Guten Morgen, heute ist Dienstag, der 15. Juni 2010! 

  • Junk: Moody’s stuft Griechenlands Kreditwürdigkeit um vier Stufen herab; Märkte nehmen’s gelassen
  • Trunk: Viele positive Meldungen halten das Stimmungsbarometer an den Märkten hoch
  • Punk: Eine Markteuphorie wird aber durch den Risikofaktor "Spanische Banken" verhindert

Wir haben uns den Arm aus der Schulter gerissen, um einen kleinen Kunstlederball über 30 Meter zu schleudern. Wir sind mit Trippelschritten angelaufen, um beim Weitsprung nicht jedes Mal das Absprungbrett zu verfehlen. Wir haben Muskelkater und Adduktorenzerrungen ignoriert, um über 100 Meter Carl Lewis Konkurrenz zu machen. Und am Ende des Tages hielten wir voller Stolz eine "Ehrenurkunde" in den Händen – unterschrieben vom Bundespräsidenten. Die Bundesjugendspiele waren das Highlight des Jahres für jeden vor sportlichem Ehrgeiz strotzenden Milchbubi. Was ist daraus geworden? Heute gibt es zwar eine eigene Webseite mit LogIn und Online Auswertungstool – aber keine Ehrenurkunden mehr. Kein Bundespräsident, keine Unterschrift, keine Urkunde. Wie sieht das denn aus? Da schüttelt dir nach hartem Kampf der Bundesjugendspielregionalverwalter die Hand, lobt dich in den höchsten Tönen, um abschließend zu bedauern: "Ich habe heute leider keine Urkunde für Dich…".
Keine Ehrenurkunde gab es gestern auch für Griechenland. Allenfalls eine Teilnahmebescheinigung: Die Ratingagentur Moody’s stufte die Kreditwürdigkeit des Landes um gleich vier Stufen auf "Ba1" ab. Das bedeutet "Junk-Status". S&P vollzog diesen Schritt bereits im April, nur Fitch hält die Fahne hoch und steht vorerst noch zu dem geringstmöglichen "Investment-Grade"-Niveau von "BBB-". Moody’s hatte den Schritt bereits vor vier Wochen "mit einer 80%igen Wahrscheinlichkeit" angekündigt. Ähnlich wie im Falle des Fitch-Downgrades für Spaniens vor zwei Wochen wird die Entscheidung von Moody’s damit begründet, die drastischen Spar- und Restrukturierungsprogramme der griechischen Regierung würden den Wachstumsausblick und damit die zyklische Haushaltsentwicklung negativ beeinflussen. Immerhin: Moody’s versieht sein Rating nun mit einem "stabilen Ausblick", was dem Überreichen einer Siegerurkunde gleichkommt.
 
Nach der spätabendlichen Ankündigung der Ratingagentur trübte sich die ansonsten gute Stimmung an den Finanzmärkten etwas ein. Aktien und der Euro schwächten sich ab, US Treasury-Renditen fielen. Aber unter dem Strich war die Marktreaktion alles andere als dramatisch. Denn zuvor gab es jede Menge positive Meldungen: Fitch äußert sich positiv zu Ungarn, Moody’s positiv zu Irland, die Industrieproduktion in der Eurozone wuchs im April stärker als erwartet und die britische Haushaltsentwicklung verläuft vermutlich besser als befürchtet. Heute früh sehen wir starke Zahlen zum britischen Immobilienmarkt und einen Rekordstand bei einem (allerdings relativ unbekannten) Vorlaufindikator für die chinesische Wirtschaft. Die europäische Politikelite hat offenbar vereinbart, alle Probleme herunterzuspielen. Jürgen Stark von der EZB meint, "wir sollten die Probleme in der Eurozone nicht übertreiben". Sein Kollege Ewald Nowotny ist der Meinung, die Kursschwankungen des Euro seien "vollkommen unproblematisch". Das deutsche Massenblatt mit den vier Buchstaben fragt bereits fast ängstlich und enttäuscht: "Euro-Krise schon vorbei?"
 
Wenn da nicht Spanien wäre. Noch immer hat euer Weltmeisterschaftsfavorit nicht ins Turniergeschehen eingegriffen, aber dennoch dominieren die Iberer die Schlagzeilen: Nach zwar übereinstimmenden, aber nur mäßig fundierten Pressemeldungen bereitet sich die EU auf Maßnahmen zur Stützung des spanischen Bankensektors vor. Während es von allen Seiten Dementis hagelt, scheinen sich dennoch die Anzeichen zu verdichten, dass der unter der heimischen Immobilien(kredit)krise ächzende Sektor früher oder später um Hilfe rufen wird. Der spanischen Notenbank zufolge beläuft sich der Abschreibungsbedarf auf 123 Mrd. Euro. Eine gewisse Anspannung dürfte daher jegliche Markteuphorie dämpfen. Da auch vom ZEW Index (11:00h) keine Unterstützung erwartet wird, dürften sich die Kurse an den Börsen heute wohl keine Ehrenurkunde verdienen…
 
Purpsis Eckball:
"Was soll nur werden, wenn es jetzt auch noch Spaß macht, den Germanen zuzuschauen?"
(Ekstra Bladet, Dänemark)


Kornelius Purps
Fixed Income Strategist
Director
MRE4FI
UniCredit Research

kornelius.purps@unicreditgroup.de

Kornelius Purps Corporate & Investment Banking
UniCredit Bank AG

www.unicreditgroup.eu

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Kornelius Purps ist Fixed Income Strategist bei der UniCreditBank AG.

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