Mit der Ablösung von Basel II hat der Regulator die Daumenschrauben angelegt, um den Weg zum besseren Kreditrisikomanagement zu erzwingen. "In der Steinzeit vor Basel II arbeiteten die Spezialisten mit einer Einzelfall-Votierung, marginalem IT-Einsatz, keinen validen Partnern und verifizierbaren Historien sowie mit einer Steuerung durch den Rückspiegel", sagt Risikoexperte Bernd Zugenbühler. Nach einem langen aufwändigen Prozess seien mittlerweile die Kreditprozesse verschlankt, Datenreihen aufgebaut, Expected Loss-Parameter zunehmend stabilisiert und als integraler Bestandteil der Kreditentscheidung weitestgehend implementiert. "Als Zwischenfazit lässt sich heute konstatieren, dass nach intensivem Ringen um die Kalibrierung der Parameter, immensen Investitionen im Bereich Basel-II-Vorbereitung und nicht durch Basel II getriebenen Projekten des Kreditgeschäftes die Branche vor dem “Gateway to Heaven“ steht", so Zugenbühler im Rahmen des Düsseldorfer Finanz Forums. Ohne moderne leistungsfähige Systeme zur Datenspeicherung und Datenanalyse sei dieser Schritt nicht möglich gewesen. Dennoch werde allzu oft dabei vergessen, dass die Instrumente, Parameter und Daten gepflegt, aktualisiert und optimiert werden müssen. Eine Überprüfung der Parameter auf die Markteinflüsse sei dabei ebenso unerlässlich wie die permanente Weiterentwicklung der Analyse und Steuerungselemente für das Einzel- und Portfoliogeschäft, meint Zugenbühler. Dazu gehöre auch ein aktives Portoliomanagement durch den Kauf oder Verkauf von verlässlich bewerteten Risikopositionen sowie die Umsetzung eines Customer Relationship Managements mit risikorelevanten Daten. Dass diese Bestandsaufnahme Wasser auf die Mühlen von Nikolai Wladimir Bukureschtliew ist, kann kaum verwundern, denn die Firma much-net AG, dessen Vorstand Bukureschtliew vorsitzt, befasst sich bereits seit rund 25 Jahren mit Risikomessung und Risikosteuerung. Marktrisiken, Adressausfallrisiken, operationelle Risiken, Liquiditätsrisiken, Zinsänderungsrisiken – für Bukureschtliew alles kein Problem. Aufsetzend auf der Gesamtbanksteuerung hat much-net eine Toolbox entwickelt, die heute nicht nur von Kreditinstituten, sondern auch von Versicherungen, Leasinggesellschaften und Industrieunternehmen zur Berechung des ökonomischen Kapitals eingesetzt wird. Dadurch lassen sich Finanzinstrumente bepreisen und Cashflows zwecks Berechung der Barwerte unter Berücksichtigung von eingebetteten Optionen ausrollen. Dabei kann aus einer Vielzahl von Pricing-Modellen ausgewählt werden (z.B. Monte Carlo Simulation, Hull-White-Tree-Modell zur Bepreisung von Zinsderivaten oder Libor Market Modell). "Hinter diesen Modellen steckt eine Menge Mathematik", sagt Bukureschtliew. Von rund 60 Mitarbeitern bei much-net sind beinahe ein Drittel ausgebildete Mathematiker. Pricing funktioniert allerdings nicht ohne die Messung von Risiken, da die ausgerechneten Risiken das mindestens benötigte ökonomische Kapital bestimmen. Davon abhängig wiederum ist der Preis. Risikomanager legen sich deshalb in der Regel die Frage vor, ob das aufgeteilte ökonomische Kapital der Allokation, die zur gewünschten Rendite führt, entspricht. Und hier kommt wieder much-net ins Spiel, denn lautet die Antwort "nein", kann mit der Software eine Re-Allokation vorgenommen werden. Das System erlaubt über eine Vielzahl von Simulationsmöglichkeiten die Modellierung ganzer Portfolien. Dabei werden je nach Analyserichtung externe Daten zugespielt, z.B. von Ratingagenturen, Banken oder Datendienstleistern. "Dank der regulatorischen Vorgaben trägt die Finanzaufsicht zur Marktentwicklung bei", so Bukureschtliew.

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