Das Thema Konsumentenkredit erlebt derzeit eine Renaissance. Aus der Makroperspektive handelt es sich um einen gigantischen Markt. Im vergangenen Jahr haben die Bundesbürger rund 1,4 Billionen Euro für Konsumzwecke ausgegeben. Das Gesamt-Exposure der Branche liegt derzeit bei 228 Milliarden Euro, davon rund 130 Milliarden im Konsumentenkreditbereich. Sowohl klassische Großbanken als auch auf Verbraucherkredite spezialisierte Institute engagieren sich verstärkt in dem hiesigen, aber stark umkämpften Markt. Hinzu kommt eine Reihe ausländischer Banken (Fortis, Santander u.a.) sowie Handelskonzerne wie Tschibo und C&A, die den Marktführern zunehmend Geschäft entziehen. Platzhirsch sind mit rund 35 % Marktanteil an der Konsumfinanzierung die öffentlich-rechtlichen Institute, gefolgt von den kreditgenossenschaftlichen Banken, die auf einen Anteil von etwa 17 % kommen. Der Markt ist allerdings im Umbruch. "Marketing spielt bei der Realisierung von Neugeschäft eine ganz entscheidende Rolle", sagt Andreas Kramer (Foto mitte), Vorstandsvorsitzender der Readybank AG. Die Tochtergesellschaft der WestLB geht in diesem Feld neue Wege und bietet über eine Kooperation mit Payback pro vier Euro Kreditbetrag einen Punkt auf das Payback-Konto. Doch vor allem in jüngerer Zeit weht den Banken mit großem Ratenkreditgeschäft ein rauher Wind entgegen, der insbesondere von Verbraucherschützern angefacht wird.

Ohne Scoring kein risikoadjustiertes Pricing
Im Zentrum der Kritik steht das Scoringverfahren, ohne das ein risikoadjustiertes Pricing nicht möglich ist. Verbraucherschützer wittern hier Verstöße gegen den Datenschutz, aber ohne Scoring funktioniert das Bankgeschäft in diesem Segment nicht. Nach Ansicht des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv) könne die Kreditwürdigkeit nicht alleine durch Scoring-Systeme beurteilt werden. "Menschen werden beim Scoring in Schubladen gesteckt, ohne dass die Verbraucher erfahren, wie und warum sie dort gelandet sind", meint vzbv-Vorstand Prof. Dr. Edda Müller. Bei der Beurteilung der Kreditwürdigkeit von Verbrauchern sollten nur kreditrelevante personenbezogene Faktoren erhoben werden, fordert die Verbraucherschützerin. Zudem müssten klare Haftungsregeln für Unternehmen und Auskunfteien formuliert werden, wenn Scores und Bonitätsbewertungen auf unsachlicher oder diskriminierender Grundlage beruhen. Allzu oft verkennen Verbraucherschützer allerdings den volkswirtschaftlichen Nutzen des Scorings, den Schufa-Vorstand Rainer Neumann an drei Punkten festmacht: Dank Scoring könnten mehr Kredite, zu günstigeren Konditionen und bei weniger Ausfällen vergeben werden. Stünde diese Möglichkeit der schnellen, kostengünstigen und unkomplizierten Bonitätseinschätzung bei der Kreditvergabe nicht zur Verfügung, hätte die deutsche Wirtschaft mit erheblich größeren Risiken, gestörten Beziehungen zwischen Kreditnehmern und -gebern, brachliegenden Ertragspotenzialen, Forderungsausfällen und finanziellen Mehrbelastungen zu kämpfen. Die Funktionstüchtigkeit der Marktwirtschaft wäre ohne die wettbewerbsneutrale und Branchen übergreifende Arbeitsweise von Auskunfteien wie der Schufa in Frage gestellt. Unterstützung erhält Neumann aus der Branche.

Debatte vor dem Hintergrund des Bildungsproblems
"Nur wer die Risiken und Kosten im Griff hat, kann heute noch eine auskömmliche Marge erzielen", weiß Milko Hascher von der CreditPlus Bank AG. Schon jetzt sind 3,5 bis 4 Millionen deutsche Haushalte überschuldet. Aufgabe des Risikomanagements und des Vertriebs ist es vor diesem Hintergrund, Risikokunden mit immer neuen Kreditzusagen nicht noch tiefer in die Schuldenspirale zu treiben. Doch die Zuweisung des Schwarzen Peters an die Banken greift zu kurz. "Unsere Kunden sind mündige Bürger", so Readybank-Chef Kramer im Rahmen einer Veranstaltung des International Bankers Forum (IBF) in Düsseldorf. Ein übergeordnetes Problem sind jedoch bestehende Informationsdefizite in breiten Teilen der jüngeren Bevölkerungsschicht beim Umgang mit Geld, die für Überschuldungen und die steigende Zahl von Privatinsolvenzen mitverantwortlich sind. Mehr Wirtschaftsbildung in der Breite, für die sich beispielsweise der Bundesverband deutscher Banken mit seiner Publikationsreihe "SchulBank" engagiert, ist deshalb dringend angezeigt. "Ein zentrales Problem ist, dass das Verbraucherkreditgeschäft zu oft auf die schnelle Markt ausgerichtet ist", glaubt dagegen der Schuldnerberater Peter Zwegat. Meist werden die Problemkreditfälle aber durch Schicksalsschläge wie Scheidung, Arbeitslosigkeit oder Krankheit herbeigeführt, hält Kramer entgegen. Derartige Risikoereignisse lassen sich jedoch nicht beim Kreditvergabeprozess prognostizieren.

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