Freitag, 17. April 2026
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Platzt die Rentenblase, scheitert die Eurozone

Die derzeitige Situation auf den Mรคrkten generiert fรผr Anleger groรŸe Risiken. Zu lang ist die Liste der sich an Staatsanleihen bedienenden Lรคnder in Europa. Doch was passiert eigentlich, wenn die Blasen plรถtzlich platzen?

Anlageblasen gab es bei Edelmetallen, Immobilien oder am Neuen Markt. All das waren jedoch nur Blรคschen im Vergleich zur heutigen Mutter aller Blasen an den Zinsmรคrkten. Seit 1981 wird der Ballon der Staatsanleihen aufgeblasen, ihre Renditen kennen seit 34 Jahren nur den Sinkflug. Als Luftpumpe fungiert vor allem die US-Notenbank, mittlerweile aber auch ihre Ziehtochter, die EZB.
Bislang gab es bei Anlageblasen jedoch nie ein Happy End. Da die Notenbanken immer wieder von Aufblasen auf Absaugen umschalteten, platzen irgendwann alle Blasen.
Da die Liste der in Schuldenschรถnheit erstarrten Lรคnder lรคnger ist als die Wunschliste von Kindern an Weihnachten, gibt es Staatsanleihen wie Sand am Meer. Als grรถรŸte Anlageklasse machen sich Anleihen bei allen Kapitalsammelstellen, Versicherungen und Pensionsfonds breit. Da stellt sich doch die frevelhafte Frage, was passieren wรผrde, wenn sich die Geschichte wiederholt und die Notenbanken erneut auf Schubumkehr stellten?

Geht dem Rentenmarkt die Puste aus?
Nein, eher besteigt Prince Charles den britischen Thron. Zwar mรผssten die Notenbanken sofort den Druck aus der Rentenblase ablassen. Denn die EZB wirft Euro-Lรคndern – wo sich Reformeifer vor allem als Maulheldentum zeigt – viel zu groรŸzรผgig billiges und รผppiges Geld in den Rachen. Draghi verteilt Blankoschecks fรผr eine ungehemmte Schulden-Wollust zum Zwecke staatlicher Konjunkturfreuden. Unsere Euro-Finanzwelt ist schlaraffenlandรคhnlich: Obwohl die Schulden der Eurozone immer weiter steigen, sinken die Zinszahlungen durch die รผberkompensierend niedrigen Renditen immer mehr.
Wรผrden die Zentralbanken die Rentenblase aber tatsรคchlich entblรคhen, setzen sie unser gelddrogenabhรคngiges Welt-Finanzsystem aufs Spiel. An den Zinsmรคrkten fielen Aschermittwoch und Karfreitag vermutlich auf einen Tag. Haben beim Platzen der Immobilienblase 2008 die Dรคmme des westlichen Finanzsystems noch geradeso standgehalten, wรผrden sie beim Bersten der Super-Blase Staatsanleihen nicht mehr bestehen kรถnnen.
Danach wรผrden sich Anleger wie Rehe beim Halali verhalten: Sich verstecken. Ihr Portemonnaie nagelten sie zu. Damit wรผrde
die Schuldenrefinanzierung vieler Lรคnder drastisch erschwert bzw. ihre Schuldentragfรคhigkeit in die ewigen Jagdgrรผnde eingehen. Unternehmensanleihen nรคhme man in Sippenhaft. Insgesamt vertrocknete die Konjunkturstimmung wie eine Topfblume, die wรคhrend der Urlaubsabwesenheit nicht gegossen wurde. Ebenso brรคchen die fรผr die Weltwirtschaft so bedeutenden Schwellenlรคnder ein, die von massiver Kapitalflucht heimgesucht wรผrden. Das alles weiรŸ auch Frau Yellen: Sie muss ihre zinspolitische Restriktion ab 2015 im Schonwaschgang vollziehen. Die groรŸe US-Zinswende halte ich fรผr eine groรŸe Mรคr.
Aufgrund der Happy Hour der Notenbanken werden wir nie mehr wirklich hohe Zinsen bzw. Renditen sehen. Blasenprobleme am Rentenmarkt kรถnnen wir uns gar nicht mehr leisten.

