Kopf des Monats: Angela Merkel

Angela Merkel ist wirklich nicht zu beneiden. Seit Wochen kursieren Gerüchte, dass die Kanzlerin im stillen Kämmerlein zusammen mit Deutsche-Bank-Chef John Cryan über mögliche Staatshilfen für das größte deutsche Geldhaus debattiert hat. Berlin dementiert dies energisch. Offensichtlich ist: Der Deutschen Bank geht es schlecht und ihr droht derzeit eine Rekordstrafe von 14 Milliarden Euro wegen dubioser Immobilien-Geschäfte in den USA. Kippt der Fels des deutschen Finanzsystems, wäre eine erneute globale Krise vorprogrammiert. Schließlich gilt die Deutsche Bank als am besten vernetztes Kreditinstitut der Welt.

Würde Merkel Staatshilfen zur Rettung anbieten, bedeutete das im Umkehrschluss, dass sich seit dem Lehman-Kollaps nichts verbessert hat. Das Finanzsystem wäre genauso unsicher und gefährdet wie vor acht Jahren. Zudem müssten nach Vorschrift in erster Linie die Gläubiger und Aktionäre bei einer Pleite der Bank haften; eine Vorschrift, auf deren Einhaltung Wolfgang Schäuble pochte, als es um die Rettung der italienischen Bank Monte dei Paschi di Siena ging.

Ein Eingreifen der Bundesregierung verursachte also auch einen enormen außenpolitischen Schaden. Und im Wahljahr 2017 mit Steuergeldern ein Haus aus der im Volk unbeliebten Finanzbranche retten? Merkel würde wahrscheinlich erneut lieber die Zeit zurückdrehen.

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Christian Grosshardt, Jahrgang 1986, verfügt über mehr als sechs Jahre Berufserfahrung in Print- und Online-Journalismus. Während seines Studiums der Germanistik, das er mit dem Master of Arts abschloss, sammelte er bereits umfangreiche redaktionelle Erfahrungen als freier Mitarbeiter bei der Kölnischen Rundschau. Christian Grosshardt betreut BANKINGNEWS seit der ersten Printausgabe und ist seit August 2016 stellvertretender Chefredakteur.

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