibt‘s eine neue Steuerschätzung für Deutschland und am Freitag den US Arbeitsmarktbericht. „Gebt uns Süßes, sonst wird‘s krachen…“

Am spannendsten wird natürlich die Ankündigung der US Notenbank sein: Wie wird „Quant Easing 2.0“ ausgestaltet sein? Womit wird die Maßnahme begründet? Gibt es begleitende Neuerungen im Statement? Ich habe Sie gestern um Ihre Einschätzung gebeten und gefragt: Wie viel US Staatsanleihen soll die Fed kaufen? Das Ergebnis unserer kleinen nicht repräsentativen Umfrage ist überraschend: Ein Leser fordert „eine Fantastrilliarde Dollar“. Ein anderer Leser plädiert für ein 10 Billionen schweres Programm. Da bekommen wir Probleme: So viel Staatsanleihen haben selbst die USA nicht ausstehen. Ein solches Volumen würde wohl bedeuten, dass die Fed den Chinesen die amerikanischen Anleihen wieder abkaufen müsste… Rund ein Fünftel der Primary Reader plädierten für ein Kaufprogramm im Volumen von 500 Mrd. bis 5.000 Mrd. Aber die überwältigende Mehrheit von über 70 Prozent ist ganz anderer Meinung: Null! Nichts soll die Fed kaufen. „Blutleere“ Politiker sollten stattdessen lieber endlich nach „ganzheitlichen Lösungen“ suchen. Ein Leser sieht Anleihenkäufe der Fed als Straftatbestand. Und ein weiterer Leser wünscht bei dieser Gelegenheit die „Tea-Party Vollidioten“ auf eine einsame Arktis-Insel. Die einleuchtendste Begründung für ein Null-Programm kam aus Bayern: „Weil das alles ein Schmarrn ist!“

Ich danke den teilnehmenden Lesern für ihr klares Votum. Allerdings: So wird es wohl nicht kommen. Unter den Analysten kristallisiert sich die folgende Mehrheitserwartung heraus: Das Programm wird monatliche Käufe von $100-150 Mrd. umfassen, bei jedem FOMC-Treffen überprüft und als Open-End-Veranstaltung eingerichtet.

Auch Europa sucht nach Lösungen, hier geht es um eine Verschärfung des Stabilitätspaktes. Zwischenstand von den Beratungen aus Brüssel: Die EU wird eine „begrenzte Änderung“ ihrer Verträge prüfen, um eine stabile Absicherung des Euro darin zu verankern. Aha. Das klingt, wie wenn der Gynäkologe sagt: „Wahrscheinlich sind Sie ein bisschen schwanger.“ Die anvisierte Beteiligung von „Zockerbuden aller Art“ (z.B. konservative Rentenfonds, Versicherungen, Pensionsfonds…) im Rahmen eines geordneten Staateninsolvenzverfahrens lastet dieser Tage auf den Peripherie-Anleihen und auch ein wenig auf dem Euro. Alles in allem sind bis Mittwoch (FOMC) aber keine großartigen Kursausschläge mehr zu erwarten. Es sei denn, die US BIP-Zahlen für Q3 überraschen heute auf der positiven Seite. „Händler schreien, Käufer lachen – gebt uns Wachstum, sonst wird‘s krachen…“

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Dies ist ein humoristischer Marktkommentar und keine Anlageberatung. Die Einschätzungen des Autors beruhen auf Informationen, die auf öffentlich zugänglichen, als verlässlich eingeschätzten Informationsquellen basieren. Weitere Informationen finden Sie im Disclaimer.
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Kornelius Purps
Fixed Income Strategist
Director
MRE4FI
UniCredit Research

kornelius.purps@unicreditgroup.de

Kornelius Purps Corporate & Investment Banking
UniCredit Bank AG

www.unicreditgroup.eu

 

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