Guten Morgen, heute ist Mittwoch, der 17. November 2010 !

  • Noch nicht: Irland hat noch kein Stützungspaket bekommen, aber EU-Delegation reist nach Dublin
  • Nicht mehr: Österreichs Finanzminister droht Griechenland mit Kreditentzug
  • Jetzt endlich: Treasury-Renditen fallen

Eine Frage an Sie, liebe Leserinnen: Wie finden Sie Ihren Chef? Wenn Sie jetzt denken, "Eigentlich ganz nett", dann sollten Sie ihm das nie sagen, das ist eine Beleidigung. Und die männlichen Leser? Wie finden Sie Ihre Chefin? Auch "Eigentlich ganz nett"? Dann dürfen Sie das auch nicht sagen, könnte als sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz interpretiert werden. Dieser Andrew fand seine Waity-Katie Jahre lang auch nur "ganz nett", um endlich festzustellen, sie sei ja doch ’ne voll korrekte Chefin.

Wie findet "die EU" eigentlich Irland? Offiziellen Verlautbarungen zufolge besteht zwischen Brüssel und Dublin die engste vorstellbare Liebesbeziehung. In einer gestern Abend ausgestrahlten Nachrichtensendung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen wurde jedoch auch eine ganz andere Theorie aufgestellt: Brüssel würde die Situation in Irland madig reden, damit die Spreads im Markt auseinandergehen. Damit würde Irland ein Rettungspaket der EU benötigen, und am Ende hätte Brüssel mehr Macht. Freunde der Nacht-Nachrichten, diese Meinung teile ich nicht!

Irland selbst betrachtet seine Beziehung zur EU sehr differenziert. Auf die Frage, ob es denn bereits Gespräche zwischen der irischen Regierung und EU-Offiziellen gegeben habe, antwortete Finanzminister Brian Lenihan: "Bislang gab es noch keine Gespräche, lediglich Kontakte auf offizieller Ebene." Das wird sich jetzt ändern: Eine Busladung mit Experten von EU Kommission, Europäischer Zentralbank und dem Internationale Währungsfonds macht sich dieser Tage auf in die irische Hauptstadt. Dort sollen Möglichkeiten einer speziell auf den irischen Bankensektor ausgerichteten Stützungsmaßnahme ausgelotet werden. Mal ist die Rede von einem €45-50 Mrd. großen Paket, mal sind’s €80-100 Mrd. Die Briten sollen mit ins Boot geholt werden. Zwar ist Großbritannien kein Mitgliedsland der EWU, als Haupthandelspartner Irlands und mit engen Finanzverflechtungen zu dem Inselstaat würden Andrew, Katie & Co. jedoch überproportional von einem EU-Bailout profitieren.

Das Treffen der EWU-Finanzminister gestern Abend in Brüssel endete also ohne eine belastbare Stützungsvereinbarung für Irland. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben, und wir sollten uns darauf einstellen, dass innerhalb der kommenden zwei Wochen eine entsprechende Vereinbarung getroffen werden wird. Hauptknackpunkt: Irland möchte seine wirtschaftspolitische Souveränität nicht in die Hände Cordhosen tragender Währungsfonds-Kontrolleure geben, im Endeffekt also die Unterstützung quasi ohne Auflagen erhalten. Wir alle wissen, dass solche Tricksereien mit einer Angela Merkel nicht möglich sind, und so werden sich die Verhandlungen eben ein paar Tage hinziehen. Wir kennen das von Griechenland-Geschichte im Frühjahr.

A propos Griechenland: In der Beziehung EU-Hellas wurde gestern ein ganz neues Kapital aufgeschlagen. Österreichs Finanzminister Josef Pröll ist der Ansicht, Griechenland hätte die Bedingungen der EU nicht eingehalten. Nach derzeitigem Informationsstand gäbe es "keinerlei Veranlassung", die nächste Kredittranche im Dezember zu bewilligen. Pröll verweist in diesem Zusammenhang auf die Zielverfehlung auf der Einnahmeseite. Lieber Herr Pröll, derartig harte Beurteilungen kannten wir bisher nur aus russischen Ballettschulen. Zwar schwächte Pröll seine Einschätzungen später etwas ab, aber der Flurschaden in den Märkten ist erheblich: Griechische CDS weiteten sich alleine gestern um über 80 Basispunkte aus.

Die Märkte dürften auf die Beziehungsprobleme zwischen der EU und Irland bzw. zwischen Österreich und Griechenland heute einigermaßen verschnupft reagieren. EUR-USD fühlt sich mittlerweile unterhalb von 1,35 wohler als oberhalb. In Peripherie-Spreads sehe ich vorerst wenig Einengungs-Potenzial. Unabhängig von den EU-Problemen verläuft die Entwicklung in Bundesanleihen. Hier heißt es: Was passiert in den USA? Und dort, oh Wunder, fielen die Renditen gestern um bis zu 15 Bp. Der Markt befindet sich seit Veröffentlichung der QE2-Pläne noch in der Meinungsfindungsphase. Bisher finden die Anleger das Kaufprogramm bestenfalls "ganz nett". Drum hören wir aus dem Haus der US Notenbank unentwegt Kommentare, die sich anhören wie: "Lieb mich, Schatzi!"

 

—-
Dies ist ein humoristischer Marktkommentar und keine Anlageberatung. Die Einschätzungen des Autors beruhen auf Informationen, die auf öffentlich zugänglichen, als verlässlich eingeschätzten Informationsquellen basieren. Weitere Informationen finden Sie im Disclaimer.
—-

 

Kornelius Purps
Fixed Income Strategist
Director
MRE4FI
UniCredit Research

kornelius.purps@unicreditgroup.de

Kornelius Purps Corporate & Investment Banking
UniCredit Bank AG

www.unicreditgroup.eu

 

© Foto by Prill Mediendesign & Fotografie – www.istockphoto.com
© Foto Purps und Logo UniCredit Bank by UniCredit Bank AG

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

*

code