Was ist Geld? Der Geldbegriff der Kreditgeldwirtschaft

Autor: Dietrich Eckardt
Euro: 34,80
170 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-905828-10-8
Verlag WR Projekt

„Geld regiert die Welt.“ Diese Worte sind so ziemlich jedem bekannt. Umso erstaunlicher ist es, wie wenig die meisten Menschen überhaupt über Geld wissen. Worauf basiert das Konzept „Geld“, wie hat es sich im Laufe der Zeit gewandelt bzw. was war und ist seine Funktion? Diesen Fragen geht Dietrich Eckardt in seiner Abhandlung „Was ist Geld? Der Geldbegriff in der Kreditgeldwirtschaft“ auf den Grund. In seinem Vorwort betont der Autor, dass Geld genauso einem stetigen Wandel ausgesetzt sei wie die Welt an sich. So werde das Geldwesen hier „nicht nur beschrieben, wie es nunmehr ist, sondern darüber hinaus, wie es in einer gut funktionierenden Finanzwirtschaft sein sollte“. Das Ziel Eckardts ist es, über das „funktions- und merkmalsbezogene Verständnis von Geld hinauszugehen und dessen Begriffskern freizulegen“. Was nach einem trockenen Ansatz klingt, entpuppt sich im Verlauf der Lektüre als spannender Gang durch unsere Kulturgeschichte, in der die Wurzeln für unser heutiges Verständnis von Tausch und Handel liegen.

„Das zahle ich dir heim!“

Dietrich Eckardt, der über eine breit angelegte akademische Ausbildung verfügt, will in seinen Überlegungen „das Geld der Kreditgeldwirtschaft in seiner Universalität“ darstellen. Und dies schafft er in einer Präzision, die seinesgleichen sucht. Von ontologischen Dimensionen, welche die „Seinsweise“ der Wesensbestandteile des heute umlaufenden Geldes umfassen, über Kant’sche Definitionen, bis zu etymologischen Untersuchungen verschiedener Termini, die immer noch dazu dienen, die ursprüngliche Funktionalität des Konzepts „Geld“ zu verdeutlichen. So ist Bezahlen ein prämonetäres Phänomen, denn ursprünglich bedeutete der Ausspruch „das zahle ich dir heim“ nichts anderes als Vergeltung, was heute immer noch der Fall ist.

Versprochen ist versprochen

Bereits zu Beginn der Darstellung der Untersuchungsergebnisse schreibt Eckardt, dass das sich heute im Umlauf befindende Geld ausschließlich über Kredite geschaffen und somit das Geld der Kreditgeldwirtschaft sei. Ein Beispiel gefällig? Gegenwärtige Noten des britischen Pfunds verweisen heute noch gemäß dem Wortlaut des auf ihnen aufgedruckten Textes auf ein Versprechen, nämlich auf das Versprechen der Ausreichung von Sterling-Silber, falls die Note bei der Bank zum Eintausch vorliegt. Ähnliche Versprechen wiesen frühere Dollarnoten sowie Banknoten der Deutschen Reichsbank auf. Englische Banknoten bescheinigten nach Eckardt immer noch eine Schuld; jene, die die Bank von England mit der Emission der Note früher einmal eingegangen ist. So findet sich auf ihr die Aufschrift: „I promise to pay the bearer on demand the sum of twenty pounds.“ Die vom Autor als Farce deklarierte Aufschrift findet sich dagegen nicht mehr auf modernen Dollar- oder Euronoten.

Per definitionem

Dietrich Eckardt stellt dem Leser natürlich seine favorisierte Gelddefinition vor. Demnach sei das Geld der Kreditgeldwirtschaft die „Gesamtheit jener quantitativ bewerteten und symbolisch vergegenständlichten Tilgungsversprechen, die durch das Leistungspotential ihrer Emittenten gedeckt sind“. Bizarr und monströs findet auch Eckardt diesen Satz, für den die Definition ohne die Beantwortung dieser Fragen eine sinnleere Sentenz und schlichtweg bedeutungslos sei. Deswegen klärt er in verständlichen Schritten die grundsätzlichen Termini, die zur Erschließung dieser These vonnöten sind. Was bedeutet ein Tilgungsversprechen? Was leistet die symbolische Vergegenständlichung von Tilgungsversprechen? Und woher beziehen letztere ihren Wert?

