Social Media: Das neue Wundermittel der Personalabteilung?

Die Personalabteilungen in Banken haben es heute mit dem hohen Stand der Technologisierung, einer anspruchsvollen Generation Y und einem schlechten Image des Berufsbilds des Bankers nicht gerade leicht. Eine Lösung für dieses Problem ist der gezielte Einsatz von Social Media. Ich kann dies bezeugen, denn ich habe meine aktuelle Stelle in einer Sparkasse über ein berufliches soziales Netzwerk gefunden. In dieser Ausgabe zeige ich Ihnen verschiedene Möglichkeiten der modernen Mitarbeitergewinnung und -bindung und gebe Ihnen drei Beispiele aus der Praxis.

Kennen Sie die Situation? Sie sind auf einer sommerlichen Grillparty und beim Small-Talk mit den anderen Teilnehmern fällt schnell die Frage nach dem Beruf. Wenn Sie sagen, dass Sie in einer Bank arbeiten, kommt häufig ein höhnischer Kommentar über Geld oder Zinsen. Dieses schlechte Image führt dazu, dass sich immer weniger junge Leute für eine Karriere in einer Bank interessieren.

Stärkung der Marke in sozialen Netzwerken

Wie bereits in der letzten Ausgabe dieser Kolumne beschrieben, eignen sich soziale Netzwerke sehr gut für den Aufbau eines positiven Images. Aus Sicht der Personalabteilungen ist es jedoch interessant, nicht nur das Prestige, sondern insbesondere die öffentliche sowie die interne Wahrnehmung der Bank als guter Arbeitgeber positiv zu beeinflussen. Dieses Employer Branding ist für eine gezielte Positionierung der Marke unerlässlich.
Der Arbeitsmarkt für sogenannte Young Professionals und berufserfahrene Spezialisten hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Gut qualifizierte Bewerber wissen, dass sie sich ihren Arbeitgeber aussuchen können und entscheiden sich für den mit dem besten Ruf. Sie müssen allerdings nicht so weit gehen wie Google, das seinen guten Ruf bei Bewerbern mit einem kostenlosen Wellnessbereich und ausgiebigen Fitnessangebot jedes Jahr erfolgreich verteidigt.  Jedoch sollten Sie die Chance nutzen und Ihre Mitarbeiter und mögliche Kandidaten von der Attraktivität Ihrer Bank überzeugen!
Im Idealfall schaffen Sie es mit ihren Unternehmenswerten und Ihrer individuellen Unternehmenskultur ein Alleinstellungsmerkmal aufzubauen, um qualifizierte Bewerber zu gewinnen sowie gute Mitarbeiter langfristig zu binden. Im Social Web können Sie einen authentischen und wirkungsvollen Einblick in den Arbeitsalltag Ihrer Bank ermöglichen und Ihre zufriedensten Mitarbeiter über besondere Annehmlichkeiten oder freiwillige Zusatzleistungen sprechen lassen. Das kommt an.

Herausforderung Stellenbesetzung

Ein Arbeitskollege erzählte mir mal voller Stolz, dass es damals für seine Ausbildungsstelle zum Bankkaufmann bei einer Volksbank über zweihundert Bewerber auf sechs Stellen gab. Heute müssen sich Personaler, insbesondere außerhalb der attraktiven Metropolen, viel mehr ins Zeug legen, um überhaupt genügend qualifizierte Bewerbungen zu erhalten. Dies gilt besonders für stark spezialisierte Fachkräfte. Eine Zeitungsannonce in der regionalen Zeitung reicht unter diesen Umständen nicht mehr aus. Personalabteilungen müssen strategisches Employer-Branding betrieben, um neue Mitarbeiter zu werben und alte zu halten. Dies kann abhängig von der Zielgruppe in verschiedenen sozialen Netzwerken stattfinden.

Deutsche Bank auf Facebook

Die Deutsche Bank spricht mir ihrer Facebook-Seite „Deutsche Bank Karriere“ hauptsächlich Schüler und Studenten an. Die Inhalte sind vielseitig und berichten beispielsweise von Karriereveranstaltungen, der Einführungswoche der Azubis und aktuellen Stellen- beziehungsweise Ausbildungsangeboten. Besonders positiv fällt auf, dass die Deutsche Bank den schwierigen Spagat zwischen professioneller Distanz und emotionaler, persönlicher Darstellung gut meistert. Die Videos, Interviews und Fotoalben sind qualitativ hochwertig, transportieren die auf Sicht der Personalabteilungen wünschenswerten Informationen und lassen die Deutsche Bank in einem positiven Licht erscheinen.

Das Unternehmensprofil der Commerzbank auf XING

Die Commerzbank nutzt XING hauptsächlich zur Kommunikation offener Stellen. Sie stellt den über 17.000 Abonnenten des Unternehmensprofils jedoch auch andere Informationen zur Verfügung. Ab und zu werden auch Interviews mit Mitarbeitern oder Informationen über die Commerzbank als Arbeitgeber kommuniziert, etwa über Kinderbetreuung in der Bank. Besonders gelungen ist die Kategorie  „Bewertungen“, in der potenzielle Bewerber die Mitarbeitervorteile wie flexible Arbeitszeiten, Kantine oder Gesundheitsmaßnahmen und die anonymen Bewertungen von Mitarbeitern finden.

Der Azubiblog der Sparda-Bank Südwest

Der Azubiblog der Sparda-Bank ist von Azubis für potenzielle Azubis geschrieben und zeichnet sich durch seine direkte zielgruppengerechte Ansprache und die vielfältigen Inhalte aus. Es gibt Interviews mit neuen Azubis, Bewerbungstipps, Infos rund um den Azubi-Alltag und die Möglichkeit, einen anonymen Test zu absolvieren, ob der Beruf Bankkauffrau bzw. Bankkaufmann zu dem Nutzer passt. Besonders wirkungsvoll für den Beziehungsaufbau zu den Lesern beziehungsweise die Identifikation mit den Autoren ist die jugendlichen Sprache des Blogs, die Bilder des Redaktionsteams sowie die persönlichen Informationen zu den Autoren der Beiträge.

Fazit

Social Media eignet sich hervorragend für die effektive Umseztung von verschiedenen Personalthemen. In sozialen Netzwerken hat die Bank die Möglichkeit, sich authentisch und emotional zu präsentieren, sich mit potenziellen Bewerbern auszutauschen oder spannende Einblicke in den Arbeitsalltag zu gewähren. Mitarbeiter spielen bei dieser strategischen Positionierung eine große Rolle. Auf der einen Seite sind sie Akteure, die glaubwürdig über ihren Arbeitgeber sprechen, auf der anderen Seite sollten sie selbst von der Arbeitgebermarke überzeugt sein. Sie sind somit gleichzeitig Multiplikatoren und Zielgruppe. Mit Employer-Branding in sozialen Netzwerken können Sie mit relativ wenig Aufwand eine neue Wahrnehmung der Arbeitgebermarke erzielen. Damit erhöhen Sie nicht nur die Attraktivität Ihrer Bank für Bewerber und Mitarbeiter, sondern zahlen auch auf das Image der Bankenbranche ein!

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