V.l.n.r.: Marko Wenthin (solarisBank), Simon Taylor, Jason Bates, David Brear, Chris Skinner (alle 11:FS) und Moderatorin Andrea Rexer (Süddeutsche Zeitung). Bildnachweis: solarisBank/Tilen Sepič

„Wir erleben derzeit eine Revolution des Finanzsystems“, da jeder mit einem Smartphone in der Lage ist, Trading, Banking und E-Commerce zu betreiben. Mit dieser Ansicht war Chris Skinner – seines Zeichens Vorstand des Financial Services Club, Blogger, Autor und „Fintech Titan“ (Next Bank) – nicht alleine. Außerdem könne nahezu jedes Gut gehandelt werden: Geld, Aktien, Ideen, Konzepte, Bitcoins etc. Vor allem die Open-Source-Strukturen seien dabei in der Lage, das Gesicht des Finanzsektors nachhaltig umzuformen. Damit die tradierten Banken in diesem Prozess weiterhin eine führende Rolle spielen können, sei ein radikales Umdenken vonnöten. David Brear bemängelte die grundlegende Haltung der Banken, die davon ausgingen, dass 99% des Weges zur Digitalisierung schon beschritten worden seien. „Banking is only 1% done“, kommentierte Jason Bates diese Aussage und stellte fest, dass viele Finanzprodukte und Services lediglich auf die digitalen Kanäle gespiegelt würden. Darüber hinaus gebe es jedoch noch viel fundamentalere Möglichkeiten für Veränderungen.

„Wann erfindet ihr etwas wirklich Nützliches?“

Eine spannende Frage aus dem Publikum richtete sich an das gesamte Plenum: „Wer nutzt mehrere Fintech-Apps?“ An die geringe Resonanz schloss sich folgende Frage an das Podium an: „Wann werdet ihr endlich etwas wirklich Nützliches erfinden?“ Skinner griff den Kommentar auf und führte aus, dass die Geschäftsmodelle der Fintechs noch eine gewisse Zeit benötigten, um in der Breite der Gesellschaft anzukommen. Und diejenigen, die schon erfolgreich sind, werden vielfach nicht mehr als Fintechs wahrgenommen – Paradebeispiel: PayPal.

Der volatile Bankkunde

Eine weitere Anmerkung verglich Banking mit dem Transportwesen bzw. Verkehr. Hier seien immer neue Fahrzeuge entstanden, welche nicht zwangsläufig die alten verdrängten. Je nach der Anforderung des Nutzers werde hier von Situation zu Situation entschieden, welches Verkehrsmittel gerade am geeignetsten erscheine – das Flugzeug für eine Langstrecke, das Skateboard zum Vergnügen und der Kleinbus für den Transport. Diesen Anspruch der Flexibilität stellten die Menschen nun auch vermehrt an Banking. Daher sei es keine Seltenheit mehr, dass Bankkunden eine viel höhere Bereitschaft dazu haben, das Institut zu wechseln oder die Services mehrere Banken und Fintechs parallel zu nutzen.
Simon Taylor nahm dies zum Anlass, auf die Fähigkeit von Banken zur Innovation zu sprechen zu kommen. Innovationen könnten durchaus in großen Konzernen entstehen, aber es sei viel schwieriger als in einem Start-up. Dort könne man sich besser auf die Umsetzung der Idee konzentrieren, während in einer Bank der Innovationsprozess häufig in den Strukturen erstickt werde. Auch die von Banken eigens eingerichteten Labs, in denen viele junge Leute mit vielen guten Ideen beschäftigt werden, brächten nichts hervor, solange die Innovationen nicht auf die Bedürfnisse der Kunden abgestimmt seien, ergänzte David Brear.

Technologie-Experten in die Vorstände!

In einem anschließenden Gespräch kommentierte Skinner den Start der Digitalfabrik der Deutschen Bank und deren angekündigtes Ziel, sich von einer Bank zu einem Technologieunternehmen zu entwickeln. Dies sei unmöglich zu erreichen, solange sich die C-Suite der Bank aus Compliance- oder Risk-Managern und nicht aus Technologie-Experten zusammensetze. Wenn ein Institut diesen Anspruch ernsthaft verfolge, sei es unumgänglich genau solche Menschen in den Vorstand zu holen. Darüber hinaus bestehe grundsätzlich ein großer Unterschied zwischen einer Bank, die Technologie anbiete, und einem Technologieunternehmen, welches Finanzdienstleistungen offeriere. Der Ausgangspunkt, die Mentalität und die Herangehensweise seien fundamental unterschiedlich.

TEILEN
Vorheriger Artikelsafe.me
Nächster ArtikelGetSafe
Philipp Scherber, Jahrgang 1987, ist seit Januar 2016 Redakteur bei BANKINGNEWS. Während seines Studiums der Geschichte und Medienwissenschaft, das er mit dem Master of Arts abschloss, sammelte er praktische Erfahrungen im TV- und Online-Journalismus. An der Universität zu Köln verantwortete er von 2012 bis 2016 das Online-Rezensionsjournal www.lesepunkte.de.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

*

code