Guten Morgen, heute ist Montag, der 10. Januar 2011 !

  • Anfrage: Portugal, Griechenland, Spanien und Italien platzieren diese Woche Bills & Bonds
  • Mahnung: Presseberichten zufolge drängt Deutschland Portugal, unter den Rettungsschirm zu schlüpfen
  • Kündigung: Euro legt einen glatten Fehlstart ins Jahr 2011 hin – Besserung nicht in Sicht

Den wahren Wert einer Währung erkennt man daran, dass diese in der Unterwelt akzeptiert ist. Solange im Tiefgeschoss des Hauptbahnhofs noch Drogen, Waffen und Zigaretten gegen Euro erhältlich sind, sollten wir uns um unsere Gemeinschaftswährung keine Sorgen machen. Nun muss ich einräumen, dass mir zu jenen Märkten der direkte Zugang fehlt. Ich kann aber auf Indizien verweisen, eingereicht von Leser K. aus W. Unlängst wurde in K.’s Wohnung eingebrochen. Dabei entwendeten der oder die Einbrecher auch etwa fünf Kilogramm gesammelte auf Euro lautende Geldmünzen (betreibt K. etwa Kupferschmuggel?). Gleichzeitig durchwühlten die wählerischen Diebe auch eine Schublade, in welcher K. sein ganz persönliches China-Monopoly bevorratete: Devisenreserven in handlichen Scheinen in den gängigen Reservewährungen US Dollar, britisches Pfund und Schweizer Franken. Jenes Papiergeld wurde von den Einbrechern verschmäht.

Herr K. schließt daraus, man müsse den Euro "long" gehen. Mutig, denn immerhin war der Euro in der ersten Handelswoche 2011 die schwächste Währung im G10-Universum und eine der am schlechtesten performende weltweit. Lediglich der chilenische Peso kam noch stärker unter die Räder. (Mich beunruhigt ein wenig, dass der Nachrichtendienst Bloomberg auch für den niederländischen Gulden und die finnische Mark einen Wochenverlust von 0,06% gegenüber dem Euro ausweist…). In der Folge beobachten wir aktuell zwei europäische Initiativen: Zum einen soll der Diebstahl von Euro Bargeld wegen Geringfügigkeit straffrei gestellt werden.

Zum anderen soll Portugal den Rettungsschirm der EWU in Anspruch nehmen. Wie Der Spiegel berichtet, erhöhen Deutschland und Frankreich den Druck auf das "Euro-Schuldenland" (Spiegel), sein Schicksal in die Hände der EU Kommission zu legen, um weiteren Schaden von der Europäischen Währungsunion abzuwenden. Die gleiche Taktik wurde vor rund acht Wochen schon einmal angewendet, seinerzeit im Fall Irlands. Mit bescheidenem Erfolg. Es ist, wie wenn der Trainer sagt, "Heute probieren wir es mal ohne Torwart.", um nach einer 0:11-Niederlage zu reflektieren: "Mist. Aber wir probiern’s noch mal."

Die Mechanismen sind bestens einstudiert: Sprecher aus dem deutschen Regierungslager dementieren, Portugal in irgendeiner Art und Weise unter Druck zu setzen. Der "Euro-Krisenstaat" (erneut Spiegel) selbst dementiert, auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, den Rettungsfonds anzurufen. Aber entscheidend is auf’m Platz. Und hier ist das Interesse potenzieller Käufer portugiesischer Staatsanleihen in etwa ähnlich stark ausgeprägt wie jenes moderner Einbrecher für amerikanisches Papiergeld. Definitiv Kenntnis haben wir lediglich von zwei Käufern: Die Europäische Zentralbank glaubt, mit dem Erwerb portugiesischer Anleihen den "geldpolitischen Transformationsmechanismus" wieder herstellen zu können. Und China hofft, mit dem Kauf selbiger seinen Exportmarkt "Europa" stabilisieren zu können. (Am Freitag wurde bekannt, dass Portugal eine Milliarde Euro über eine Privatplatzierung aufgenommen habe. Details dieses ungewöhnlichen Vorgangs sind nicht bekannt.)

In dieser Woche steht die Nagelprobe an: Am Mittwoch plant Portugal, am Kapitalmarkt bis zu 1,25 Mrd. Euro in 3j. und 9j. Anleihen aufzunehmen. Bereits morgen verkauft Griechenland 1,5 Mrd. Euro in 6-Monats Bills. am Donnerstag erwarten wir Spanien und Italien am Kapitalmarkt. Am Montag in einer Woche treffen sich die Euro-Finanzminister. Es ist offensichtlich, welches Thema uns Finanzmarktteilnehmer uns in den kommenden Tagen am meisten beschäftigen wird. Der Beginn der Berichtssaison in den USA (Alcoa heute, Intel am Donnerstag, JP Morgan am Freitag), die EZB Pressekonferenz am Donnerstag oder auch die amerikanischen Inflationsdaten sind da lediglich schmückendes Beiwerk. Für den Außenwert des Euro sieht es damit auch in den kommenden Tagen nicht berauschend aus. Herr K. sollte sich nicht wundern, wenn es demnächst an seiner Tür klingelt und zwei unrasierte Herren ihm einen ausgeleierten Sparstrumpf auf den Fußabstreifer schleudern: "Hier, nimm’s z’rück, is wertlos."

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Dies ist ein humoristischer Marktkommentar und keine Anlageberatung. Die Einschätzungen des Autors beruhen auf Informationen, die auf öffentlich zugänglichen, als verlässlich eingeschätzten Informationsquellen basieren. Weitere Informationen finden Sie im Disclaimer.
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Kornelius Purps
Fixed Income Strategist
Director
MRE4FI
UniCredit Research

kornelius.purps@unicreditgroup.de

Kornelius Purps Corporate & Investment Banking
UniCredit Bank AG

www.unicreditgroup.eu

 

Foto von Paul Cotneywww.istockphoto.de
Foto Purps und Logo UniCredit Bank von UniCredit Bank AG
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Kornelius Purps ist Fixed Income Strategist bei der UniCreditBank AG.

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