Das Wesen des Geldes

Als relevante Praxis gilt im Allgemeinen der Gütertausch. Eckardt kritisiert in diesem Zusammenhang, dass Autoren wie Hajo Riese, Gunnar Heinsohn oder Otto Steiger der Tauschpraxis bei ihren Aufklärungen des Phänomens so wenig Bedeutung beigemessen hätten. Ohne das Verständnis von Geld sei ein Verständnis vom Tausch nicht möglich, denn der Tausch sei die Lebensachse einer leistungsteilig organisierten Wirtschaftsgemeinschaft und damit auch deren Geldwirtschaft. Für den Autor stellen Tauschakte gegenläufige Transfers von Gütern dar, die man auch als bilateralen Tausch verstehen kann, da jede Zahlung „sowohl die Übertragung eines Gutes als auch der Ausgleich einer Schuld“ sei. Geld aber alleine als Entschuldungsmittel zu sehen, wäre keine phänomen-adäquate Bestimmung. Es ist nur ein Teil des Geldwesens.

Geld erwächst aus Krediten

Wird ein Tausch vollzogen, der aufgrund einer nicht erbrachten Gegenleistung unvollendet bleibt, kreditiert der Tauschpartner eine Gegenlieferung und macht ein Schuldtilgungsversprechen. Versprechen erweisen sich oftmals als seltsame Tauschobjekte. Trotzdem existiert dieser Ablauf auch heute an höchster Stelle, denn an die Realisierung von Versprechen glaubende Menschen nennt man „Gläubiger“. Das kennt man. Geld bewirke nach Eckardt die eigentliche Bezahlung, sodass man Geld nicht als Kredit erklären könne, da eine Kreditierung nur einen Zahlungsaufschub bewirkt. Auf eben jene korrekte Terminologie und Bestimmung von Phänomenen legt Dietrich Eckardt besonders hohen Wert – gibt es doch bereits viele Abhandlungen zu diesem Thema, die aber nicht diese endgültige aber nötige Detailverliebtheit besitzen.

Bankensystem als Vermittler

Betrachtet man die elementare Rolle, welche Banken in der heutigen Finanzwelt zukommt, kann man durchaus die Frage stellen: Was haben Banken eigentlich grundlegend mit Geld zu tun? Nun, Geld basiere laut Eckhardt auf Tilgungsversprechen. Diese Versprechen liegen symbolisch vergegenständlicht vor (etwa in Form eines Gutscheins). Jedes Versprechen erfährt eine quantitative Bewertung. Das Bankensystem übernimmt die Rolle des Vermittlers des auf dem Markt bereits vorhandenen Geldes und ist für die Emission des Währungsgeldes sowie dessen Deckung verantwortlich. Banken gewährleisten diesen Umstand und „stromlinienförmiges Tauschen“. Folglich sind Geldhäuser nicht nur Geldvermittler, sondern auch Geschäftsvermittler. Und ohne Geschäfte gibt es keine Wirtschaft. Sie können sich denken, wie es weitergeht. So schafft es Eckardt in einem Unterpunkt, die herausragende Stellung der Banken in der Weltwirtschaft zu betonen, wobei er auch kritische Töne anschlägt – etwa in Zeiten der Überschuldung, in denen das System bei der Bonitätsermittlung versagt hat.

Fazit

Unsere Gesellschaft lebt laut Buchrücken heute weltweit in einer nahezu reinen Kreditgeldwirtschaft. Der Autor liefert eine klare Definition des Geldbegriffs dieser Wirtschaft. Die Definition erlaube dagegen eine eindeutige Abgrenzung des Tauschguts Geld von anderen Tauschgütern. Dietrich Eckardt diskutiert andere Abhandlungen und deren Ergebnisse, sodass der Leser ganz nebenbei einen bisherigen Forschungsstand erhält und die Notwendigkeit einer gründlichen Beschäftigung mit der Thematik erkennt. Der Grund: „Das heute umlaufende Geld ist wesentlich das Geld einer Kreditgeldwirtschaft. Es ist aus Krediten erzeugt.“ Wer diese Welt verstehen will, muss folglich das Wesen des Geldes verstehen. Die Lektüre dieses Titels darf als deutliche Erleichterung auf dem Weg zu diesem Verständnis deklariert werden und hat das Potenzial zu einem Standardwerk für Wirtschaftswissenschaftler und Banker zu werden. Und eigentlich sind die verschiedenen Eigenarten von Geld auch schnell zu verstehen oder wie der von Eckardt zitierte Immanuel Kant sagen würde: „Als Ware ist Geld sogar ein Gebrauchsgut – im Gegensatz zu allen anderen Gebrauchsgütern allerdings jenes, dessen Gebrauch nur darin besteht, es zu veräußern.“

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Christian Grosshardt, Jahrgang 1986, verfügt über mehr als sechs Jahre Berufserfahrung in Print- und Online-Journalismus. Während seines Studiums der Germanistik, das er mit dem Master of Arts abschloss, sammelte er bereits umfangreiche redaktionelle Erfahrungen als freier Mitarbeiter bei der Kölnischen Rundschau. Christian Grosshardt betreut BANKINGNEWS seit der ersten Printausgabe und ist seit August 2016 stellvertretender Chefredakteur.

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