Von Stefan Hirschmann – Das Zahlungsverhalten deutscher Unternehmen hat sich im 3. Quartal 2009 verbessert. 78,75 Prozent aller deutschen Unternehmen zahlten ihre Rechnungen vereinbarungsgemäß. Dies belegt eine Studie zur Zahlungsmoral des Wirtschaftsinformationsdienstes D&B Deutschland. Damit zeigt sich ein leichter Anstieg um 0,34 Prozentpunkte im Vergleich zum 2. Quartal. „Der Abwärtstrend scheint zunächst gebremst“, erläutert Thomas Dold, Geschäftsführer bei D&B Deutschland. „Sofern sich Prognosen eines schwachen, Wirtschaftswachst für das kommende Jahr bestätigen, wird sich die Zahlungsmoral in Deutschland weiter stabilisieren.“

Auch nach mehr als einem Jahr Wirtschafts- und Finanzkrise bescheinigen die im Rahmen des D&B DunTrade-Programms ausgewerteten 600 Millionen deutschen Rechnungen dem Großteil der Unternehmen in Deutschland weiterhin eine gute Zahlungsmoral. So zahlen nur knapp ein Fünftel der Unternehmen ihre Rechnungen verspätet oder gar nicht. Die durchschnittliche Verzugszeit der Unternehmen lag bei 9,8 Tagen und entspricht damit dem Wert des 2. Quartals.
Die Zahlungsmoral hat sich in 10 von 12 untersuchten Branchen gegenüber dem 2. Quartal verbessert. Dies ist ein erster Lichtblick: Erstmals seit Ende 2008 entwickelt sich die Zahlungsmoral in fast allen Branchen positiv. Im 3. Quartal konnten auch Handwerk und Baugewerbe pünktlichere Zahlungen aufweisen. Nur die krisengeplagten Automobilbauer und Zulieferer sowie Verlage und Druckereien sehen kein Licht am Ende des Tunnels. Sie zeigen weiter leichte Verluste bei der Zahlungsmoral: mit einem Minus von 0,35 Prozentpunkten bei Automobilindustrie und ihren Zulieferern (73,19 Prozent) sowie 0,68 Prozentpunkten bei Verlagen und Druckereien (79,13 Prozent).
Die Top-3 in punkto Zuverlässigkeit beim Begleichen ihrer Rechnungen bleiben unverändert Pharmaunternehmen, Banken und Maschinenbauer. Die Schlusslichter bilden Telekommunikation sowie Transport und Logistik.
Die meisten ernsthaften Beanstandungen bei der Zahlungsmoral verzeichnet D&B bei Unternehmen aus dem Baugewerbe (1,6 Prozent) sowie bei Verlagen und Druckereien (1,46 Prozent). Hier ist der Anteil der Firmen am größten, die mehr als 105 Tage nach Ziel ihre Rechnungen begleichen.
Der positive Trend pünktlicher Zahlungen erstreckt sich auch über alle Bundesländer. So haben sich alle 16 Länder im Vergleich zum 2. Quartal verbessert. Die Top-3 bleiben weiterhin unverändert Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen. Überfällige Rechnungen bezahlen Unternehmen aus Baden-Württemberg am schnellsten (8,71 Tagen nach Zahlungsziel). Berlin bildet weiterhin das Schlusslicht der Bundesländer mit 72,62 Prozent vereinbarungsgemäß bezahlten Rechnungen.
Die gestiegene Zahlungsmoral ist ein erstes Anzeichen einer Erholung der deutschen Wirtschaft im dritten Quartal. Allerdings bleibt abzuwarten, ob diese Erholung in einen stabilen Aufschwung mündet und wie sich die anziehende Weltwirtschaft auf die Unternehmen auswirken wird. Darüber hinaus ist der Aufschwung der Wirtschaft von der Kreditvergabe der Banken abhängig. Fehlende Bankkredite könnten zu Liquiditätsschwierigkeiten führen und sich negativ auf das Zahlungsverhalten auswirken. Einzelne Branchen müssen sich weiterhin mit Engpässen in der Finanzierung auseinandersetzen. Hier besteht die reale Gefahr einer einsetzenden Kreditklemme. Diese Annahme ist insbesondere in den steigenden Ansprüchen an Sicherheiten und Risikoaufschlägen der Kreditwirtschaft begründet.
Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben in ihrem Herbstgutachten auch entsprechend ihre Prognosen für das Wirtschaftswachstum in 2010 noch oben korrigiert und sagen für 2010 ein, wenn auch schwaches, Wachstum von 1,2 Prozent für Deutschland voraus. Demzufolge wird sich die Zahlungsmoral in Deutschland weiter stabilisieren und sich in einigen Bereichen auch erholen.
Die komplette Studie zur Zahlungsmoral im 3. Quartal 2009 können Sie hier herunterladen: http://www.dnbgermany.de/media/DnBStudieZahlungsmoralQ309.pdf

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Thorsten Hahn, Jahrgang 1967, ist Gründer und Geschäftsführer der BANKINGCLUB GmbH. Der Profinetzwerker zählt auf Plattformen wie XING und Linkedin zu den Nutzern mit der besten Vernetzung in die Finanzbranche. Wie kein Zweiter versteht er dieses Netzwerk zu nutzen und auch anderen zugänglich zu machen. Außerdem ist der erfahrene Banker und Diplom-Kaufmann Herausgeber der BANKINGNEWS, welche 10 Jahre lang als Onlinemagazin und seit Sommer 2014 als Printzeitung (7.500 Empfänger) erscheint, sowie Autor verschiedener Fachbücher und Buchbeiträge.

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