„Mit offenen Plattformen können Banken ihren Kunden Innovation bieten“

Neue Ideen braucht das Land. In einer von Avaloq durchgeführten Studie gaben 69 Prozent der befragten Banker an, dass sie einen großen Änderungsbedarf im Geschäftsmodell ihres Hauses sehen. Viel zu oft steht diesen nötigen Veränderungen jedoch der Faktor Zeit im Weg, da Time-to-Market-Kosten nicht das Budget sprengen sollen. Uwe Krakau von Avaloq erklärte im Gespräch, wie man diese verringern kann.

Uwe Krakau ist General Manager Deutschland und General Manager für den Global Key Account Deutsche Bank bei Avaloq.

BANKINGNEWS: In der Bankbranche wird der Ruf nach einer Digitalen Transformation immer lauter. Wo befinden sich die Banken auf diesem Weg?

Uwe Krakau: Die Finanzindustrie hat schon vor Jahrzehnten angefangen, Verarbeitungssoftware zu verwenden – viele sind aber nach wie vor in wesentlichen Teilen ihrer Softwareinfrastruktur auf einem veralteten Stand. Erst seit Kurzem beginnt sich die „letzte Meile“ hin zum Endkunden zu digitalisieren – das heißt, dass Konsumenten über das Internet aus verschiedenen Kommunikationskanälen heraus in die Wertschöpfungskette von Banken eingebunden werden. Wo die Banken in dieser Transformation stehen, ist höchst unterschiedlich – manche haben sich mit dieser neuen Realität noch nicht arrangiert, was angesichts der Innovationsgeschwindigkeit im Banking riskant ist.

Von Providern und Banken wird stetig gefordert, dass sie immer up to date sind. Führt dieser Druck vielleicht sogar zu einer Trennung des typischen „Lieferanten-Empfänger-Verhältnisses“?

Teilweise ja – traditionelle Strukturen brechen auf. Das heißt zum Beispiel, dass sich Banken nur noch auf differenzierende Elemente ihres Geschäfts konzentrieren – im Wesentlichen die Beratung ihrer Kunden. Technologie ist hier elementar: Durch geschickten Einsatz offener Plattformen können Banken ihren Kunden Innovation bieten, zum Beispiel neue Produkte oder Kanäle. Fintech-Lösungen lassen sich auf diese Weise schnell und sicher integrieren. Wenn Modelle der Zusammenarbeit technische Begrenzungen aufweisen, wird dies vom Verbraucher immer weniger akzeptiert.

Bei der Implementierung neuer Software wird eine zunehmend kürzere Time-to-Market gefordert. Wie erreicht man die notwendige Agilität bei gleichzeitig geringen Kosten?

Wichtig ist, dass die digitale Strategie aus einem Guss kommt. Konsistente Daten, offene Schnittstellen und klare Ziele sind wesentliche Erfolgsfaktoren. Wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, ist Software as a Service eine effiziente Methode, Technologie einzuführen, ohne dass eine Bank mit dem Unterhalt von Software Ressourcen bindet, die sie vielleicht anderweitig mit Mehrwert einsetzen könnte.

Wären Banken nicht gut beraten, ihre Produkte – mit dem Risiko des Scheiterns – viel schneller auf den Markt zu bringen?
Fintechs treiben Innovationen in der Finanzbranche mit hoher Geschwindigkeit voran. Das heißt, die Auswahl für Kunden ist so breit wie noch nie. Gleichzeitig ist die Loyalität von Kunden, gerade unter den jüngeren Generationen, so niedrig wie noch nie. Daher sind Agilität und Innovation ein Muss. Nichts zu tun, ist das viel größere Risiko. Man sollte sich an den Zustand gewöhnen, einmal etwas auszuprobieren, um zu testen, ob es gut ankommt oder eben auch nicht.

Nichts zu tun, ist das viel größere Risiko

Banken müssen personell sehr viele Ressourcen aufwenden, um etwa regulatorische Vorgaben umzusetzen. Wie kann man da noch auf Produktebene konkurrenzfähig und innovativ sein; vor allem gegenüber großen Technologieunternehmen oder agilen Fintechs?

In der Tat werden regulatorische Anforderungen komplexer – und das potenziert sich, wenn eine Bank international arbeitet. Wenn jede Bank versucht, sich selbst damit auseinanderzusetzen, wird das für sie mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr teuer. Dagegen hilft Standard-Software dabei, Regulatorien jederzeit einfach und kompetent im Blick zu behalten – und innerhalb einer Community ist das zu einem Bruchteil der Kosten möglich.

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Christian Grosshardt, Jahrgang 1986, verfügt über mehr als sechs Jahre Berufserfahrung in Print- und Online-Journalismus. Während seines Studiums der Germanistik, das er mit dem Master of Arts abschloss, sammelte er bereits umfangreiche redaktionelle Erfahrungen als freier Mitarbeiter bei der Kölnischen Rundschau. Christian Grosshardt betreut BANKINGNEWS seit der ersten Printausgabe und ist seit August 2016 stellvertretender Chefredakteur.

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