Guten Morgen, heute ist Montag, der 27. September 2010 !

  • Hürde Bürde: EUR-USD steht mit großen Augen kurz vor der kritischen Marke von 1,3510
  • Wahre spare: Irland und Portugal verunsichern die Anleger mit schwierigen Haushaltsberatungen
  • Wachse laxe: Q3 BIP-Zahlen aus Großbritannien und den USA unterstreichen Wachstumsabschwächung

Wenn es um nichts mehr geht, so der Volksmund, dann geht es um die Goldene Ananas. Wahrscheinlich hätte sich Edward Pimentel darüber sogar gefreut. So aber hat der 30jährige Telefontechniker aus Albuquerque ein ernsthaftes Problem: Wohin mit einer Million Maultaschen? Statt eines goldenen Bromeliengewächses erhielt er als Hauptgewinn bei der Karaoke-WM in Moskau jene gar nicht sparsame Schwaben-Prämie. Mr. Pimentel ist für jeden Hinweis dankbar, wie er seinen Lagerbestand an gefüllten Nudeltaschen magenschonend abbauen kann. Ein Vorschlag lautet, landende ISS-Astronauten künftig anstatt traditionell mit einer Gurke künftig mit einer Maultasche zu beglücken ("Uuh, great, mouth bags!"). Alternativ empfehle ich die Eröffnung eines Spezialitätenlokals in Bern. Hauptgericht: Maultaschen mit Bü-, Bü-, Bündnerfleisch.

Als dritte Möglichkeit rate ich zu einem Anruf bei der US Notenbank. Die Dollardrucker aus Washington kaufen bekanntlich alles, was nicht bei Drei verbrieft ist. Eingelagert in Fort Knox könnten die Maultaschen als Sicherheit dienen (Stichwort "Maultaschendeckung"), sollte sich die internationale Anlegerschaft weiter von der US-Währung abwenden. Mit der Quasi-Ankündigung einer Wiederaufnahme der Käufe von Staatsanleihen ("QE 2.0") in der vergangenen Woche hat die Federal Reserve den Greenback eindeutig geschwächt. Seit Veröffentlichung des FOMC-Statements stieg EUR-USD von 1,3130 bis auf 1,3495 (aktuell: 1,3467). Marktteilnehmer blicken nun mit Spannung auf die Marke von 1,3510. Dieses Niveau gilt als kritisch, weil es genau den Mittelpunkt ("50%-Fi-Fi-Fibo-Level") aus der Abwärtsbewegung des Wechselkurses zwischen Dezember 2009 und Juni 2010 darstellt.

Ein Durchbrechen der kritischen Marke von 1,3510 kann eigentlich nur durch ein Wiederaufflammen der europäischen Staatsschuldenkrise verhindert werden. Diesbezüglich werden die kommenden Tage nicht ereignislos sein. Weiterhin steht Irland im Zentrum des Interesses. Innerhalb der kommenden 14 Tage schuldet uns die irische Regierung Details dahingehend, wie sie mit den Schulden der verstaatlichten Anglo Irish Bank umzugehen gedenkt. Müssen die Gläubiger die Verluste der Bank mittragen? Inwieweit wird zwischen nachrangigen und vorrangigen Gläubigern differenziert? Was kostet es den Staat insgesamt, die AIB zu retten? Soll sie überhaupt gerettet werden? In dieser Diskussion verliert die Regierungspartei Pressemeldungen vom Wochenende zufolge zunehmend an Zuspruch. Die anstehenden Verhandlungen über Ausgabenkürzungen im Umfang von 3 Mrd. Euro im Rahmen des Haushaltsentwurfs für 2011 könnten darunter leiden. Marktbeobachter sollten sich in den kommenden Tagen auf eine weitere Ausweitung des Renditeaufschlags irischer Staatsanleihen gegenüber Bunds einstellen.

Nicht viel anders sieht es in Portugal aus. Die Haushaltsentwicklung im laufenden Jahr hinkt derjenigen in anderen EWU Peripheriestaaten hinterher. Die Minderheitsregierung steht gleichfalls vor der Verabschiedung eines Sparhaushalts. Präsident Cavaco Silva bemüht sich als Vermittler und bestellte für Dienstag und Mittwoch Vertreter aller Parteien zu sich. Bei Maultaschensuppe soll Einigkeit und Entschlossenheit demonstriert werden.

Doch nicht nur die kleinen, auch die großen Länder und Regionen werden in den kommenden Tagen für ausreichend Gesprächsstoff unter den Händlern sorgen. So hält Ben Bernanke am Donnerstag eine Rede vor dem Bankenausschuss des Senats (Bestätigung steht noch aus). In der Eurozone werden ebenfalls am Donnerstag verschiedene Liquiditätstender mit einem Gesamtvolumen von rund 225 Mrd. Euro fällig. Aus Großbritannien (Dienstag) und den USA (Donnerstag) bekommen wir erste Schätzungen zum BIP-Wachstum im dritten Quartal. Und zum Wochenabschluss erwartet uns ein vermutlich recht heftiger Rückgang im US ISM Index. Der Marktausblick lautet daher wenig überraschend: AAA-Anleihen fester, Peripherie-Bonds schwächer, EUR fester, USD schwächer, Gold fester und Aktien sei-, sei-, seitwärts.

 

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Dies ist ein humoristischer Marktkommentar und keine Anlageberatung. Die Einschätzungen des Autors beruhen auf Informationen, die auf öffentlich zugänglichen, als verlässlich eingeschätzten Informationsquellen basieren. Weitere Informationen finden Sie im Disclaimer.
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Kornelius Purps
Fixed Income Strategist
Director
MRE4FI
UniCredit Research

kornelius.purps@unicreditgroup.de

Kornelius Purps Corporate & Investment Banking
UniCredit Bank AG

www.unicreditgroup.eu

 

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