Freitag, 17. April 2026
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Versicherungen und Digitalisierung

War der Versicherungsnehmer nach nicht erfolgter Lektรผre der Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) ver(un)sichert, dann waren die Grรคben zwischen Versicherer und Versicherungsnehmer festgelegt. Fรผr beide war es das Beste, wenn in der Folge kein Schaden eintrat. Wer nicht bรถswillig versuchte, einen Versicherungsbetrug zu lancieren, konnte auf ewige Zeiten mit den Bedingungen leben. Das wird in der Zukunft nicht mehr so sein.

Ein โ€žAngriff auf die Freiheitโ€œ?

In Verbindung mit der Digitalisierung haben Versicherungsunternehmen fรผr die Sparte der Krankenversicherungen vorgeschlagen, dass jeder mit Fitnessarmband seinen Gesundheitsstatus jederzeit abrufen kรถnne und solle. Die Idee verbreitet sich. Gesund denkende Versicherungsnehmer zahlen weniger Prรคmien. Die anderen bekommen Probleme, d.h. hรถhere Prรคmien aufgelastet.

Auch Sachversicherungen sind davon betroffen. Die Fachpresse bezeichnet dies als โ€žAngriff auf die Freiheitโ€œ. So haben sich digital Interessierte das Ergebnis ihrer Messungen nicht vorgestellt. Die Gesundheitsbรถrse erinnert an den Datenschutz, auf den im Hinblick auf Partygestaltungen gern verzichtet wurde. Nach Wein, Bier, Gin, Fleisch und SรผรŸigkeiten war der nรคchste Tag am Morgen gelaufen. Rauchen โ€žhalfโ€œ. Bisher war das Privatsache. Versicherungsunternehmen brandmarken denjenigen, der raucht, trinkt und sich ungesund ernรคhrt. Denn er lebe auf Kosten der Gemeinschaft, die fรผr hรถhere Kosten einstehen mรผsse, um die Gesundheit der Betroffenen wiederherzustellen. Die Generali-Versicherung ist mit ihrem โ€žVitalityโ€œ-Programm Vorreiter. Ohne werbetechnische Verlautbarungen sind Bรผrger auf dem Basar fรผr das eigene Leben angekommen und definieren die Umkehr des Solidarprinzips. Dies ist auch der Fall, wenn sie bereit sind, sich von Burgern auf Biomรถhren umzustellen.

Der glรคserne Versicherte

Nach Auffassung der Versicherungsgesellschaften sind diese Informationen freiwillig bereitzustellen. Im รœbrigen schreiben sie: Der Versicherte ist Freund der Versicherungsgesellschaften. Diese wollen ihn besser kennenlernen. Das hat nichts mit Volksgesundheit zu tun, sondern mit Gewinnmaximierung. Sollte der Gesetzgeber einen Riegel vorschieben, wenn rote Linien รผberschritten werden? Vorab lernen wir, dass die Versicherer kรผnftig Gentests auswerten wollen โ€“ โ€žnurโ€œ zum Besten der Versicherten. Rentenversicherer kรถnnten die Prรคmien erhรถhen, wenn Versicherungsnehmer voraussichtlich lรคnger leben werden. Nach Dokumentationen der Munich RE besteht das Risiko der Versicherer in der zeitnah erwarteten abrupten Lebensverlรคngerung von Menschen รผber den fรผr Deutschland seit 1900 geltenden Durchschnitt von 2,5 Jahren pro Dekade hinaus. Das kann die von der EU fรผr Deutschland vorgeschlagene Verschiebung des gesetzlichen Ruhestandsbeginns auf die Vollendung des 74. Lebensjahres ausgleichen.
Glรคserne Versicherte sind nicht nur bei den Personenversicherungen durchschaubar. Das Risiko fรผr Inanspruchnahme aus Haftpflicht kann digital bewertet werden. Werden Wohnung oder Haus beim Verlassen mit Sorgfalt abgeschlossen? Sind die Fenster mit digitalen Sperrsystemen gesichert? Wurde das landesweite Datenprogramm fรผr Einbruchswahrscheinlichkeit in der Region aktiviert und zeitnah abgefragt? Soweit das Risiko privater Versicherungsnehmer. Big Data hat die Fahndungsexpertisen nicht abgelรถst. Globalisierte Serientรคter sind schneller als positionsfixierte Ermittler. Dagegen mรผssen sich Versicherungsnehmer schรผtzen, um Versicherungsschutz zu erhalten.

Passgenaue Risiko-Kalkulationen

Smart Home โ€“ bei Haftpflicht-, Gebรคude- und fรผr private Krankenversicherung ist es das Prinzip der Risikoรคquivalenz. Passgenaue Risiko-Kalkulationen sind das Ziel aller Versicherer und mit digitaler Hilfe kein Problem. Werden zu viele VerkehrsverstรถรŸe festgestellt, kรถnnte das offiziell gemeldet und der Fรผhrerschein fรผr einen Monat eingezogen werden. Die Kraftfahrzeugversicherung bringt neue Ansรคtze. Jeder Mensch fรคhrt seine Autos besser oder schlechter, verbraucht mehr oder weniger Treibstoff, ist wie zuhause aggressiv oder nicht. Der Leser kann Autos aus der Serie kaufen, die alle Aktivitรคten registrieren โ€“ Beschleunigung, Bremsaktivitรคten, Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug, das Beachten gelber und roter Ampeln. Nach Auswerten der im Fahrzeug registrierten Daten richtet sich die Versicherungsprรคmie. Wer sein Auto (bald) autonom steuern lรคsst, stellt ein geringeres Risiko dar und zahlt geringere Prรคmien. Zukunft? Auf der A9 zwischen Ingolstadt und Nรผrnberg nicht! Die Digitalisierung ist integriert und mit Aufpreis aktivierbar. Zahlreiche Airbags senken die Prรคmien fรผr die Krankenversicherung. Wann wird uns eine Leuchte aufgehen, die uns spรคter nach Hause leitet?

Jรผrgen P. Mรผller arbeitet seit 1969 im Finanzmanagement und ist Gesellschafter der TVVG Treukapital Vermรถgensverwaltungs GmbH. Er absolvierte sein Studium in Wirtschaftsphilosophie, BWL und Jura mit dem Abschluss eines MBA.

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