„Nichts lebt so lange wie ein gutes Provisorium“

Die aus der Wirtschaftskrise resultierende Bankenregulierung hat die Finanzbranche massiv verändert. Kostenintensive Aufstockung der IT, massiv steigende Meldeanforderungen oder undurchsichtige Rechtsverordnungen verkomplizieren den Alltag der deutschen Kreditinstitute. Am 23. November veranstaltete der BANKINGCLUB zum sechsten Mal den Fachkongress RISKMANAGEMENTforBANKS und die Spezialisten der Branche hatten die Möglichkeit zum inhaltlichen Austausch.

Die Vorwürfe sind keinesfalls unbekannt: Banker beschwerten sich völlig zu Unrecht über die sich stetig intensivierende Regulierung ihrer Häuser oder Banker jammerten auf hohem Niveau. Tatsächlich unterliegen Unternehmen aus dem Bereich der Telekommunikation seit Jahren einer peniblen Regulierung. Sind die Vorwürfe also gerechtfertigt? Nun, ganz so einfach ist es nicht. BCBS 239 oder die fünfte MaRisk-Novelle, welche sehr lange auf sich warten lässt, sind nur zwei der brutalen Hürden, die Geldhäuser im Rahmen ihres Geschäftsmodells beachten müssen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine global agierende Privatbank oder eine Kleinbank handelt. Die massiv ansteigenden Meldeanforderungen tangieren die gesamte Branche. Christoph E. Rakowski von der Deutschen Factoring Bank konstatiert hierzu: Die „Kostensteigerung in der IT sind die Kosten schlechthin“ und somit eine enorme Belastung für kleine und mittelständische Institute. Die Nutzung von Synergien bei den Kontrollinstanzen könnte hier helfen, allerdings „führt diese aber auch zu Kostendruck“, so Rakowski.

Das Risikocontrolling erreichte in den vergangenen Jahren eine prozessuale und technische Komplexität, die zu großen Ressourcenengpässen geführt hat. Übergangslösungen in der Überwachung von Projekten sind keine Seltenheit. Das Problem: Wie kann man daraus eine durchdachte Lösung generieren, die auch langfristig funktioniert. Für Dr. Stefan Wilke von der Basycon Unternehmensberatung steht fest: „Man ist so sehr mit dem Fällen von Bäumen beschäftigt, dass man keine Zeit findet, die Axt zu schärfen.“ Und ist die Axt erst einmal stumpf, fangen die Schwierigkeiten wirklich an.  Risikomanagement gehört ohne Zweifel zu den wichtigsten Bereichen im Bankgeschäft. Die daraus folgende Verantwortung fasst Dr. Oliver Maspfuhl von der Commerzbank mit der Schlussfolgerung zusammen, dass Banken hier „markführend“ sein sollten. Auch kritisiert er den derzeitigen Hang zu einer kleinschrittigen Prozessbestimmung. Denn eine zu genaue Prozessbestimmung hätte zur Folge, dass der eigentliche Prozess nicht mehr laufe. Alles in allem ist Maspfuhl davon überzeugt, dass eine effiziente Datenanalyse einer „vorausschauenden Risikosteuerung helfen“ kann.

Verbraucherschutz: Zu viel des Guten?

Bei diesen ganzen Lasten stellen sich selbst Außenstehende die Frage, ob die Regulierung der Banken nicht mittlerweile Dimensionen angenommen hat, die jeglicher Verhältnismäßigkeit entbehrt? Selbst Harald Christ von der SPD – zugegeben: aus dem Wirtschaftsflügel – wird von SPIEGEL ONLINE folgendermaßen zitiert: „Wir müssen aufpassen, dass wir die Finanzbranche in Deutschland nicht zu Tode regulieren.“ Vielmehr müsse die Bunderegierung nun die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzortes Deutschland in den Fokus rücken, da europäische Finanzkonzerne in den letzten Jahren etwa gegenüber der amerikanischen Konkurrenz ins Hintertreffen geraten seien.

Provisorische Modelle bestimmen das Tagesgeschehen

In dieselbe Kerbe schlägt auch EU-Finanzkommissar Jonathan Hill. Viele Forderungen wurden damals aus allen möglichen Richtungen laut, wenn es speziell um die Zukunft des Risikomanagements in Geldhäusern ging. Konkret umgesetzt wurde bis jetzt kaum etwas. Provisorische Modelle bestimmen das Tagesgeschehen. Das ist nichts Neues. Aber wie es Dr. Stefan Wilke bereits treffend auf den Punkt brachte: „Nichts lebt so lange wie ein gutes Provisorium.“

 

Sie haben den Kongress in diesem Jahr verpasst? Kein Problem!  RISKMANAGEMENTforBANKS 2016 ist schon jetzt in Planung  – SAVE THE DATE Tickets gibt es hier !

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