Rezension: Das Design Thinking Playbook

Herausgeber: Michael Lewrick, Patrick Link, Larry Leifer Preis: 29,80 € Taschenbuch, 304 Seiten ISBN: 978-3-8006-5384-3 Verlag Franz Vahlen GmbH

Befragt man Fachbücher und einschlägige Enzyklopädien im Internet zum Begriff Design Thinking, wird schnell deutlich, dass aufgrund seines multidisziplinären Hintergrunds bisher keine einheitliche Definition existiert. Licht ins Dunkel möchte das „Design Thinking Playbook” bringen. Die Herausgeber Leifer, Lewrick und Link versammeln Profis sowohl aus dem universitären Umfeld als auch aus der Praxis und können daher mit vielen interessanten Perspektiven zum Thema aufwarten. Gemeinsam haben sie ein ambitioniertes Buch hervorgebracht, welches passend zum Titel mit witzigen Zeichnungen der Künstlerin Nadja Langensand bebildert ist, die den Text mal begleiten, mal vollständig seine erklärende Funktion übernehmen. Das „Playbook“ verfolgt damit einen ähnlichen Ansatz wie Scott McClouds „Understanding Comics“ – ein Sachbuch über Comics in Form eines Comics. Die Zeichnungen bieten dabei einen unkomplizierten Einstieg in ein doch recht anspruchsvolles Thema und grenzen das Buch von gängigen Publikationen dieses Fachbereichs ab.

Die Autoren entwickeln zwei Charaktere, Peter und Heidi, die dem Aufbau ihrer Erläuterungen einen roten Faden geben, immer wieder auftauchen und zur Veranschaulichung von Problemlösungen dienen. Hierfür werden ihre fiktiven Biografien auf den ersten Seiten des Buches bis ins kleinste Detail ausgestaltet. Leifer und seine Kollegen geben den Figuren einen Job, welcher auf einem nachvollziehbaren Lebenslauf aufbaut, verteilen persönliche Interessen wie komische Socken oder elektrische Autos und stellen ihnen Partner zur Seite, die wiederum mit ihren eigenen Interessen und Charakterzügen auf die Persönlichkeitsentwicklung von Heidi und Peter einwirken – inklusive Problemen im Bett.

Interessant ist, dass hiermit sowohl Identifikationsfiguren für den Leser geschaffen werden als auch ein Kernelement des Design-Thinking-Ansatzes direkt zu Anfang vorgestellt wird: mithilfe von umfangreichen Charaktermodellen Bedürfnisse und Motivationen einer möglichen Zielgruppe herauszuarbeiten, um genau zu analysieren, für welchen Kunden ein Produkt auf den Markt gebracht werden soll, und es dahingehend zu entwerfen.

Multidisziplinäre Teams – radikale Zusammenarbeit

Indem die Autoren traditionelle Methoden des Design Thinking weiter ausbauen und durch ihre Ideen zukünftige Entwicklungen skizzieren, machen sie dessen Ansätze auch für den Bankensektor interessant, der seinen Fokus ebenfalls immer stärker auf kundenorientierte Geschäftsmodelle legt. Sie setzen „bewusst auf multidisziplinäre Teams“, welche im Prozess der Ideenfindung voneinander lernen und im Zuge einer „radikale[n] Zusammenarbeit“ des stetigen Austauschs ihre Vorschläge immer weiter verfeinern bis es schließlich zur Ausführung kommt. Auf diese Weise könnten zahlreiche neue Ansätze im Prozess- und Projektmanagement gefunden und bestehende Strukturen effizienter gestaltet werden.

Das „Playbook“ will jedoch keine allgemeingültige Blaupause sein, sondern zum kritischen Diskurs für alle Organisationen aufrufen, um einen eigenen, unverwechselbaren Weg zu finden: „Es wäre schade, wenn alle Organisationen ein Klon von Google, Spotify oder Uber wären. Jedes Unternehmen hat seine Identität und Werte.“ Gleichzeitig weißt es aber auch auf gängige unternehmensinterne Schwierigkeiten hin, die der Anwendung ihrer Ideen im Wege stehen, wie innovationsresistente Vorstandsmitglieder oder hochnäsige IT-ler, die jede Innovation, die nicht von ihnen stammt, erst einmal schlecht finden.

Grundsätzlich geben Lewrick, Link und Leifer mit ihrem Buch einen breit gefächerten Überblick über Methoden, Möglichkeiten und zukünftige Entwicklungen des Design Thinking. Die verspielte Gestaltung unterstreicht den innovativen Charakter ihrer Ansätze sehr treffend und hilft beim Verständnis der angeführten Themen, welche streckenweise etwas zu vielfältig sind, um sie angemessen ausführlich zu beleuchten. So entsteht zuweilen der Eindruck der Oberflächlichkeit und lässt einige Aspekte etwas vage erscheinen. Dennoch ist das „Playbook“ ein nützlicher Wegweiser durch die Welt des Design Thinking, welcher das außerordentliche Potenzial des beschriebenen Ansatzes aufzeigt, vor allem auch im Hinblick auf Big Data und Analytics, und gibt wichtige Impulse für die Ideenfindung im Team. Interessanterweise ist es auf der einen Seite Sachbuch und auf der anderen Seite Produkt seiner eigenen Ideen. Es richtet sich ausdrücklich sowohl an Profis als auch an Anfänger. Diesem Anspruch wird es gänzlich gerecht.

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