Die vorsätzliche Angabe von falschen Informationen zur Vorbereitung einer Betrugsstraftat weitet sich auch im Kreditgeschäft von Banken zunehmend zum Problem aus. Vor allem die Telekommunikationsindustrie arbeitet seit Jahren daran, die Erkennungsgenauigkeit zu verbessern und Betrugspräventionen in die Auftragsbearbeitung zu integrieren, ohne die Bearbeitungsgeschwindigkeit oder den Dienst am Kunden für den schnellen Kapitalertrag zu opfern. In jüngerer Zeit werden sich nun zunehmend auch Finanzdienstleister des Problems bewusst, denn die Manipulation der Wahrheit beim Ausfüllen von Antragsformularen, z.B. auf Grundlage falscher Identitäten oder auf Basis von Missbrauch der Identität tatsächlich kreditwürdiger Personen, geht merkbar in die Masse der uneinbringlichen Forderungen ein. "Gegenmaßnahmen müssen ergriffen werden, bevor der Schaden evident geworden ist, d.h. gleich bei der Antragstellung", sagt Stephan Glismann-Bringmann von Experian-Scorex. Vor allem Ungereimtheiten innerhalb des Antragformulars selbst, der Abgleich von Anträgen mit der Gesamtheit der vorhandenen Daten sowie die Überprüfung der Antragsdetails gegen interne und externe Datenquellen spielen dabei eine Rolle. Verdächtige Fälle werden dann dem Anti-Betrugssystem übergeben, wobei das Untersuchungsergebnis nachvollziehbar dokumentiert wird. Darüber hinaus kommt dem ständigen Monitoring der Betrugsfälle eine besondere Bedeutung zu. Regelbasierte Software-Programme, die Antragsvergleiche grafisch darstellen, Dupletten verifizieren und Treffer vergleichen, helfen dabei, Ausfälle zu minimieren.

Fraud Prevention Pool mit 350.000 Betrügern
Aus dem System lassen sich Risikoberichte generieren, die dann einzelnen Mandanten oder mehreren Produktportfolien zugeordnet werden können. Die größt mögliche Effektivität lässt sich in diesem Kontext gewährleisten, wenn in einem nationalen Betrugsbüro, wie z.B. in Großbritannien, Italien oder Australien, relevante Daten zusammengeführt werden. In England sind auf diesem Wege bereits die Namen von 350.000 Betrügern in einem so genannten Fraud Prevention Pool erfasst. Hierzulande stehen derzeit vor allem noch datenschutzrechtliche Gründe einer Umsetzung im Wege, sodass Institute primär auf unternehmensinterne Sicherheitsmechanismen bzw. Anti-Fraud-Lösungen angewiesen sind. "Die europaweite Nutzung dieser Datenbanken könnte jedoch Einsparungen in Höhe von 200 Mio. Euro ermöglichen", schätzt Gliesmann-Bringmann. Ein Manko bleibt allerdings: Gegen harten Betrug wie die organisierte Kriminalität bleiben meist auch die softwarebasierten Fraud Prevention Tools machtlos.

Quelle: http://www.risiko-manager.com

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