Instant Payments – the new normal

Vor einem Jahr noch weitestgehend unbekannt ist Instant Payments zwischenzeitlich zu einem Buzzword geworden. Die sogenannten Real-time Payments sind seit der Veröffentlichung des White Papers von der Europäischen Zentralbank Ende 2014 in den Mittelpunkt gerückt worden. Flankiert wird die Entwicklung auch von der digitalen Agenda, die sich jedes Unternehmen auf die Fahne geschrieben hat.

Bildnachweis: iStock.com/MacXever

Grundsätzliches Ziel von Instant Payments ist die Durchführung einer kontobasierenden Zahlung in Echtzeit. Die Ausführung der Zahlung ist innerhalb von 3 bis 5 Sekunden vorgesehen. Der Zahlungsempfänger kann im Anschluss sofort über den Geldbetrag verfügen. Der Service soll rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr angeboten werden.

Diese Anforderungen wurden vom European Payment Council (EPC) aufgegriffen, um ein Rulebook zu erstellen. Rulebooks, sogenannte Regelwerke zu Überweisungen und Lastschriften, sind seit Einführung von SEPA ein ständiger Begleiter der Zahlungsverkehrs-Community. Deshalb war es naheliegend, dass auch für Instant Payments ein separates Rulebook erstellt wird. Unter dem Namen SCTinst wurde das neue Regelwerk durch das EPC geschaffen. Die Begrifflichkeit SCT deutet auf eine Wiederverwendung von Komponenten des SEPA Credit Transfers hin. Das neue Verfahren bedient sich dem Zahlungsinstrument der Überweisung.

Erfolg von Instant Payments hängt von Teilnahmebereitschaft der Banken ab

Die Teilnahme am Verfahren ist als optionaler Service vorgesehen. Dies ist vergleichbar mit der B2B-Lastschrift, die von Kreditinstituten nicht verpflichtend angeboten werden muss. Bei einer Teilnahme am SCTinst-Verfahren ist zumindest die passive Erreichbarkeit sicherzustellen. Damit können Konten bei der teilnehmenden Bank für Gutschriften erreicht werden.

Sofern ein Kreditinstitut nicht am SCTinst-Verfahren teilnimmt besteht keine Möglichkeit, eine Instant Payment-Zahlung auszuführen. In einem solchen Fall erhält der Auftraggeber einer Zahlung umgehend eine Nachricht über die Nichtausführbarkeit der Transaktion.

Herausforderung des Managements von Instant Payments auch für Banken

Die aktuellen Zahlungsverkehrs- und Buchungssysteme sind in vielen Banken noch nicht auf eine Real-time-Verarbeitung ausgerichtet. Ebenso gilt es, trotz Schnelligkeit der Zahlung die Compliance-Anforderungen zu erfüllen. Fragestellungen zu Valutierung und Buchungstag sind ebenso zu betrachten wie die Mitigation von Settlement-Risiken.
Unter dem Aspekt des Risikomanagements wurde für den Start von Instant Payments ein Maximalbetrag von 15 Tausend Euro pro Transaktion vorgesehen. Das limitiert natürlich die Nutzung – gerade im Business-to-Business-Geschäft. Es dient aber dazu, sich mit dem neuen Verfahren vertraut zu machen und die Risiken von Anfang an zu begrenzen. Es ist davon auszugehen, dass nach der Pilotphase die Betragsgrenze sukzessive angehoben wird.

Weiterer Fahrplan bis zur Einführung von Instant Payments

Die öffentliche Konsultation des Rulebooks von April bis Juli 2016 gibt die Möglichkeit, Änderungen am Verfahren vorzuschlagen. Die Veröffentlichung des SCTinst  Rulebooks ist für November 2016 vorgesehen. Ein Jahr später, im November 2017, soll dann der Live-Betrieb starten. Parallel entwickeln die Clearing-Häuser, wie EBA-Clearing, STET oder Equens, Verfahren rund um das Clearing und Settlement.

Wie wird Instant Payments die Zahlungswelt verändern?

In den ersten zwei bis drei Jahren nach Einführung von Instant Payments ist verstärkt von einer Nutzung im Bereich von Person-to-Person (P2P) auszugehen. Zur Initiierung werden überwiegend Apps auf Smartphones und Tablets genutzt werden. Auch am Point-of-Sale und im eCommerce können Kunden ihre Zahlungen an Händler mit Instant Payments abwickeln. Zusatzservices werden im Laufe der Zeit entwickelt werden, um sich als Bank stärker zu differenzieren. Die Banken haben in dem Markt auch verstärkt mit Wettbewerbern aus dem Fintech-Bereich zu rechnen. Dabei können Kooperationen bei Zusatzservices den time-to-market-Ansatz unterstützen.

Auf mittelfristige Sicht, also in fünf bis zehn Jahren, werden Instant Payments die heutige SEPA-Überweisung zu weiten Teilen substituieren. Als Ausnahme sind regelmäßige Zahlungen wie Gehälter und Abgaben anzusehen, die weiterhin im SEPA-Standardverfahren abgewickelt werden. Die heutigen Eil-Zahlungen in Euro werden sicherlich komplett durch Instant Payments verdrängt werden. Immer mehr Firmenkunden werden die Liquiditätsvorteile nutzen wollen. Dies führt final dazu, dass Instant Payments sich endgültig als „new normal“ etablieren werden.

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