Die Investmentbank Goldman Sachs kauft dieser Tage Geschäftsanteile an der Internetfirma Facebook zu einem Preis, der das Unternehmen aktuell mit 50 Milliarden Dollar bewertet.
Es heißt, private Investoren rennen Goldman Sachs schon jetzt die Bude ein, um ihrerseits an Facebook Anteile zu erwerben. Damit hat Facebook andere große Mitbewerber im Internetgeschäft bei der Bewertung weit abgehängt. Entscheidend scheint der Durchbruch von Facebook in der Anzahl der Nutzer zu sein. Man habe wohl in 2010 die Grenze von 500 Millionen überschritten von denen jeder zweite täglich die Anwendung benutzt. Das verspricht ein weites Feld für Werbung zu sein und tatsächlich bestimmen Werbegelder auch den aller überwiegenden Teil der Einnahmen. Da Facebook nicht an einer Börse gehandelt wird, ist das Unternehmen nicht zur Veröffentlichung von konkreten Geschäftsdaten verpflichtet. Die Rede ist allerdings von jährlichen Umsatzerlösen in Höhe von 2 Milliarden Dollar. Doch wissen wir nichts über die Kosten des Betriebs. Aber ein ordentliches Stück wird von den Erlösen schon abgehen. Nehmen wir der Einfachheit halber einmal in einer günstigen Rechnung für Facebook an, jeder zweiter Dollar der Erlöse sei bereits ein Reingewinn. Jeder kühl rechnende Investor sollte spätestens jetzt bei einem Unternehmenswert von 50 Milliarden Dollar ins Grübeln kommen. Würde man nämlich ganz einfach die heutigen Zahlen linear fortführen, bedeutete dies, dass sich jegliche Investition, ohne irgendeine Verzinsung, erst nach fünfzig Jahren überhaupt wieder vollständig zurück gezahlt hätte. Wenn auch heute eher unwahrscheinlich, aber bei Investitionen mit Mindestlaufzeiten von fünfzig Jahren und mehr, denkt man vielleicht an Infrastrukturprojekte wie Kraftwerke oder Verkehrsadern. Der Gedanke ein Internetunternehmen wie Facebook könne sich einige Jahrzehnte auch nur linear so weiter entwickeln wie bisher, von Progressivität ist überhaupt keine Rede, am Ende gar schon mal fünfzig Jahre überleben, ist bei genauem Hinsehen geradezu Wunschdenken. In den vergangenen Jahren 15 Jahren Internet haben viele Sterne am Computerhimmel grell aufgeleuchtet und sind ebenso schnell wieder verloschen. Namen wie AOL und Yahoo sind da beredte Beispiele.
 

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Schon heute kann man darauf wet-ten, dass in absehbarer Zeit in der extrem innovativen Internetbranche bald eine neuer Stern alle anderen vorhanden weit überstrahlen wird. Schumpeters Lehre von der „Schöpferischen Zerstörung“ neuer Innovationen ist in diesem Wirt-schaftszweig geradezu beispielhaft. Warum springt Goldman Sachs also jetzt auf diesen Zug? Das Investmentbankhaus dürfte kein strategisches Interesse daran haben Teileigentümer von Facebook zu sein.
Die Leute von Goldman Sachs sind nun mal Händler und werden ihre Anteile schon mit ordentlichem Gewinn an andere Investoren weiterverkaufen.

Sollte Facebook in nächster Zeit an die Börse gehen, wird das für Goldman Sachs sicher ein sehr gutes Geschäft. Schon reißen die Leute sich um die vorhandenen Anteile an dieser Firma, ein neuer Hype entsteht. Zu dem Zeitpunkt, zu dem der nächste Stern am Internethimmel aufzuleuchten beginnt, dürfte der Bestand von Facebook-Aktien von Goldman Sachs längst unter die Leute gebracht worden sein und Mark Zuckerberg reichlich Kasse mit seiner Idee gemacht haben. Die Kopfschmerzen über die dann anstehende Wertentwicklung der Facebook-Aktien bekommen die vielen Tausende von Anlegern. Diese Art von Risikostreuung hat man sich nach der letzten Finanzkrise politisch zwar nicht so vorgestellt, aber rechtlich bleibt sie legitim und historisch setzt sie fort wie die Dinge eigentlich schon immer so gewesen sind.

Foto von Kuzma – www.istockphoto.de
 

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Thomas Seidel ist Freier Journalist für Wirtschaft & Finanzen.

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