Drehen Sie sich nicht um, denn der Zinsklau geht um!
Selbst wenn die Rentenblase nicht platzt, sehe ich auรŸer fรผr altruistische Rendite-Hungerkรผnstler keinen Grund, in Zinsanlagen zu investieren. Nach Inflation und Steuern bleibt weniger als NICHTS รผbrig. Immerhin, es gibt den heiligen Grundsatz der Portfoliotheorie, wonach Staatspapiere risikolos sind. Schuldner von Staatsanleihen kรถnnen also nicht pleitegehen. Anleger erhalten ihr Geld zu 100 Prozent zurรผck. Aber bestรคtigt sich diese theoretische Heiligkeit von Staatstiteln auch in der Praxis?
Finanzgeschichtlich betrachtet sind Staatsschulden netto nie zurรผckgezahlt worden. Irritierend ist ebenso, dass der Internationale Wรคhrungsfonds (IWF) immer mal wieder laut รผber die Glรคubigermithaftung bei Staatsanleihen nachdenkt. Bedingungen hierfรผr kรถnnten sein, dass das Schuldnerland am Kapitalmarkt kein Geld mehr erhรคlt und/oder sein Schuldenstand รผberbordet. Kรคme es tatsรคchlich zu Kuponkรผrzungen oder -verzichten, Laufzeitverlรคngerungen oder gar Schuldenschnitten – Blaupause Griechenland – wรผrde aus dem theoretischen Heiligenschein von Staatstiteln ein praktischer Scheinheiligenschein.

Was nun tun, verehrte Anleger?
Diese Risiken stoรŸen bei deutschen Anlegern auf taube Ohren. Der Deutschen liebstes Kind ist nicht der Lebenspartner, das Auto oder FuรŸball, nein, sondern das Zinsvermรถgen. Darin legen sie ihr Geldvermรถgen zu etwa 80 Prozent an. Staatspapiere z.B. haben wir in Form von Versicherungen, staatlichen und Betriebsrenten bis Oberkante Unterlippe. Soll doch keiner behaupten, wir Deutschen hรคtten in punkto Altersvorsorge keinen Humor.

Auf einmal kรถnnten die Staatspapiere nichts mehr wert sein.
Von den Notenbanken geht keine Gefahr fรผr das Blasenproblem bei Renten aus. ร„hnlich wie im Supermarkt dudelt ihre beruhigende Musik auch am Rentenmarkt den ganzen Tag. Aber wer weiรŸ, was noch kommt? Hรคtten Sie 2008 erwartet, dass wir dort stehen, wo wir heute stehen? Wenn irgendwann ein schwarzer Schwan unseren Finanz-Weg kreuzt, sollte man wie bei der โ€žReise nach Jerusalemโ€œ einen sicheren Platz ergattern. Denn in der Vergangenheit erlitt das Zinsvermรถgen immer wieder das gleiche Schicksal wie die Dinosaurier nach dem Meteoriteneinschlag. Warum sollte sich diese Dramaturgie bei einer theoretisch neuen Krise รคndern? Auf einmal kรถnnte ein Staatspapier tatsรคchlich Papier sein. Warum sich nicht schon heute nach einer passenden, sachkapitalistischen Sitzgelegenheit umschauen? Substanzaktien haben alle Finanzkrisen รผberlebt.
รœbrigens, werden mit geldpolitischem Feuerschutz neue Schulden zur Konjunkturstรผtzung gemacht, hat das zwar nichts mit Stabilitรคt zu tun, aber es kommt Aktien fundamental dennoch zugute. Dem Kursrisiko von Aktien kรถnnen Anleger mit regelmรครŸigen Sparplรคnen in Fonds oder ETFs begegnen. Denn sie haben die Kraft der zwei Herzen: Steigen die Kurse, sind die Anleger vermรถgender. Fallen sie, erhรคlt man fรผr den gleichen Sparbeitrag mehr Aktienanteile. So kann man lรคngerfristig nicht verhindern, reich zu werden.

Gegen fifty-fifty ist nichts einzuwenden
Aus einem Klumpenrisiko Zinsvermรถgen sollte kein Klumpenrisiko Sachvermรถgen werden. Aber gegen eine Aufteilung von mindestens 50:50 ist nichts einzuwenden.
Liebe Anleger, bitte behalten Sie Ihre persรถnlichen Anlageblasen im Blick!

Robert Halver ist Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank in Frankfurt.

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