Neue Erkenntnisse zum Wachstumsausblick in Europa und die mögliche Einigung auf ein Gesamtvolumen der europäischen Rettungsschirme – dies sind die Hauptereignisse dieser Woche. Der teils deutliche Rückgang in den europäischen Einkaufsmanager-Indizes (PMIs) in der vergangenen Woche hat uns etwas überrascht. Frankreich gab in diesem Zusammenhang ein besonders ambivalentes Bild ab: Der PMI für das Verarbeitende Gewerbe fiel um 2,4 Punkte auf den zweitniedrigsten Stand der letzten 2½ Jahre. Tags darauf zeigten Zahlen zum französischen Unternehmensvertrauen jedoch eine deutliche Verbesserung der Stimmung. Ähnliches beobachteten wir vor Monatsfrist in Deutschland: schwächere PMIs, aber ein erneut stärkerer Ifo Index. Entsprechend groß ist nach dem Bekanntwerden erneut schwächerer deutscher PMI-Daten nun die Spannung vor der Veröffentlichung des Ifo Index für den Monat März heute um 10 Uhr. Unsere Volkswirte erwarten einen erneuten, wenn auch leichten Anstieg von 109,6 auf 110,2 Punkte. Dies wäre die fünfte Verbesserung in Folge.

Daneben erwarten wir diese Woche weitere Bausteine für den Konjunkturausblick: Am Dienstag veröffentlicht die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) den Index für das Konsumentenvertrauen in Deutschland. Wir erwarten eine Bestätigung des Vormonatsanstiegs auf 6,0 Punkte. Am Mittwoch ist Italien an der Reihe, wenn die Daten zur Stimmung im Unternehmenssektor veröffentlicht werden. Auch hier erwarten unsere Volkswirte einen kleinen Anstieg – es wäre der erste nach drei Rückgängen in Folge. Am Freitag schließt der EuroCOIN Indikator die Reihe der dieswöchigen Soft Indikatoren für die Eurozone ab. Der EuroCOIN Indikator fasst eine ganze Reihe verschiedener Wirtschaftsindikatoren wie Industrieproduktion oder Stimmungsumfragen, aber auch Aktienmarktentwicklungen aus der Eurozone zusammen. Die italienische Notenbank ermittelt daraus monatlich eine Schätzung für das aktuelle BIP-Wachstum in der Eurozone. Im Januar und Februar verzeichnete der EuroCOIN Indikator zwei Anstiege in Folge, wenn auch in leicht negativen Terrain (Februar: -0,06 Punkte).

Über den Tellerrand der Eurozone hinausgeschaut, erwarten wir auch eine Reihe von Indikatoren aus anderen Ländern: Aus den USA kommt am Dienstag das Konsumentenvertrauen des Conference Board (leichter Anstieg erwartet) und am Freitag Daten zur Konsumentenstimmung nach Berechnung der University of Michigan. Weitere Stimmungseindrücke kommen über die Richmond und Kansas Fed Manufacturing Indizes (Dienstag & Donnerstag) sowie den Chicago PMI (Freitag). Zur Abrundung des Bildes sei auf die Daten zum italienischen und britischen Konsumentenvertrauen (Montag & Freitag) sowie auf den Geschäftsklimaindex KOF in der Schweiz (Freitag) verwiesen. Erweitert wird der Datenkalender durch Zahlen zur Geldmengenentwicklung in Europa (Mittwoch), deutsche Inflations- und Arbeitsmarkt- und Einzelhandelszahlen (Mittwoch, Donnerstag & Freitag) sowie Daten zur Hauspreisentwicklung, zu den Auftragseingängen, dem BIP-Wachstum (dritte Schätzung für 4Q) und den Ausgaben der Privathaushalte in den USA.

Am Freitag und Samstag treffen sich die Finanzminister der Eurozone in Kopenhagen. Jüngste Meldungen deuten darauf hin, dass es bei diesem Treffen zu einer informellen Einigung auf die Größe des gesamten Rettungsschirmvolumen aus EFSF und ESM kommen könnte.

Neu aufkeimende Sorgen um den Konjunkturausblick haben die Stimmung an den Finanzmärkten in der vergangenen Woche spürbar belastet. Die Marktteilnehmer werden die zahlreichen Indikatoren in den kommenden Tagen daher sehr aufmerksam verfolgen. Ein verbesserter Ifo Index heute Vormittag um 10 Uhr könnte dabei die Zeichen gleich zu Handelsbeginn auf Stimmungserholung setzen.

Foto von John Francis Bourke – www.istockphoto.de

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