„Jeder ist dazu angehalten, etablierte Strukturen herauszufordern“

Welche Veränderungen ergeben sich in Bezug auf Personalführung, Mitarbeiterstruktur und Unternehmenskultur, wenn ein Start-up plötzlich zu einem der Big Player wird? Im Jahr 2010 als Start-up gegründet, ist das britische Unternehmen Funding Circle – das 2015 mit dem deutschen Fintech Zencap fusionierte – heute der weltweit führende Marktplatz für Unternehmensfinanzierung. Marie Bosseur sprach mit uns über ihre Erfahrungen im HR-Bereich sowie die Wachstumspläne des Unternehmens.

Marie Bosseur arbeitet als HR-Managerin Business Partner Continental Europe (CE) bei Funding Circle.

BANKINGNEWS: Mit 95 Mitarbeitern ist Funding Circle Deutschland deutlich größer als die meisten Fintechs. Wie viel ist da von Start-up-Kultur und -Arbeitsklima noch übriggeblieben?

Marie Bosseur: Das kommt natürlich auf die Definition an. Ja, Tischtennisplatte und Mate-Kühlschrank zählen zur Grundausrüstung im Berliner Büro – und innerhalb unserer internationalen Matrix werden flache Hierarchien gelebt. Ansonsten sind wir als internationaler Marktführer in einem sehr ressourcenintensiven Geschäft nicht mehr wirklich das typische Start-up. Trotzdem ist es in unseren Augen unverzichtbar, ausreichend Räume für interdisziplinären Austausch und Eigeninitiative zu schaffen, um gemeinsam über Ländergrenzen hinweg zu lernen und zu wachsen. Ob Arbeitsabläufe, Meeting-Etikette oder Bürokultur: Jeder ist dazu angehalten, etablierte Strukturen herauszufordern – was wir als konsequente interne Übersetzung unseres disruptiven Geschäftsmodells betrachten. Wir glauben daran, dass wir nur so der weltweit führende Marktplatz für Unternehmensfinanzierung bleiben können.

„Der Austausch mit Kollegen in anderen Locations passiert fortlaufend“

Funding Circle besitzt Büros in Amsterdam, Berlin, London und San Francisco. Wie eng ist der Kontakt mit den ausländischen Niederlassungen?

Da sich jeder unserer vier Märkte in unterschiedlichen Evolutionsstufen befindet und in seiner Entwicklung unterschiedliche Herausforderungen gemeistert hat, sehen wir den internationalen Transfer von lokalem Wissen als einen unserer größten Assets an. Der Austausch mit Kollegen in den anderen Locations passiert daher fortlaufend und ist nicht zuletzt durch die globale Teamstruktur fester Bestandteil unserer Unternehmenskultur. Team-Mitglieder besuchen die anderen Standorte regelmäßig, um sich mit ihren internationalen Gegenparts auszutauschen und Verbesserungsmöglichkeiten zu identifizieren. Auch Standortwechsel sind bei uns keine Seltenheit. Es gibt außerdem zahlreiche Weiterbildungs- und Teambuilding-Initiativen, die von marktübergreifenden Arbeitsgruppen global koordiniert werden.

Zencap wurde im Jahr 2015 in die Funding Circle Deutschland GmbH integriert. War das auch in Bezug auf Ihre Mitarbeiterstruktur ein Wendepunkt?

Natürlich hatte die Integration von Zencap in Funding Circle Veränderungen unserer Management- und Mitarbeiterstruktur zur Folge. Aber auch durch das rasante globale und lokale Wachstum haben sich die Ansprüche an die Teamzusammensetzung im Hinblick auf Internationalisierung und Professionalisierung ganz natürlich verändert. Gleichzeitig ist die Attraktivität Funding Circles als Arbeitgeber gestiegen. So konnten wir bestimmte Schlüsselpositionen – ob in der Geschäftsführung, Risikoanalyse oder Compliance – mit erfahrenen Kandidaten aus der Finanz- und Tech-Branche besetzen. Auch in Zukunft werden wir uns an die sich verändernden Bedürfnisse unserer Märkte und Teams anpassen. Diese Flexibilität hat auch bestehenden Teammitgliedern schon viele Förderungsmöglichkeiten und großes Verwirklichungspotential eröffnet.

„Allein in Berlin vereinen wir 32 Nationalitäten unter einem Dach“

Laut Ihrem Blog hat Funding Circle durch die Vermittlung von Unternehmenskrediten weltweit über 80.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Wie sieht es mit dem eigenen Wachstum aus?

Im Jahr 2017 haben wir den Teamaufbau weiter vorangetrieben und rund 20 zusätzliche Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen. Angesichts unserer ambitionierten Wachstumspläne wollen wir die Teamgröße von derzeit 95 Mitarbeitern im nächsten Jahr um 20 bis 30 Prozent steigern. Wir sind stolz darauf, mit insgesamt 700 Funding Circlers in vier Ländern mittlerweile ein wahrhaft internationales Unternehmen mit extrem interkulturellen Teams zu sein – allein in Berlin vereinen wir 32 Nationalitäten unter einem Dach.

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Daniel Fernandez, Jahrgang 1989, ist seit Januar 2017 Redakteur bei BANKINGNEWS. Bereits durch seine Ausbildung zum Gestaltungstechnischen Assistenten konnte er erste praktische Erfahrungen im Bereich Medien und Kommunikation sammeln. Während seines Studiums im Fach English Studies, das er im Jahr 2016 mit dem Bachelor of Arts abschloss, arbeitete er als Werbetexter für verschiedene Internetdienstleister.

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