Auswirkungen am Beispiel von Griechenland und möglichen Alternativen

Die aktuelle Finanzkrise um Griechenland und mögliche andere europäische Schuldnerländer rückt wieder einmal die Rolle von Ratingagenturen in den Vordergrund. Die Grundidee der Arbeit von Ratingagenturen ist durchaus positiv. Aus ihnen zugänglichen Informationen bilden sich die Ratingagenturen ein Urteil über die Kreditwürdigkeit eines Schuldners und veröffentlichen diese in spezifisch kryptischen Buchstaben /Zeichen-Codes. Wer sich mit diesen Codes auskennt kann für sich das Risikos eines Schuldners einschätzen und u.a. seine Investitionen danach ausrichten. So weit, so gut, so hilfreich – im Prinzip, aber auch so amerikanisch.

Ihren Durchbruch schafften die Ratingagenturen 1975, als die US- Börsenaufsichtsbehörde (SEC) alle Unternehmen, die an einer US-Börse zum Handel zugelassen werden wollten, verpflichtete, ein Kreditrating von mindestens zwei anerkannten Ratinggesellschaften vorzuweisen. Rating ist eine durch und durch amerikanische Methode, alle führenden Ratingagenturen sind bis heute US-amerikanische Unternehmen und, wie jenseits des Atlantik üblich, sie sind privatwirtschaftlich organisiert, soll heißen gewinnorientiert. Sie verdienen ihr Geld von den Leuten, die sie mit ihrem Kreditrating beurteilen. Es liegt also von Anfang an ein elementarer Interessenkonflikt vor.

Die Bewertungsmethoden der Ratingagenturen sind völlig intransparent. Als Privatwirtschaftler muss das so sein. Denn würden sie ihre Methoden und Formeln transparent machen, könnte jeder Interessierte ihre Arbeit nachahmen und die Agenturen würden ihre Geschäftsgrundlage verlieren. Auf der Basis von Kreditratings haben die Finanzmärkte einen fatalen Mechanismus in Gang gesetzt. Sie preisen die Kreditkosten von Schuldnern, je nach Rating, mit einem Aufschlag (Agio) auf einen Referenzzinssatz ein. So kann u.U. eine Spirale entstehen. Je höher der Aufschlag, desto größer die Kreditkosten. Die führen zu einem schlechteren Rating, welche wieder die Kreditkosten erhöhen. Wir beobachten das im Fall von Griechenland zur Zeit.

Gäbe es Alternativen? Klar ist, die heutige Form von Kreditrating ist eine Inszenierung von US-Behörden. Wenn überhaupt kann nur die US-Administration etwas ändern. Rating kann auch eine öffentliche Aufgabe in den Händen einer Regierungsbehörde sein. Dagegen wird in Fachkreisen immer wieder argumentiert, der Staat käme dann in eine mögliche Haftung, sollte sich einmal ein Rating tatsächlich als nicht sachgemäß erweisen. Das träfe nur dann zu, wenn die Ratingmethode intransparent bleibt.

Eine Behörde könnte das Rating aber auch völlig transparent und öffentlich vornehmen. Ihr bliebe dann nur noch die Rolle eines Notars übrig und eine Haftung würde sich auf möglich Formfehler ihrer Beamten bei grober Fahrlässigkeit beschränken. Die Vorteile für alle lägen dabei auf der Hand. Der Schuldner weiß von Anfang an Anfang welche Kennzahlen seine Kreditwürdigkeit zu einem bestimmten Ratingergebnis führen. Jeder Investor könnte jederzeit das Zustandekommen des Ratings nachvollziehen. Märkte könnten Entwicklungen langfristiger voraussehen und i.d.R. schonender reagieren. Auch würden alle Zweifel an möglichen Interessenkonflikten zwischen Auftrag gebendem Schuldner und Auftrag nehmender Ratingagentur beseitigt werden.

Das notwendige Personal für eine solche Behörde wäre ja schon heute in den Agenturen vorhanden. Freilich wäre der Übergang von einem privatwirtschaflichem System zu einer Behörde vor allen in den USA wieder mit politischer Ideologie verbunden. Dennoch könnte eine Regierung Obama an dieser Stelle ihre Willen und ihre Fähigkeit zu einer ernsthaften Reform des Finanzsystems unter Beweis stellen. Europa könnte dann diesem Beispiel folgen.

Foto: © by Inkout – www.istock.com

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