Zertifikate stehen schwer in der Kritik. Aber nicht alle Vorwürfe sind auch berechtigt. Das gilt auch für die oft beklagte Menge der angebotenen Produkte – sie ist wünschenswerte Vielfalt, kein Ärgernis

Von Tobias Kramer, Herausgeber Der Zertifikateberater – Ein Jahr ist seit dem vielzitierten GAU am deutschen Zertifikatemarkt vergangen. Dank des DZB Zertifikate-Plenums konnte das Finanzmagazin Der Zertifikateberater in dieser Zeit gut nachvollziehen, wie es Beratern bei ihren Kundengesprächen ergangen ist. Und die mussten einiges über sich ergehen lassen. Denn leider ergoss sich über das Investmentprodukt Zertifikat alles, was der vor der „Lehman-Oma“ bekanntere „Otto Normalverbraucher“ im Bereich der Kapitalanlage nur schwer oder eben gar nicht nachvollziehen kann. Zahlreiche Journalisten, die bis zum Zeitpunkt der Lehman- Pleite nicht unbedingt Experten des Themengebiets Kapitalanlage waren, wandten sich nun ebenfalls dem Thema zu und schrieben sehr häufig Verzerrendes oder schlichtweg Falsches voneinander ab. Von den wiederholt auftauchenden Vorwürfen zu Zertifikaten aufgeschreckt, nahm sich dann auch die Politik des Themas an.

Fünf Hauptvorwürfe – ein Beispiel
In Vorbereitung auf die erste Roadshow des Zertifikateberater in Zusammenarbeit mit der Boerse Stuttgart und der Royal Bank of Scotland sind fünf Hauptvorwürfe identifiziert worden, die oft gegen Zertifikate ins Feld geführt werden. Jeder dieser Vorwürfe birgt zwar grundsätzlich immer ein Stückchen Wahrheit aber wie das mit dem ersten Blick oft so ist: Man sieht dabei nicht immer alles. Auf den ersten Blick ist zum Beispiel die Welt eine Scheibe. Erst eine distanziertere Betrachtung zeigt eine Kugel, und ganz präzise ist es ein Ellipsoid.
Leider wurde in den letzten Monaten nicht sehr häufig eine distanziertere Betrachtung gewählt. Auch nicht bei der Frage nach der vermeintlich so bedrohlichen Menge der dem Anleger zur Verfügung stehenden Produkte: 197.000 Zertifikate! Da kann doch niemand durchblicken. Ist das wirklich so? Natürlich nicht! Man kann durchaus auch bei dieser Menge den Durchblick behalten, es braucht aber einen Moment, um dies auch den Menschen begreiflich zu machen, die sich noch nie mit dem Thema beschäftigt haben.
Eine Prüfung im Juni 2009 ergab, dass 83 Prozent aller zu diesem Zeitpunkt angebotenen Anlagezertifikate Bonus- oder Discountprodukte waren, deren Komplexität einigermaßen überschaubar ist. Ein umfangreiches Angebot ist hier zudem das Beste, was Anlegern passieren kann, denn es bedeutet Wettbewerb und eine breite Auswahl, um das geeignete Produkt für die jeweiligen Bedürfnisse des Anlegers zu finden.
Übertragen auf den Automobilmarkt könnte diese implizite Forderung nach einem kleineren Angebot auch mit dem Wunsch nach der Wiederbelebung von Zeiten mit Einheitsmodellen der Marke Trabant gleichgesetzt werden. Dies wollen vermutlich die wenigsten, obwohl das Auswahldilemma bei einem Gebrauchtwagen kaum geringer ist, als das bei der Suche nach einem passenden Zertifikat.
Vergleicht man die Zertifikateselektion mit dem Auswahlprozess beim Kauf eines gebrauchten Automobils, stellt man fest, dass die Schritte sich hierbei mehr ähneln, als man zunächst annehmen mag. So wird auch beim Automobil unter anderem nach Produktart, Laufzeit (Alter) oder Sicherheitslevel selektiert. Sehr ähnliche Eingrenzungen können auch bei Zertifikaten vorgenommen werden. Je nachdem, wie viel Sicherheit erwünscht wird, erhöhen Sie bei einem Bonuszertifikat den Abstand zur Barriere, während Sie bei einem Auto auf Sicherheitsextras wie ABS, ESP und Airbags Wert legen. Und obwohl das Produktangebot an gebrauchten Automobilen fünf Mal höher ist als bei den vielgeschmähten Zertifikaten, kommt es trotzdem vergleichsweise selten vor, dass in Talkshows die Unübersichtlichkeit des deutschen Gebrauchtwagenmarkts (zu viele Farben, Motoren und sonstige Extras) thematisiert wird.

Roadshow in sechs Städten
Lernen konnte man aus den Ereignissen der vergangenen Monate, wie schnell in einem aufnahmebereiten Umfeld nahezu ein ganzer Berufsstand diskreditiert und an den Pranger gestellt werden kann. Denn leider braucht es grundsätzlich deutlich mehr Zeit, mit Vorurteilen argumentativ aufzuräumen als diese einfach nur auszusprechen.
Gemeinsam mit der Royal Bank of Scotland (RBS) und der Börse Stuttgart wird sich Der Zertifikateberater ab Ende Oktober dennoch genau diesen Vorurteilen stellen und mit ihnen aufräumen. Außerdem werden fünf Top-Produktarten sowie fünf Flop-Produktarten vorgestellt. Die RBS wird an einem konkreten Beispiel die Entwicklung eines Indexkonzepts nachzeichnen und die Börse Stuttgart wird sich zum einen dem Thema „Handel in extremen Marktphasen“ widmen und zum anderen das inzwischen etwas in den Hintergrund getretene Emittentenrisiko aufarbeiten. Die Teilnahme an Abend-Veranstaltungen ist für Investmentprofis kostenlos.

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Termine und Veranstaltungsorte:
22.10.09 Stuttgart, Börse Stuttgart

28.10.09 Wiesbaden, Hotel Oranien

29.10.09 München, Marriott Hotel

03.11.09 Düsseldorf, InterCity Hotel

04.11.09 Hamburg, Hotel Steigenberger

05.11.09 Berlin, Ludwig-Erhard-Haus

Beginn jeweils 18:00

Anmelden können Sie sich unter: www.zertifikateberater.de/roadshow/landing
Bei Fragen wenden Sie sich bitte direkt an den Zertifikateberater:
030 – 219 961 80

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Thorsten Hahn, Jahrgang 1967, ist Gründer und Geschäftsführer der BANKINGCLUB GmbH. Der Profinetzwerker zählt auf Plattformen wie XING und Linkedin zu den Nutzern mit der besten Vernetzung in die Finanzbranche. Wie kein Zweiter versteht er dieses Netzwerk zu nutzen und auch anderen zugänglich zu machen. Außerdem ist der erfahrene Banker und Diplom-Kaufmann Herausgeber der BANKINGNEWS, welche 10 Jahre lang als Onlinemagazin und seit Sommer 2014 als Printzeitung (7.500 Empfänger) erscheint, sowie Autor verschiedener Fachbücher und Buchbeiträge.

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