Wir Deutschen lieben Anglizismen und nicht nur bei diesen so schön klingenden Begriffen kommt es manchmal vor, dass die Übersetzung und Definition hierzulande diverse Fehlinterpretationen aufwirft.

Wir kennen schon seit einiger Zeit Banken, wie die Umwelt Bank in Nürnberg, die GLS Bank in Bochum oder die Ethik-Bank in Eisenberg. Banken, deren Unternehmenswerte es verbieten den eigenen Kunden bestimmte Anlageklassen zu empfehlen. Banken, die Kreditvergabeprozesse und vor allem deren Kreditnehmer offenlegen. Banken, bei denen die Mitglieder mitbestimmen dürfen und bei denen nicht das letzte Quäntchen vor dem Komma der Rendite Jahr für Jahr raus gekitzelt werden muss.

Diese Banken wurden jüngst in einem Artikel in der Zeitschrift „die bank“ als Social Banking 1.0 bezeichnet. Wohlgemerkt „social“, nicht „sozial“! Banken wie die Noa Bank (die es ja bereits nicht mehr gibt) oder die Fidor Bank werden hier mit Social Banking 2.0 bezeichnet.

Was auf den ersten Blick recht klar klingt, erweist sich für die genannten Banken als Bärendienst. Zunächst bezeichnet man mit 1.0 und 2.0 gerne so etwas wie Weiterentwicklung. Gibt es die Version 2.0, ist die Version 1.0 veraltet, entspricht nicht mehr dem Standard, muss auf 2.0 „geupdated“ werden. Aber auch in einer Zeit des 2.0 (Fidor Bank) gibt es noch die 1.0-Banken. Die GLS-Bank freut sich sogar dieser Tage über einen regen Zulauf. Und neue Banken mit einem 1.0-Geschäftsmodell kommen auf den Plan. Von antiquiert, verstaubt und unattraktiv kann also keinesfalls die Rede sei. Hierzulande wird auch über die Einführung von Islamic Finance-Produkten diskutiert und damit Produkten, die klar der 1.0-Welt zuzurechnen sind, denn da geht es beispielsweise um Zins- und Spekulationsverbote, um das Verbot Geld in Glücksspiele und Banken anzulegen oder Versicherungen auf den Tod eines Menschen abzuschließen.

Wenn über das Social Banking im 21. Jahrhundert geredet und geschrieben wurde, dann fallen beinahe unweigerlich die Namen der Fidor Bank und der Noa Bank. Letztere ist kürzlich von der Bildfläche verschwunden und wer will schon gerne mit einer Bank und einem Geschäftsmodell in einen Topf geschmissen werden, das von der BaFin beerdigt wurde.

Hier gilt es jedoch zwei Dinge zu korrigieren. Die BaFin hat nicht das Geschäftsmodell „Social Banking“ oder wie ich es lieber bezeichne Community Banking beerdigt, sondern eine Bank mit angehängter Factoringtochter und den daraus resultierenden Zahlungsschwierigkeiten. Josic wollte das Geld seiner Kunden transparent und nach den Wünschen seiner Kunden anlegen. Dies ist ihm nicht gelungen. So saß er zum Schluss auf einem Berg von Kundengeldern, die er für kleines Geld bei Banken geparkt hat und für großes Geld seinen Kunden verzinst hat. Keine Kunst und Lichtjahre vom Kerngeschäftsmodell einer Bank entfernt.

Die zweite Verwirrung im Markt ist aus meiner Sicht, dass bei den meisten Definitionsversuchen „Social“ und „Sozial“ nur ähnlich klingen, jedoch zwei Bedeutungen haben. Wenn Social Banking als der Austausch von Usern im Web bezeichnet wird, ja dann könnte man dieses von einer Bank geförderte Modell als Social Banking bezeichnen, ganz so, wie wir heute Xing, Facebook und Co auch als Social Communities bezeichnen. Mit sozial hat dies aber herzlich wenig zu tun.

© Foto eigene Darstellung
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Thorsten Hahn, Jahrgang 1967, ist Gründer und Geschäftsführer der BANKINGCLUB GmbH. Der Profinetzwerker zählt auf Plattformen wie XING und Linkedin zu den Nutzern mit der besten Vernetzung in die Finanzbranche. Wie kein Zweiter versteht er dieses Netzwerk zu nutzen und auch anderen zugänglich zu machen. Außerdem ist der erfahrene Banker und Diplom-Kaufmann Herausgeber der BANKINGNEWS, welche 10 Jahre lang als Onlinemagazin und seit Sommer 2014 als Printzeitung (7.500 Empfänger) erscheint, sowie Autor verschiedener Fachbücher und Buchbeiträge.

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