Zu gerne wird auch aus dem Lager der Politik über die gierigen Investmentbanker gelästert. Mit mühsam eingesammelten Steuergeldern mussten Zocker-Banken 2008 gerettet werden. Jetzt könnte sich die Branche an sicheren Staatsanleihen verschlucken.

Politik wird vor allem auch mit Ausgaben gemacht. Ausgaben von Geldern, die gar nicht vorhanden sind. Eine Investition ohne Geld in der Kasse führt über Kredite. Was aber für einen Familienvater mit knappem Einkommen und drei Kindern ein Problem darstellt, ist für die öffentliche Hand alles andere als schwierig. Die Kreditwürdigkeit von Kommunen, Ländern und Staaten gilt als exzellent. Bis jetzt. Hans-Peter Keitel, BDI-Präsident hat uns noch Ende September als „Wolkenmacher“ bezeichnet. Die Finanzwelt seine ein Branche ohne realwirtschaftliche Grundlage, so Keitel beim Tag der Industrie in Berlin. Das mag für den Handel mit Derivaten ohne Gegengeschäft gelte, auch Arbitrage-Geschäfte könnte man in diese Ecke packen, aber was ist mit den Milliarden von Staatsanleihen rund um den Globus? Diese Anleihen meist mit einem AAA-Rating (abgesehen von Griechenland, Irland, Portugal, usw.) liegen gerne in Bankbilanzen und sind bisher von Basel II völlig verschont, können dich Staaten nicht pleitegehen.

  Erst im August hatten die USA einer weiteren Erhöhung der Schuldengrenze von nunmehr 16,4 Billionen Dollar zugestimmt. Fragt man sich, wie lange die Realwirtschaft vom Pump der Politiker noch profitiert, denn mit Griechenland steht nun der erste europäische Pleitekandidat vor der Tür. Nach dem Treffen von Merkel und Sarkozy am Wochenende scheint ein Schuldenschnitt für Griechenland kein Tabuthema mehr zu sein.
Was auf den ersten Blick vernünftig klingt und von immer mehr Fachleuten unterstützt wird, könnte zunächst die Bankenkrise und dann eine weltweite Wirtschaftskrise auslösen. Jetzt gilt es die Rekapitalisierung der Banken schnellstens sicherzustellen, denn das Vertrauen sich untereinander Geld zu leihen ist ein weiteres Mal auf einen Tiefpunkt gesunken. Über 210 Milliarden Euro legen die Banken derzeit bei der EZB für schlappe 0,75 Prozent an.

Diesmal ist eine Bankenrettung die Quittung für ein Staatsleben auf Pump. Dass es anders geht zeigt – und Sie können sich vorstellen, wie schwer mir als Wahlkölner dieses Feedback fällt – die Finanzsituation der Landeshauptstadt Düsseldorf. Dort ist man seit über vier Jahren schuldenfrei und hat dennoch kostenlose Kitas!

Foto von Jakub Krechowicz – www.istockphoto.de

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Thorsten Hahn, Jahrgang 1967, ist Gründer und Geschäftsführer der BANKINGCLUB GmbH. Der Profinetzwerker zählt auf Plattformen wie XING und Linkedin zu den Nutzern mit der besten Vernetzung in die Finanzbranche. Wie kein Zweiter versteht er dieses Netzwerk zu nutzen und auch anderen zugänglich zu machen. Außerdem ist der erfahrene Banker und Diplom-Kaufmann Herausgeber der BANKINGNEWS, welche 10 Jahre lang als Onlinemagazin und seit Sommer 2014 als Printzeitung (7.500 Empfänger) erscheint, sowie Autor verschiedener Fachbücher und Buchbeiträge.

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