Das Ziel für Banken: eine transparente Sicht auf ihr Liquiditätsmanagement. Bildnachweis: iStock.com/George Clerk

Die untertägige und aktive Steuerung von Liquidität rückt immer mehr in den Fokus der Finanzinstitute. Verstärkt wird dieser Trend durch aktuelle und zukünftig erwartete regulatorische Anforderungen, die von den Banken genau diese Fähigkeit verlangen. Ein aktuelles Beispiel hierfür bildet das BCBS-Papier 248, das für international tätige Geldinstitute in Kürze den Charakter einer verbindlichen Vorgabe haben wird: Meldepflichtig sind eine Reihe vorgegebener Überwachungskennzahlen zur Messung der untertägigen Liquiditätsverwendung. Neben der reinen Erfassung risikorelevanter Kennzahlen schlägt BCBS248 zudem verschiedene Stressszenarien vor, die den Banken eine realistische Risikoeinschätzung ihrer untertägigen Liquidität ermöglichen sollen.

Auf den ersten Blick erscheinen die Auflagen des Baseler Papiers mit einer historisch-retrospektiven Betrachtung erfüllbar zu sein. Denn die meldepflichtigen Indikatoren lassen sich rückwirkend erheben und werden erst nachträglich in bestimmten Intervallen an die zuständige Aufsichtsbehörde übermittelt. Allerdings enthält BCBS248 an entscheidender Stelle auch folgenden Hinweis: „A bank should actively manage its intraday liquidity positions and risks …“. Implizit fordert BCBS 248 also ein aktives Management der untertägigen Liquidität. Dies aber ist mit konventionellen Reporting-Tools ebenso wenig zu bewerkstelligen wie mit Prognosen, die eine vergangene Situation anhand historischer Daten in die Gegenwart und Zukunft projizieren.

Neue Dimensionen bei der Umsetzung von BCBS248

Mit dieser Interpretation gewinnt die Umsetzung von BCBS248 eine vollkommen neue Dimension. Denn damit spielt der Faktor Zeit plötzlich eine tragende Rolle im untertägigen Liquiditätsmanagement: Während retrospektives Reporting meist ohne nennenswerte Eingriffe in die bestehende Anwendungslandschaft auskommt, verlangt ein proaktives Monitoring hochaktuelle Transaktions- und Liquiditätsdaten, die – wo immer möglich – in Echtzeit aus unterschiedlichsten Systemen extrahiert und bereitgestellt werden müssen.
Für die Finanzinstitute stellen die regulatorischen Vorgaben zum Liquiditätsmanagement damit eine Chance und Herausforderung gleichermaßen dar. Die Aufgabe für die Finanzinstitute besteht darin, diese Vielzahl an notwendigen Daten in ausreichender Qualität und Aktualität für die zentrale Liquiditätssteuerung verfügbar zu machen – und das vor dem Hintergrund einer stark heterogenen Systemlandschaft.

Zentrale Architektur

Einen möglichen Lösungsansatz bietet der Aufbau einer zentralen Architekturplattform für das Liquiditätsmanagement. Diese stellt einen konsolidierten und in sich validierten Datenbestand zur Verfügung, der alle liquiditätsrelevanten Informationen in der benötigten Qualität und Granularität in Echtzeit vorhält. Über Standardschnittstellen wird dieser Datenbestand von bestehenden Anwendungen mit den benötigten Cash- und Collateral-Informationen aus internen und externen Systemen versorgt. Aufbauend auf diesem Datenbestand werden dann über modulare Funktionsbausteine relevante Prozesse des Liquiditäts(risiko)-managements unterstützt und letztendlich die Voraussetzungen für die aktive, untertägige Steuerung der Liquidität geschaffen.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Banken verfügen über eine zeitnahe, transparente Sicht auf ihre Liquidität innerhalb der Konzernstruktur in allen Währungsen und Asset-Klassen sowie über alle Funktionsbereiche hinweg. Abwicklung, Disposition, Treasury und Risk nutzen in Bezug auf Monitoring und die Steuerung der untertägigen Liquidität dieselbe zentrale Architekturplattform. Da in diesem Zusammenhang auch eine konsistente Sicht auf den Lifecycle von Cashtransaktionen über Systemgrenzen hinweg verfügbar ist, lassen sich damit die häufig auftretenden Referenzierungsprobleme elegant lösen. Die regulatorischen Anforderungen bieten letztendlich eine große Chance für die Finanzinstitute, ihre Prozesse im (untertägigen) Liquiditätsmanagement nachhaltig zu verbessern und zukunftssicher zu gestalten. Wenn im Rahmen eines proaktiven Intraday Liquidity Managements die regulatorische Auswirkung eines jeden Steuerungsimpulses sofort sichtbar wird, dann gelingt die Transformation der regulatorischen Vorgaben vom „notwendigen Übel“ hin zu einer erwünschten und mehrwertigen Steuerung, über die sich Risiken reduzieren und Liquiditätskosten nachhaltig senken lassen.

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Dirk Rath verantwortet als Senior Manager den Bereich Liquidity Management bei Sopra Steria Consulting. Gemeinsam mit seinem Team berät er internationale Banken seit vielen Jahren bei der Umstrukturierung und Optimierung ihrer Prozesse im Liquiditätsmanagement.

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