Donnerstag, 12. Mรคrz 2026
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Quo vadis MiFID II? Anlegerschutz oder das Ende der Anlageberatung?

Doch hรคlt MiFID 2.0, was sich Aufsichtsbehรถrden davon versprechen? Im Moment sind es gerade diese, die mit dem von ihnen selbst vorgegebenen Tempo nicht Schritt halten kรถnnen und den Aufschub benรถtigen. Die Banken hingegen rรผsten sich derzeit fรผr all das Neue, das da in Sachen Anlegerschutz auf sie zukommt.

Neue Regeln โ€“ alte Sorgen

So fordert MiFID II einen vรถllig neu konzipierten Product Governance Prozess, welcher neben der Produktgenehmigung unter Abklรคrung von potenziellen Interessenkonflikten und der Definition eines sogenannten Zielmarktes fรผr das Produkt eine regelmรครŸige Nachschau fordert, ob das Produkt auch in spรคteren Stationen seines Lebenszyklus den Anforderungen noch gerecht wird.

Anleger sind fortan รผber die genauen Kosten ihrer Anlage aufzuklรคren, und zwar vor Tรคtigung von Geschรคften sowie mindestens einmal jรคhrlich รผber die Gesamtkosten im Zusammenhang mit ihren Investments.

In einer Geeignetheitserklรคrung muss mindestens einmal jรคhrlich die Geeignetheit von Anlagen fรผr den Anleger รผberprรผft werden โ€“ dies zusรคtzlich zu Geeignetheitsprรผfungen, welche bereits vor Erbringung einer Dienstleistung und vor dem Erwerb von Finanzprodukten zu erfolgen haben.

Schรถne neue Welt der Regulierung โ€“ der neue Schutz und die neue Transparenz an den Finanzmรคrkten werden Anleger sicherlich begeistern. Was sie allerdings weniger begeistern dรผrfte sind die Kosten der Anlage, die mit den neuen Verpflichtungen der Banken und Finanzdienstleister steigen werden. Diese steigen ggf.noch weiter an, im Falle eines Falles, dass die Aufsichtsbehรถrden einem Produkt ihr Placet entziehen, es zu sogenannten Produktinterventionen kommt, also dazu, dass Produkte vom Markt genommen bzw. ihr Vertrieb untersagt wird. In einem solchen Fall hรคtte sich die betroffene Bank mit dem Produkt deutlich verkalkuliert und wรผrde das in die Produktentwicklung und Marketing investierte Geld vollstรคndig abschreiben mรผssen. Zudem wรคre sie dann auch noch dem Reputationsrisiko durch โ€žBlaming and Shamingโ€œ ausgeliefert, also dass die Aufsichtsbehรถrde die Produktintervention รถffentlich macht. Solche Eventualkosten werden die Banken in ihren Preismodellen eventuell berรผcksichtigen mรผssen.

Das Fรผr und Wider der neuen Regulierung

Es ergibt sich fรผr Anleger also viel Positives aus der MiFID II, wie etwa deutlich detailliertere Produkt- und Risikoaufklรคrung der Kunden, bessere Berรผcksichtigung ihrer Bedรผrfnisse, hรถhere Transparenz an den Mรคrkten, die Einfรผhrung von โ€žQualitรคtssiegelnโ€œ fรผr angebotene Produkte durch ausgefeilte Product Governance, ausreichende Vielfalt der angebotenen Produkte und Sicherheit durch periodische Rรผckschau statt Einmal-Betrachtung beim Verkauf (hรถhere Verantwortung der Banken). Zudem kann es sicherlich nicht schaden, dass Banken ihr Geschรคftskonzept und Produktangebot sinnvoll รผberdenken. Somit kรถnnte auch der unabhรคngigen Anlageberatung โ€“ in Deutschland bekannt durch das Honoraranlageberatungsgesetz โ€“ neues Leben eingehaucht werden.

Dagegen sprechen hรถhere Kosten fรผr die Banken (und letztlich fรผr die Kunden), mehr administrativer Aufwand, der sowohl Banken als auch Kunden trifft sowie eine mรถgliche โ€žBevormundungโ€œ der Kunden. Dazu kommt, dass bei der immer stรคrker postulierten Abkehr von Rรผckvergรผtungen durch Produktproduzenten das hehre Ziel der โ€žZahlung durch denjenigen, der die Leistung erhรคlt statt durch den, der das Produkt erstelltโ€œ konterkariert wird durch die ungleiche steuerliche Behandlung von an Kunden ausgekehrten โ€“ und somit zu versteuernden โ€“ Rรผckvergรผtungen gegenรผber der nur hรคlftig anrechenbaren Bankgebรผhren, welche unweigerlich steigen werden.

MiFID II โ€“ regulatorischer Quรคlgeist oder Chance?

Dies alles kรถnnte dazu fรผhren, dass individuelle Beratung ggf. nur noch fรผr grรถรŸere Vermรถgen erbracht wird und kleinere Portfolios lediglich mit Standardlรถsungen bedacht werden. Hier ginge dann einiges an Produktvielfalt und Diversifikationsmรถglichkeiten fรผr die Kunden verloren, weil ihnen die Berater nicht mehr jedes Produkt zumuten wollen oder kรถnnen.

Ist MiFID II damit nur noch zum regulatorischen Quรคlgeist geworden, dessen Kosten die Finanzdienstleister letztlich auf die Kunden umwรคlzen? Oderย  ergeben sich vielmehr Chancen durch neue bzw. รผberdachteย  Geschรคftsmodelle und mehr Fairness durch die weitest gehende Harmonisierung der Regeln innerhalb Europas? Sicher erscheint bereits jetzt, dass diejenigen Marktteilnehmer Wettbewerbsvorteile erlangen werden, denen es gelingt, die neuen Anforderungen mรถglichst effizient und dabei doch effektiv umzusetzen.

Andreas Gehrke ist seit 2013 Country Compliance Head der ABN Amro Gruppe in Deutschland. Zuvor leitete er die Compliance beim Schweizer Wertschriftenhรคndler Strukturierte Produkte Emittenten Leonteq Securities in Zรผrich. Von 2005 bis 2009 war er bei Barclays Capital als Head of Compliance Central Europe tรคtig.
Bildnachweis: Christian Lambiotte/European Communities
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