Seit dem Einstieg des Bundes bei der Commerzbank weiร ich aus vielen Gesprรคchen mit Vorstรคnden von Sparkassen und Genossenschaftsbanken, dass die Neukunden-Prรคmie vielen ein Dorn im Auge ist. Doch Martin Zielke will im Privatkundengeschรคft weiter wachsen. In einem verteilten Markt geht dies nur zulasten der anderen Banken. Um negative Kritik braucht sich Zielke dabei nicht zu bemรผhen, die kommt von alleine. โRiskantes und teures Unterfangenโ, meinen die einen. โDas geht nur durch die einmal angedachte Fusion mit der Deutschen Bankโ, geben andere Experten zu Protokoll. Dabei ist es doch gerade die Deutsche Bank, die von einem klaren strategischen Kurs im Privatkundenmarkt abgekommen ist. Natรผrlich ist die Zinsmarge auch in diesem Segment keine Freude. Mit vielen Kunden eine kleine Marge zu verdienen, ist dennoch risikoloser, als mit wenigen Wealth-Kunden oder ein paar groรen Firmenkunden Geschรคfte zu machen.
Ich weiร, Sie als Mitarbeiter der Bankbranche wollen den Namen des โVier-Buchstaben-Finanzdienstleistersโ hier nicht lesen. Aber dieser hat bewiesen, dass man im Retail-Segment sehr viel Geld verdienen kann. Sicherlich nicht, wenn man ein kostenloses Konto zur Verfรผgung stellt und der Kunde keinen Dispo braucht. Aber gerade in diesem Segment wรคre die bisherige Mรคr vom Gesamtbedarf umsetzbar. Jeder dieser Kunden hat im Schnitt รผber 14 Bank- und Versicherungsprodukte abgeschlossen, bei schรคtzungsweise fรผnf bis sieben Anbietern. Da ist Luft zur Konsolidierung in der Finanzwelt der Privatkunden.
Zielke will und kann organisch wachsen. Dafรผr braucht er keine Fusionen, die eh โ wie wir aus der Geschichte wissen โ nur zu einem sehr geringen Prozentsatz den gewรผnschten Erfolg liefern. Zielke will die Prozesse drastisch digitalisieren, fรผr den Kunden vor Ort da sein und in Neukunden investieren. Ein Investment, was ihm die Groรen wie Amazon und Co. vorgemacht haben. Auch die wurden damals fรผr ihre Strategie belรคchelt. Heute lacht von den damaligen Kritikern keiner mehr.
Ein gutes und machbares Ziel, von dem sich Zielke selber รผbrigens noch entfernt sieht.
Ihr Thorsten Hahn
Thorsten Hahn, Jahrgang 1967, ist Herausgeber der BANKINGNEWS und Grรผnder des BANKINGCLUB. In seinem Editorial โQuer durch die Bankโ bezieht er regelmรครig zu den Themen Stellung, die die Welt der Finanzen bewegen.
Der Profinetzwerker zรคhlt auf Plattformen wie XING und Linkedin zu den Nutzern mit der besten Vernetzung in die Finanzbranche. Wie kein Zweiter versteht er dieses Netzwerk zu nutzen und auch anderen zugรคnglich zu machen.
Auรerdem ist der erfahrene Banker und Diplom-Kaufmann Autor verschiedener Fachbรผcher und Buchbeitrรคge.


