… der bestimmt, was gespielt wird. So heißt es hier in Köln. In den USA will nun der US-Finanzminister Paulson die Regel auf den Kopf stellen.

Hatten Sie auch diesen Reflex, als Sie von der Forderung aus den USA gehört hatten, dass die Amerikaner mal wieder den Bogen überspannen? Diesen Reflex auszurufen:  

    So nicht? Ihr habt uns doch die Suppe eingebrockt, nun löffelt sie auch wieder aus!

    So auch unserer Kanzlerin, die bemerkte: „so kann es im internationalen Bereich nicht gehen“. Zudem wird in Berlin gerade mit den G7-Staaten an einer gemeinsamen „Gegen“-Haltung zum Vorschlag aus den USA gearbeitet. Egal in welches politische Lager man hierzulande hineinhört, die Reaktionen auf den Vorschlag von Henry Paulson sind identisch. 

    Jede Medaille hat jedoch auch eine zweite Seite. Und wenn dieser erste Reflex vorüber ist, dann kommen Zweifel an der ersten Reaktion auf. In einem Markt treffen, wenn er funktioniert, immer zwei Seiten aufeinander. Angebot und Nachfrage. Fehlt eine der beiden Seiten, kommt kein Markt zustande. Jetzt sind wir natürlich neben der Finanzkrise auch zu der ewig lautenden Frage gelangt, ob Huhn oder Ei zuerst da gewesen sind. Fakt ist jedoch, dass die Produkte aus den USA auch hier in Europa ihren Absatz gefunden haben. Hätte es die Nachfrage nicht gegeben, hätte es dann einen Absatz geben können? Und so verkündet der britische Schatzkanzler Alistair Darling am Montagmorgen, dass es bei der Bekämpfung der Krise wohl zu einer internationalen Kooperation kommen wird. 

    Wenn einer Bank das Geschäftsmodell abhanden gekommen ist und diese dann stattdessen auf die Angebote aus den USA eingeht, dann hat sie in vollem Bewusstsein gehandelt. Mündiger Anbieter trifft auf mündigen Nachfrager. Somit kann man die Schuldfrage nicht einseitig an die USA delegieren. 

    Zudem bewegen wir uns in globalen Märkten und für die Globalisierung gilt dasselbe wie für Märkte: Globalisierung ist eine notwendige Bedingung einer freien und gerechten Gesellschaft, urteilt Prof. Di Fabio. In einem globalen Markt profitieren alle von den globalen Renditen, dann ist es doch recht, wenn die USA auch zu einem globalen Schulterschluss in der Krise aufrufen. 

    Und jetzt auch noch in den Klagegesang über die avisierten und teilweise rasch umgesetzten Regulierungsbemühungen einzusteigen ist ebenso kritisch zu betrachten. Jedem Fehltritt folgt eine Regulierung und mit dem Verbot von Leerverkäufen hat die BaFin sogleich die erste Regulierung bekannt gegeben. Weitere werden nach dem Willen von Frau Merkel folgen. Den „unverantwortlichen Finanzspekulationen“ will sie ein Ende bereiten. 

    Und bei allen Unkenrufen aus Politik und Gesellschaft hat die Krise in Deutschland doch ein Gutes. Sie hat gezeigt, wie stabil hierzulande das Finanzsystem ist. Notenbanken und Aufsichtsbehörden haben funktioniert, so ein Lob vom Chef des Finanzministeriums in Berlin. 

    Die globale Finanzkrise hat Spuren und Kratzer am deutschen Finanzmarkt hinterlassen. Keine Frage, aber gestützt hat sie unser System beileibe nicht.

Bildquelle: www.treas.gov

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Thorsten Hahn, Jahrgang 1967, ist Gründer und Geschäftsführer der BANKINGCLUB GmbH. Der Profinetzwerker zählt auf Plattformen wie XING und Linkedin zu den Nutzern mit der besten Vernetzung in die Finanzbranche. Wie kein Zweiter versteht er dieses Netzwerk zu nutzen und auch anderen zugänglich zu machen. Außerdem ist der erfahrene Banker und Diplom-Kaufmann Herausgeber der BANKINGNEWS, welche 10 Jahre lang als Onlinemagazin und seit Sommer 2014 als Printzeitung (7.500 Empfänger) erscheint, sowie Autor verschiedener Fachbücher und Buchbeiträge.

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