Die Deutschen und ihre Geldautomaten: eine innige Freundschaft. Bildnachweis: iStock.com/Lightcome

Jeder weiß: Freundschaften über weite Distanzen sind schwer zu pflegen. Immer wieder kommt mal etwas dazwischen und nicht allzu selten versteckt sich das schlechte Gewissen hinter der Tatsache, dass das Glas Rotwein bei den Bekannten um die Ecke doch etwas näher dran ist, als der kilometerweit entfernte alte Schulfreund.

So ist das auch beim besten Freund des Bankkunden, dem Geldautomaten. Eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts YouGov unter 2.000 Erwachsenen hat ergeben, dass über ein Drittel der deutschen Bevölkerung (37%) ihre Loyalität zur Hausbank hauptsächlich von der Verfügbarkeit eines nahegelegenen Geldautomaten abhängig macht. Zieht die Bank um und nimmt auch ihren SB-Service mit, würden die Befragten die Bank wechseln. Dieser Umstand ist eng verknüpft mit der Liebe der Deutschen zum Bargeld. Für 52% stellt es immer noch die sicherste Art zu Bezahlen dar und 58% sind überzeugt, ihre Daten auf diese Weise am besten schützen zu können. Nicht umsonst sind Mobile-Payment-Lösungen wie Apple Pay hierzulande noch Fremdwörter, wie auch Rudolf Linsenbarth in der aktuellen Ausgabe BANKINGNEWS feststellt.

Der Einzelhandel profitiert

Gerade für den Einzelhandel ist dies jedoch ein Segen. Ergebnissen derselben Umfrage zufolge profitieren gerade Wochenmärkte und Geschäfte in Fußgängerzonen kleinerer bis mittelgroßer Einkaufsstädte von nahegelegenen Geldautomaten. Unangefochten an der Spitze stehen Bäckereien und Kioske. Bezahlt man in Finnland z.B. schon die Brötchen am Sonntag mit Karte, kaufen über 90% der Deutschen diese noch mit Bargeld.

In Auftrag gegeben wurde die Umfrage von Cardtronics, Deutschlands größtem unabhängigen Anbieter von Geldautomaten, welche sie für ihre Studie „Der Wert des Bargelds für Einzelhändler und Finanzinstitute“ verwendeten. Für Marc Terry, Managing Director EMEA für Cardtronics, belegt diese vor allem die Wichtigkeit einer guten Bargeldversorgung für das Überleben von örtlichen Gemeinden und Einzelhändlern: „Dadurch werden Geldautomaten nicht nur wichtig für den Einzelhandel, sondern sie bilden auch weiterhin einen integralen Bestandteil der Dienstleistungen, die von Banken bereitgestellt werden“, so Terry.

Werbe-Claims wie „Die Bank an Ihrer Seite“ bekommen aus dieser Perspektive eine ganz neue Bedeutung. Wir Deutschen schwimmen jeder Digitalisierungswelle tapfer auf unseren Scheinen entgegen und der Geldautomat ist dabei der treue Freund, der uns nie im Stich lässt. Immer verfügbar, immer wach, nie schlecht gelaunt.

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Tobias Schenkel, Jahrgang 1988, ist seit November 2017 Redakteur bei BANKINGNEWS. Bereits während seines Germanistikstudiums, welches er mit dem Master of Arts abschloss, sammelte er erste journalistische Erfahrungen bei Zeitungen und verschiedenen Radiosendern.

1 KOMMENTAR

  1. Die „Liebe der Deutschen zum Bargeld“ ist logischerweise nichts anderes als schlichte Alternativlosigkeit.
    Würde hier auf einen Schlag Apple Pay, Google Pay, Samsung Pay und wie Sie alle heißen verfügbar sein und dann noch Akzeptanzstellen in jedem auch so kleinen Laden (z.B. Bäcker..) dann wäre es aber ratzfatz mit der Liebe zum Bargeld vorbei (außer bei Generation 60+)
    Bzgl. der Entwicklung z.B. im Mobile Payment Bereich ist Deutschland den anderen Industrieländern Lichtjahre hinterher.
    So gesehen, schön dass es Bargeld gibt, sonst würde es heißen „die Liebe der Deutschen zum Tauschhandel“. …Hasenfell gegen Brötchen

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