Verรคnderung bedeutet Risiken. Das Mantra der StartUps โMove Fast and Break Thingsโ macht daraus eine Strategie und Unternehmensphilosophie. Die aufsichtfรผhrenden Institutionen sehen das mit Argwohn. Ihr Auftrag ist nichtย Verรคnderung, sondern Stabilitรคt. Diese Situation erfordert viel Fingerspitzengefรผhl wenn wir die Innovation im Finanzmarktsektor nicht abwรผrgen wollen.
Peter Thiel, ehemaliger ehemaliger CEO von PayPal und einer der Schwergewichte in der US-Startup-Szene, sagte neulich in einem Interview, dass wir in einer Zeit der zweigleisigen Innovation leben. Einerseits leben wir in einer rasend schnelles Welt der bits, mobilen Systeme und dem Internet und andererseits inmitten der langsamen Welt der Atome – mit interstellaren Raumflรผgen, Hochgeschwindigkeitsreisen und atomaren medizinischen Gerรคten, die aber immer noch Science Fiction sind. Hier kam auch der bekannte Satz: โEs wurden uns fliegende Autos versprochen, bekommen haben wir 140 Zeichen.โ
Kaum Pharma-Startups, tausende IT-Startups
Der Grund zu dieser Aussage ist einfach โ bits sind nicht reguliert, Atome dagegen รผberall auf der Welt. Ein Softwareunternehmen mit einer coolen App zu grรผnden kostet 100.000 Euro โ eine neue Medizin zuzulassen eher eine Milliarde. So haben wir kaum Pharma-Startups aber tausende von Internet-Startups. Die Eintrittsbarrieren fรผr Erstere sind schlicht und einfach zu hoch. Eine vergleichbare Regulierung in beiden Bereichen wรผrde, so Thiel, entweder exzessive Gesundheitstests fรผr einfache Videospiele bedeuten, oder aber, sollten Internet Startups ein Mittel gegen Krebs entwickeln, leider auch den Tod einiger Patienten bei der Entwicklung bedeuten. โMove Fast and Break Thingsโ ist eben akzeptabel fรผr Optimierung von unkritischen Anwendungen, aber nicht fรผr das menschlichen Leben.
Diese Balance ist auch wichtig fรผr die Finanzwelt, die sich irgendwo zwischen Videospiel und menschlichem Leben befindet. Fรผr den einen ist es ein Spiel, fรผr den anderen geht es ums รberleben. Daher ist eine balancierte Risikoabschรคtzung bei allen Verรคnderungen in der Finanzwelt wichtig.
BaFin Mindestanforderungen bei Internetzahlungen
Der am 04. Februar 2015 verรถffentlichte Entwurf des Rundschreibens der BaFin zu Mindestanforderungen an die Sicherheit von Internetzahlungen als Umsetzung der Empfehlungen des โEuropean Forum on the Security of Retail Paymentsโ (SecuRe Pay Forum) vom 01.02.2013 ist ein weiterer Versuch, dieser Balance nรคher zu kommen. Die zunehmend stรคrke Integration der deutschen PSP (payment services providers) Regulierung in die europรคischen Richtlinien wird nun auch die Vielzahl der internationalen Anbieter dazu zwingen, vergleichbare einheitliche Risikoanalysen und Maรnahmen zu implementieren. Besonders die Pflicht, nach Abschnitt 2.3 alle kritischen Vorfรคlle zu melden, wird ihre nachhaltige Wirkung nicht verfehlen. So ist zu erwarten, dass entsprechende Vorfรคlle, wie heute bereits รผblich, der รffentlichkeit mitgeteilt werden.
BaFin geht รผber die europรคischen Empfehlungen hinaus
In dem aktuellen Entwurf geht die BaFin sogar in einigen Punkten รผber die europรคischen Empfehlungen hinaus: So mรผssen alle Zahlungsdienstleister zukรผnftig gewรคhrleisten, dass die Kunden รผber ihre eigene Verantwortung bezรผglich des sicheren Gebrauchs des jeweiligen Zahlungsdienstes ausreichend informiert wurden. Eine explizite Gewรคhrleistung fรผr die ausreichende Information an Tausende von unbekannten Anwendern fรผr eine Zahlungsanwendung auf unbekannten Zielplattformen, wie Smartphone, PC, Web etc., in einer unbekannten Anwendungsumgebung ist sicherlich eine sehr sportliche Herausforderung. Da wird es sicherlich spannend, wie diese Verpflichtung einerseits gelebt und spรคter juristisch ausgelegt wird. Diese Balance werden dann bei den ersten Streitfรคllen wahrscheinlich die Gerichte finden mรผssen.
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Jan Wendenburg ist seit 2016 CEO bei certgate. Vorher: Vorstand bei der XCOMpetence AGAuรerdem ist er seit 2004 Geschรคftsfรผhrer bei der W TRUST GmbH.

