Würden Sie Ihren Protest auch dann äußern, wenn Sie dafür in ein Straflager müssten oder mindestens mit einer strafrechtlichen Würdigung rechnen müssten?

Auch nach dem Urteil gegen die Punkband „Pussy Riot“ geht der Protest der restlichen Bandmitglieder gegen Putin weiter. Im Internet sind neue Songtexte und Videos aufgetaucht. Das Risiko nehmen die Frauen bewusst in Kauf.

Und bei uns? Bei uns gibt es ein bisschen Wohnungsprotest in Hamburg, dann war da mal der Protest gegen den neuen Bahnhof in Stuttgart und natürlich Occupy Germany in Anlehnung an die amerikanische Protestbewegung, welche bereits seit September 2011 den New Yorker Zuccotti Park besetzt.

99% der Bevölkerung sah die Bewegung hinter sich, um sich gegen das restliche Prozent zu stemmen, das Prozent, welches den Großteil des hiesigen Vermögens hortet. Der Occupy-Bewegung geht es um den Kampf gegen soziale Ungleichheiten, gegen die Spekulationsgeschäfte von Banken und gegen den Einfluss der Wirtschaft auf die Politik. Kampf?

Occupy wollte „durch den Druck der Masse der Bevölkerung“ auf Veränderungen hinwirken. Leider sind die Ziele der Bewegung viel zu unkonkret, die Texte auf Occupy Frankfurt eher etwas für Intellektuelle und nicht geeignet um den Druck der Masse herauf zu beschwören. Gerade in Frankfurt geht es eher um das Klein-Klein zwischen der und dem mittlerweile geräumten Lager am Fuße der EZB.

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Dabei wäre der Stachel im System durchaus angebracht. Es ist dringend gerade unser Finanzsystem zu überdenken. Aber bitte differenziert, sachlich und über unsere Landesgrenzen hinweg. Wobei wir beim Kernproblem wären. Zu unterschiedlich sind die Erträge und Verluste, die die Finanzwirtschaft den einzelnen Ländern in den letzten Jahren eingebracht haben. Zudem ist die Verflechtung von Wahlversprechen und deren Finanzierung zu sehr am Finanzsystem und dessen Kreditzusagen gekoppelt.

Eins ist klar. Wie es ist kann es nicht bleiben. Leider zeigt sich hierzulande niemand, der für seinen Protest ins Straflager geht. Dann doch lieber noch eine Dosis Grundsedierung im Unterschichtenfernsehen abholen.

Foto von Eduardo Luzzatti Buyé – www.istockphoto.de

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Thorsten Hahn, Jahrgang 1967, ist Gründer und Geschäftsführer der BANKINGCLUB GmbH. Der Profinetzwerker zählt auf Plattformen wie XING und Linkedin zu den Nutzern mit der besten Vernetzung in die Finanzbranche. Wie kein Zweiter versteht er dieses Netzwerk zu nutzen und auch anderen zugänglich zu machen. Außerdem ist der erfahrene Banker und Diplom-Kaufmann Herausgeber der BANKINGNEWS, welche 10 Jahre lang als Onlinemagazin und seit Sommer 2014 als Printzeitung (7.500 Empfänger) erscheint, sowie Autor verschiedener Fachbücher und Buchbeiträge.

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