… für Griechenland! Von Kornelius Purps, Fixes Income Strategist bei der UniCredit Research

• Body: 70-10-30 sind die Traummaße des Stützungspaketes für Griechenland

• Soul: Sparen bis der Arzt kommt – Griechenland soll im Jahre 2014 ein Defizit von weniger als 3% haben

• Beauty: ISM, NFP, EZB, UK Wahlen – eine schöne Woche steht uns bevor

In einer niedersächsischen Kleinstadt sollte am Wochenende ein tolles Fest stattfinden. Kinder wollten auf der Weser mit großen aufblasbaren Gummienten einen Planschwettkampf durchführen. Die Organisatoren bestellten die Enten, erhielten diese auch, allerdings nicht in Form typischer Badeenten, sondern in Form von „Erwachsenenspielzeug“. Das Entenwettplanschen fiel ins Wasser, ein Ersatzprogramm musste für Belustigung sorgen.

Griechenland hat vergleichsweise die größte Gummienten-Charge aller Zeiten bestellt – und auch geliefert bekommen. Die Enten werden mit 110 Mrd. Euro aus der Maastricht-Pumpe aufgeblasen. Bleibt die Hoffnung, dass das Land damit nun nicht baden geht. Die Details des gestern zwischen Griechenland, den EWU Finanzministern, der EU Kommission und dem IWF geschnürten Stützungspakets für Griechenland sieht folgendermaßen aus: Das Land bekommt Kredit in Höhe von insgesamt 110 Mrd. Euro. Davon tragen die Euro-Staaten 80 Mrd., der IWF 30 Mrd. Der EWU-Anteil beinhaltet rund 10 Mrd. für einen Fonds zur Stabilisierung der griechischen Banken. Macht: 70-10-30. Das Programm ist auf drei Jahre angesetzt. Griechenland verpflichtet sich im Gegenzug, seinen Haushalt zu sanieren und zahlreiche Strukturreformen umzusetzen. Das Defizitreduzierungsprogramm wurde im Rahmen der Verhandlungen etwas gestreckt. Nicht im Jahr 2013, sondern „erst“ im Jahr 2014 soll das Land nun einen Maastricht-konformen Haushalt mit einem Fehlbetrag von weniger als 3% des BIP vorweisen. Die Kredite werden zu einem Zinssatz von rund 5% in einzelnen Raten ausgezahlt – je nach Bedarf und Fortschritt bei den Reformbemühungen.

Allein das schiere Ausmaß der bereitgestellten Hilfe unterstreicht die Furcht der Beteiligten, alle in der Öffentlichkeit diskutierten Alternativen (Umschuldung, Euro-Austritt) seien indiskutabel. Das bereitgestellte Volumen könnte sich allerdings als zu gering erweisen. Bis Mitte 2013 werden Ouzo-Bonds im Volumen von rund 85 Mrd. Euro fällig. Dazu kommen Zinszahlungen in Höhe von etwa 40 Mrd. Die aktualisierte Projektion der Haushaltsdefizite addiert einen Finanzierungsbedarf von rund 50 Mrd. Euro. Macht alles in allem 175 Mrd. Euro bis Mitte 2013. Aber, zugegeben, dies ist die typische Erbsenzählerei eines besserwisserischen Analysten. Nun lassen wir die Dimension des Paketes erst einmal auf uns wirken und warten die Reaktion an den Finanzmärkten ab.

Griechenland ist nun für einige Zeit vom Tropf der Finanzmärkte genommen. Der Erfolg des Stützungspakets wird daher weniger an den Entwicklungen im griechischen Bondmarkt, sondern vielmehr an den Entwicklungen im portugiesischen und spanischen Bondmarkt zu messen sein. Gesucht wird nach der Antwort auf die Frage: Verhindert das Paket eine Ansteckung der Bondmärkte in Portugal und Spanien? Sollte dem nicht so sein, steht der EWU und dem IWF womöglich bald die nächste Stützungsaktion ins Haus. Die Einengung der Spreads iberischer Staatsanleihen in der vergangenen Woche lässt zumindest hoffen, dass sich die Anleger hinsichtlich jener beiden Staaten etwas entspannter geben.

Der Euro konnte von den gestrigen Beschlüssen noch nicht richtig profitieren. EUR-USD, als erster verfügbarer Gradmesser für die Wirkung des Stützungspaketes in den Finanzmärkten, schwächte sich gegenüber seinem Schlusskurs vom Freitag (1,33) um etwa einen halben Prozent ab. Der Dax Futuresignalisiert eine leicht schwächere Eröffnung an den deutschen Aktienmärkten.

Vor lauter Griechenland dürfen wir die anderen Highlights dieser Woche nicht aus den Augen verlieren: Heute gibt das US Schatzamt seine vierteljährliche Finanzierungsplanung bekannt. Es wird damit gerechnet, dass die Emissionsvolumina erstmals seit über drei Jahren zurückgehen – positiv für Bonds. Am Nachmittag wird für den US ISM Index ein deutlicher Anstieg erwartet. Am Donnerstag ist EZB-Treffen und die Wahl in Großbritannien. Am Freitag gibt‘s den US Arbeitsmarktbericht. Ausreichend Stoff für wellenreiche Tage an den Märkten. Sollten Sie dafür Schwimmflügel benötigen, achten Sie bitte auf die richtige Bestellnummer!

Foto: © by CAP53 – www.istock.com

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