In der Übertreibung liegt die Verdeutlichung.  Muss unser Finanzsystem noch stärker reguliert werden als dies derzeit angedacht wird?

 

Es vergeht selten ein Tag an dem nicht irgendeine Idee zur Stabilisierung unseres Finanzsystems durchgespielt wird. Auftrieb für eine radikale Reform gibt es nun aus den Reihen des IWF. Dort haben Forscher eine Studie erstellt und kommen zu dem Schluss, dass sich durch die Einführung des sogenannten Vollgeldes das Risiko einer Banken-Krise deutlich eindämmen ließe,  die Wirtschaft dennoch davon profitieren könnte. Es ist eine Studie, daher bleibt es zunächst beim Konjunktiv.

Bisher leihen die Banken Kunden ein Vielfaches des Geldes, welches ihnen anvertraut wird. Die Geldmenge wird dadurch deutlich erweitert. Beim Vollgeld wird immer nur so viel Geld verliehen, wie eine Bank an Einlagen hält. In einigen Ländern gibt es Befürworter für eine solche radikale Reform.

Theoretische Modellrechnungen sind indes schnell gemacht, die Umsetzung einer solchen Idee scheint Lichtjahre entfernt. Nicht nur das Ergebnis käme einer radikalen Veränderung gleich. Der Weg dorthin scheint nicht machbar. Bereits Basel II, sollte die Kreditvergabe einschränken, ist jedoch  in der internationalen Umsetzung gescheitert. Auch auf dem Weg zu Basel III ist nicht sicher, ob die Anforderungen in den USA in nationale Gesetze umgesetzt werden. Wie soll dann eine noch radikalere Idee, wie die des Vollgeldes den Weg in die internationale Umsetzung finden?

Gerade die Politik ist es, die sich in der Öffentlichkeit stark macht Banken radikal reformieren zu wollen, ob jedoch das Vollgeld der richtige Weg ist? Staatsfinanzen werden durch Banken und Anleihen finanziert. Vollgeld würde den Teil der Staatsfinanzierung erheblich einschränken. Bliebe nur, Geld einfach zu drucken.
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Wir hart die Reformen in Zukunft umgesetzt werden müssen, hängt nicht zuletzt vom Verlauf der Wirtschaft und der Eurokrise in den nächsten Monaten ab. Was passiert mit Griechenland und Co., kommt es schlimm, schlimmer, am schlimmsten oder sind die negativen Szenarien längst eingepreist? Die unterschiedlichen Aussagen aus den Reihen der Fachleute zeigen deutlich, dass alle mit Glaskugel und Kaffeesatz arbeiten. Bleibt zu hoffen, dass unsere Politiker auf die richtigen Wahrsager setzen.

 

Foto von aristotoo – www.istockphoto.de

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Thorsten Hahn, Jahrgang 1967, ist Gründer und Geschäftsführer der BANKINGCLUB GmbH. Der Profinetzwerker zählt auf Plattformen wie XING und Linkedin zu den Nutzern mit der besten Vernetzung in die Finanzbranche. Wie kein Zweiter versteht er dieses Netzwerk zu nutzen und auch anderen zugänglich zu machen. Außerdem ist der erfahrene Banker und Diplom-Kaufmann Herausgeber der BANKINGNEWS, welche 10 Jahre lang als Onlinemagazin und seit Sommer 2014 als Printzeitung (7.500 Empfänger) erscheint, sowie Autor verschiedener Fachbücher und Buchbeiträge.

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