Nicht nur Fintechs, sondern auch Banken leisten ihren Beitrag dazu, Innovationen in der Finanzbranche voranzutreiben. Bildnachweis: iStock.com/erhui1979

Banken revolutionieren ihr Geschäftsmodell nicht ständig. Schließlich sind Stabilität und Verlässlichkeit in der Branche ein hohes Gut. Und doch arbeiten Banken kontinuierlich daran, ihre Dienstleistungen zu erweitern und Prozesse zu verbessern. Anlass für Modifikationen geben sowohl die sich stetig wandelnden Bedürfnisse der Kunden als auch der Anpassungsbedarf, der sich durch veränderte Anforderungen von Regulierungs- und Aufsichtsbehörden ergibt. Dies gilt in besonderem Maße für den Zahlungsverkehr, und zwar nicht nur im Privatkundensegment und am Point of Sale (POS), sondern auch im Firmenkundengeschäft. Treasurer großer und mittelständischer Unternehmen suchen verstärkt nach Wegen, die Kontrolle und Transparenz im Zahlungsverkehr zu erhöhen und ihre daran angeschlossenen Prozesse zu vereinfachen. Banken müssen sich dauerhaft die Frage stellen, ob ihr Angebot den Bedürfnissen der Unternehmen noch auf allen Ebenen gerecht wird, um das Produkt- und Dienstleistungsangebot zukunftsfähig zu gestalten.

Kooperation auf verschiedenen Ebenen

Aufgrund der hohen Komplexität des Zahlungsverkehrs im Firmenkundengeschäft überrascht es nicht, dass das Thema Kooperation für Banken immer mehr an Bedeutung gewinnt, um die zukünftige Relevanz des eigenen Angebots sicherzustellen. Hierbei lassen sich zwei Ebenen der Kooperation unterscheiden: zum einen zwischen Banken und Fintechs, zum anderen Kooperationen innerhalb des Bankensektors, um „Makro-Entwicklungen“ umsetzen zu können.

Es kann eine „Win-win-win-Situation“ entstehen

Während Banken sehr gut darin sind, verlässliche Zahlungsverkehrsarchitekturen zu entwerfen und zu unterhalten, entwickeln Fintechs gezielt innovative Applikationen, die oftmals sehr spezifische Services innerhalb der Wertschöpfungskette des Bankangebots verbessern oder eventuell fehlende Bausteine ergänzen. Allerdings sind Fintechs selten in der Lage, Firmenkunden mit ihrem Produkt aus eigener Kraft eine fertige Lösung anzubieten. Denn gerade der Zahlungsverkehr von Unternehmen ist von einer hohen Komplexität geprägt, etwa durch vielfältige Vorgaben im Bereich der Geldwäschebekämpfung oder hohe Anforderungen an das Reporting. Diese Komplexität bedingt, dass Unternehmen mit Teillösungen nicht gedient ist. Stattdessen werden Services benötigt, die einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen, also Liquiditätssteuerung, Compliance und die Einbindung angrenzender Services wie etwa das Reporting beinhalten. Bindet man aber von Fintechs entwickelte Bausteine in ein solches Gesamtangebot der Bank ein, kann eine „Win-win-win-Situation“ entstehen, bei der Unternehmen, Fintechs und Banken gleichermaßen profitieren.

Bei den Makro-Entwicklungen dagegen handelt es sich um Verbesserungen, die nur gemeinschaftlich in der Bankbranche geschaffen werden können, aber genauso auch den Treasurer als Endnutzer mit einbeziehen. Als Beispiele seien Instant Payments und SWIFT global payments innovation (gpi) genannt. Während Instant Payments momentan viel öffentliche Aufmerksamkeit genießen, ist über SWIFT gpi weniger bekannt. Dabei wird diese Initiative das Nutzererlebnis von Firmenkunden im Auslandszahlungsverkehr spürbar verbessern.

Dies ist deshalb so wichtig, weil Treasurer bei internationalen Zahlungen schon seit geraumer Zeit an Ineffizienzen leiden. Im Gegensatz zu Inlandszahlungen (Stichwort SEPA) werden für die Abwicklung von Zahlungen ins Ausland nicht nur die ausführende und die empfangende Bank benötigt, sondern verschiedene Korrespondenzbanken. Mangelt es an der erforderlichen Synchronisation zwischen all diesen Banken, kann es zu Verzögerungen oder Intransparenz bei der Abwicklung kommen. Indem die teilnehmenden Banken die Verarbeitungsgeschwindigkeit und Transparenz entlang der gesamten Abwicklungskette erhöhen und darüber hinaus das Überwachen des Transaktionsstatus ermöglichen, wird durch SWIFT gpi der Gesamtprozess im Auslandszahlungsverkehr für Unternehmen entscheidend verbessert.

Wichtig ist, die Bedürfnisse der Kunden zu kennen

Beim Thema Innovation gibt es somit nicht nur schwarz und weiß, sondern zahlreiche Grautöne. Kooperationen spielen für Banken eine ebenso wichtige Rolle wie Eigenentwicklungen, wenn es darum geht, auch in Zukunft mit Zahlungsverkehrsangeboten für Firmenkunden relevant zu bleiben. Um Innovationen zum Durchbruch zu verhelfen, muss man nicht alles selbst entwickeln. Wichtig ist, die Bedürfnisse der Kunden zu kennen und einen pragmatischen Weg zu finden, um diesen gerecht zu werden. Dies gilt für Banken genauso wie für Fintechs.

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