„Unsere Mitarbeiter sind die besten Markenbotschafter“

Wie kann eine Bank als Arbeitgeber attraktiv bleiben? Lars Goebel, Personaldirektor bei der Targobank, über Employer Branding, Initiativen für Mitarbeiter und Bewerber und die geeigneten Kommunikationskanäle.

Lars Goebel ist Bereichsleiter Ausbildung, Personalmarketing und Generalisten Hauptverwaltung bei der Targobank. Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Deutschen Bank absolvierte er ein Psychologie-Studium, welches er mit der Promotion abschloss. Im Juli 1999 kam er als Azubicoach zur Targobank (ehemals Citibank).

Hören Sie das komplette Interview in unserem „BANKINGCLUB audio“-Kanal beim ManagementRadio.

BANKINGNEWS: Ist Employer Branding heute wichtiger als früher, vor allem da seit der Krise die öffentliche Wahrnehmung für den einst so hoch angesehenen Beruf des Bankers gelitten hat?

Lars Goebel: Employer Branding ist schon lange wichtig. Die Bankenkrise hat die Bedeutung des Themas aus meiner Sicht nicht verändert. Sie hat vielmehr die Gewichtung bestimmter Themen verlagert. Das ist aber auch für jedes Haus unterschiedlich. Sicherlich bekommen die Themen Zusammenarbeit und Sicherheit eine größere Bedeutung. Wir haben uns darauf fokussiert, dem demographiebedingten Fachkräftemangel zu begegnen, und sehen ganz deutlich, dass Entwicklungsmöglichkeiten und leistungsgerechte Entlohnung für die meisten Bewerber immer noch eine sehr große Rolle spielen. Employer Branding bedeutet aber auch, Mitarbeiter zu binden, die man im Haus hat.

Haben sich Ihre Bemühungen um ein umfangreiches Employer Branding in den letzten Jahren erhöht?

Die richtigen Initiativen ergreifen

Nein, wir haben uns mit der Schaffung der Marke Targobank bereits vor einigen Jahren sehr gut aufgestellt. Daher benötigten wir weder mehr Budget noch mehr Mitarbeiter. Wir haben allerdings mehr Initiativen, auf die wir uns konzentrieren. Damit sind wir in der glücklichen Lage, dass wir uns primär darum kümmern, mit den vorhandenen Ressourcen die Bedarfe der Bewerber zu erkennen und dann die richtigen Initiativen voranzutreiben und über die geeignetsten Medien bzw. Kanäle zu kommunizieren.

Persönliche und Team-Erfolge

Was sind die konkreten Aspekte Ihrer Arbeitgebermarke, mit denen Sie sich abgrenzen möchten?

Wir haben vier Werte entwickelt, für die wir als Bank stehen. Diese Werte wurden in Workshops erarbeitet und alle hierarchischen Ebenen waren daran beteiligt. Das sind die Werte „einfach“, „auf Augenhöhe“, „zuverlässig“ und „leistungsstark“. Ich denke, wir können uns selbstbewusst bei allen vier Werten abheben. Meine ganz persönliche Meinung ist, dass die beiden Werte „leistungsstark“ und „auf Augenhöhe“ noch etwas hervorstechen. Ich habe bisher in keinem anderen Unternehmen einen solchen Zusammenhalt und Teamspirit erlebt. Und genau das schafft Erfolge, persönliche Erfolge und Teamerfolge.

Bindung vom ersten Tag an

Welche Maßnahmen ergreifen Sie, um Ihre Marke auszubilden?

Wir setzen sehr stark auf einen modernen Auftritt und haben erst im letzten Jahr unseren Internetauftritt grunderneuert. Auch kommunizieren wir primär in den digitalen Medien. Printmedien oder Messen nutzen wir nur noch punktuell. Dabei sind unsere Mitarbeiter schon lange die besten Markenbotschafter. Daher setzen wir im Recruiting seit mehreren Jahren ausschließlich Bilder von Mitarbeitern ein und haben ein Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter-Programm etabliert, das sehr gut funktioniert. Damit schaffen wir Bindung schon vor dem ersten Arbeitstag eines neuen Mitarbeiters. Natürlich gibt es auch andere wichtige Initiativen, welche die Mitarbeiter da abholen sollen, wo sie im Leben stehen. Das sind aktuell z.B. unser Gesundheitsmanagement und die Kinderbetreuung in unserer Trainingsakademie. Durch letztere können Eltern, die ihre Kinder einmal nicht untergebracht bekommen, trotzdem an Trainingsmaßnahmen teilnehmen.

Gestalten Sie Ihr Employer Branding in Eigenregie oder lassen Sie sich professionell beraten?

Wir erarbeiten viel in Eigenregie, werden aber auch von einer Agentur unterstützt – teilweise mit Ideen, vor allem aber beim Layout und den Kreativarbeiten. In einem Unternehmen wie dem unseren, mit solch flachen Hierarchien, ist es ein Stück weit Kultur, dass die Mitarbeiter selbst viele Ideen generieren und umsetzen. Daher ist es wichtig, immer nah an den Mitarbeitern zu sein.

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Philipp Scherber, Jahrgang 1987, ist seit Januar 2016 Redakteur bei BANKINGNEWS. Während seines Studiums der Geschichte und Medienwissenschaft, das er mit dem Master of Arts abschloss, sammelte er praktische Erfahrungen im TV- und Online-Journalismus. An der Universität zu Köln verantwortete er von 2012 bis 2016 das Online-Rezensionsjournal www.lesepunkte.de.

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