Krisenmeldungen über Wertberichtigungen in Milliardenhöhe, die 22. Bank, die in den USA geschlossen wird, oder Rekordtiefstände von Bankaktien gehören heute bereits zum Gewohnheitsrepertoire unserer täglichen Kommunikationslandschaft.

th – Versucht man jedoch mal ganz bewusst, Distanz zur Krise aufzubauen und das Szenario aus der Vogelperspektive zu betrachten, dann erkennt man unsere Branche nicht mehr wieder. Oder hätten Sie vor 5 Jahren daran gezweifelt, dass die Citigroup im Jahr 2020 immer noch das größte Finanzinstitut der Welt ist. So lange hat es gar nicht gedauert. Auch staatlich gerettet, ist die Citigroup zu einem Übernahmekandidaten geworden. Längst ist die Bank von der Spitze der größten Banken der Welt abgetreten. Von einer Marktkapitalisierung in Höhe von 270 Milliarden US-Dollar sind knapp  über 20 Milliarden übriggeblieben. Der Ausgleich der jüngsten Börsenverluste in Höhe von 60% kann zudem nicht über den Kursverlust in Höhe von 80% im Vergleich zum Jahresbeginn hinwegtäuschen. Ratingagenturen sehen die Bank daher längst nicht gerettet.

Und so startete die Citigroup in den amerikanischen Medien eine groß angelegte Medienkampagne, um das Vertrauen der Verbraucher zurückzugewinnen. Auf diesen Zug werden hoffentlich auch noch die heimischen Banken aufspringen. Denn neben den Fragen, wie viele Landesbanken das Land braucht, wie tief der Leitzins noch sinken muss und ob die Deutsche Bank doch noch Geld aus dem Rettungsfonds nimmt, ist eine der beiden wichtigsten Fragen dieser Tage: Wie gewinnen  wir das Vertrauen der Verbraucher zurück? Und diese Verbraucher sind nicht nur potentielle Kunden (oder potentielle Ex-Kunden). Es sind auch potentielle Mitarbeiter (oder potentielle Ex-Mitarbeiter). Der geplante Stellenabbau bei der Citigroup von 52.000 Stellen, trübt  die Sicht auf den demographischen Wandel hier in Deutschland.

Keine Prognose, sondern Realität: Die IT-Industrie beklagt derzeit 40.000 offene Stellen. Dies mag derzeit in der Finanzbranche ein wenig anders aussehen. Vor der Krise zeigte sich jedoch bereits ein gewisser Fachkräftemangel. Wenn die Branche jetzt jedoch nicht mit vertrauensbildenden Maßnahmen beginnt, bekommt sie nach der Krise nicht die Mitarbeiter, die sie brauchen wird.

Doch wie bekommen wir dieses Vertrauen wieder zurück, lautet die zweite Frage dieser Tage. Anzeigen alleine helfen da sicherlich nicht weiter. Taten müssen folgen. Es braucht einen Umbau unseres Bankensystems. Wir müssen damit beginnen, alternative Wege in vielen Bereichen der Banklandschaft zu finden. Beratung und Risikomanagement sind da nur ein kleiner Ausschnitt. Beratung muss wieder als Wert durch die Kunden empfunden werden. Immerhin gibt es etliche Themen, mit denen sich die Verbraucher in den nächsten Jahren dringend beschäftigen müssen. Eines davon  hat auch mit unserer Bevölkerungssituation zu tun: Die Altersvorsorge. Ein komplexes Thema, welches nach einer Beratung auf höchstem fachlichen Niveau ruft. Hier ist unser Berufsstand gefordert, wieder an erster Stelle mitzureden und nicht den anderen das Feld zu überlassen.

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Thorsten Hahn, Jahrgang 1967, ist Gründer und Geschäftsführer der BANKINGCLUB GmbH. Der Profinetzwerker zählt auf Plattformen wie XING und Linkedin zu den Nutzern mit der besten Vernetzung in die Finanzbranche. Wie kein Zweiter versteht er dieses Netzwerk zu nutzen und auch anderen zugänglich zu machen.

Außerdem ist der erfahrene Banker und Diplom-Kaufmann Herausgeber der BANKINGNEWS, welche 10 Jahre lang als Onlinemagazin und seit Sommer 2014 als Printzeitung (7.500 Empfänger) erscheint, sowie Autor verschiedener Fachbücher und Buchbeiträge.

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