Der öffentliche Haushalt muss sich ebenso verhalten wie die privaten Haushalte. Man kann nur das ausgeben, was man auch eingenommen hat, so der Vizekanzler am Wochenende in Berlin.

Was für eine Erkenntnis. Nobelpreisverdächtig und dem Volk (welches derzeit HDTV und neue Kühlschränke für null Prozent finanziert, weil das Geld zum Ausgeben eben nicht da ist) so einfach zu erklären. Wäre es der richtige Ansatz – der ein oder andere Ökonom bezweifelt dies aus Staatssicht – dann wären wir spät dran mit dieser Erkenntnis. Aber jetzt geht nun mal der Griechenland-Schreck um. Vorleben ist angesagt. Man kann ja nicht den Griechen die Nichteinhaltung von Stabilitätskriterien vorwerfen, aber selber in Saus und Braus leben. Nein, so nicht.
Aber lohnt sich das alles? Eine Umfrage des Daily Telegraph unter 25 Wirtschaftsexperten ergab, dass wir an unserem Euro eh nicht mehr lange Freude haben werden. Acht der befragten Wirtschaftsexperten geben dem Euro maximal fünf Jahre. Aber es waren nur acht und es waren britische Experten. Die hängen ja auch nicht am Euro.
Wir schon. Oder kommt jetzt wieder die Laier „Back to the good old D-Mark“? Auch wieder als Münzen und Scheine? Machen wir es doch wie die Schweden. Die sind schlau. Erst kein Euro und jetzt will man dort auch gleich noch das Bargeld abschaffen. Das wirkt Wunder gegen Raubüberfälle und Schwarzarbeit. Und die Kinder lernen bereits ab der Grundschule, wie man mit einer Kreditkarte im Schulranzen haushalten kann. Gibt es eigentlich in Schweden keine Internetkriminalität und Scheckkartenbetrug?
Zurück zum Staats-Haushalt 2011, um den in Berlin an diesem Wochenende ganze 11 Stunden gerungen wurde. Sparen ist also angesagt. Im Grunde eine gute Tugend, die wir doch mit dem guten alten Sparbuch, schon in den ersten ökonomischen Jahren unseren Kindern beibringen. Aber da gibt es einen Haken. Wenn wir vom Sparen reden und von der Sparquote der deutschen Haushalte, dann haben eben diese Haushalte (und unsere Kinder) nach einigen Jahren Geld zum ausgeben (zugegeben real ist es bei 0,75 % Rendite p.a. weniger, aber erklären Sie das mal Ihrer 6-jährigen Tochter). Sparen auf politisch bedeutet jedoch nicht ansparen, sondern einsparen. Und jetzt geht das Gemetzel der Lobbyisten in der Hauptstadt wieder los. Jeder will für seine Zielgruppe, dass dort am wenigsten „ein“gespart wird. Ist ja auch verständlich, denn das Hemd ist immer näher als der Rock, so mein Urgroßvater.
Kommen wir unweigerlich zum Lieblingsthema vieler Politiker, zum Thema Gerechtigkeit. Und Gerecht ist es halt, wenn es ungerecht bleibt. Deshalb gibt es keinen einheitlichen Steuersatz, keine Kopfpauschale und auch keine Umsetzung eines alten Rot- (Steinbrück)  und Schwarzen- (Koch) Schulterschlussversuchs: Überall den gleichen Prozentsatz einsparen.

© Foto by DNY59 – www.istockphoto.com

TEILEN
Vorheriger ArtikelEuropäische Ratingagentur in Sicht
Nächster ArtikelSparschweine – Rettungsschwimmer – Stimmungskanone

Thorsten Hahn, Jahrgang 1967, ist Gründer und Geschäftsführer der BANKINGCLUB GmbH. Der Profinetzwerker zählt auf Plattformen wie XING und Linkedin zu den Nutzern mit der besten Vernetzung in die Finanzbranche. Wie kein Zweiter versteht er dieses Netzwerk zu nutzen und auch anderen zugänglich zu machen.

Außerdem ist der erfahrene Banker und Diplom-Kaufmann Herausgeber der BANKINGNEWS, welche 10 Jahre lang als Onlinemagazin und seit Sommer 2014 als Printzeitung (7.500 Empfänger) erscheint, sowie Autor verschiedener Fachbücher und Buchbeiträge.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

*

code