Samstag, 14. Mรคrz 2026
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Wir brauchen eine Trennungskultur

Das Gesprรคch bestรคtigte meinen Eindruck, dass das Thema Trennungskultur und dessen Bedeutung im Business noch nicht so prรคsent sind. Die Anzahl der Beschรคftigten im deutschen Kreditgewerbe hat sich laut einer Erhebung von Statista von 774.550 im Jahr 2000 auf 627.150 im Jahr 2015 reduziert. Knapp 150.000 Menschen in 15 Jahren, 10.000 pro Jahr und damit knapp 30 am Tag irgendwo in Deutschland. Und realistisch gesehen wurden noch viel mehr Menschen entlassen, weil wir durchaus Stellen durch Fluktuationen nachbesetzen. Und der Abbau geht weiter.

Durch FilialschlieรŸungen, Optimierung von Prozessen, Digitalisierung, Kostenoptimierungen, Fusionen etc. wird sich die Anzahl der Beschรคftigten im Bankengewerbe weiter reduzieren. Und Sie als Manager sollten alles versuchen, um Ihre Abbauziele zu erreichen. Viele von uns haben doch gerade jetzt FTE- oder MAK-Vorgaben in den Zielvereinbarungen. Wie erreichen Sie diese? Durch Sozialauswahl begleitet von den Betriebsrรคten? Oder wie Jack Welch in seinem Buch โ€žWas zรคhltโ€œ beschreibt: Die zehn schwรคchsten Mitarbeiter gehen pro Jahr? Oder durch Windhundprรคmien fรผr diejenigen, die als erste gehen wollen? Durch geschickte Standortkonsolidierungen, in der Hoffnung, dass nur ein Teil der Mitarbeiter umzieht? Die Strategie zum Personalabbau ist vielfรคltig, aber am langen Ende stehen hinter allen Zahlen Menschen. Und mit genau diesen Menschen muss โ€žmanโ€œ reden.

Trennung als Managementaufgabe

Wer ist โ€žmanโ€œ in Ihrem Unternehmen? Ist es der HR-Bereich? Oder der direkte Vorgesetzte? Oder haben Sie es zur Managementaufgabe gemacht? Dies fรผhrt uns zwangslรคufig zum Thema Kultur und zu den Werten Ihres Unternehmens. Trennung sollte meiner Meinung nach immer eine Managementaufgabe sein. Denn diese Aufgabe ist schwer, manchmal sogar sehr schwer. Hinter dem Menschen, mit dem sie reden, steht unter Umstรคnden eine Familie, der die Existenzgrundlage entzogen wird. Oder aber das Selbstbild des Mitarbeiters und Ihr Fremdbild auf die Arbeitsleistung gehen sehr weit auseinander. Vielleicht offenbart Ihnen die Kollegin aber auch: โ€žIch bin schwanger!โ€œ Dies kommt in strategischen Abbauprogrammen recht hรคufig vor. Vielleicht offenbart Ihnen der Kollege aber auch eine verschwiegene Schwerbehinderung.

All das kann man als Stรถrungen des Trennungsprozesses bezeichnen, und sicher ist das Fรผhren der Gesprรคche vor diesem Hintergrund nicht erstrebenswert. Auch die (Ver-)Stรถrung im Umfeld ist nicht zu verachten. Es gibt nรคmlich auch immer diejenigen, die weitermachen sollen und mรผssen. Wenn das Trennungsgesprรคch โ€“ auch mit den zahlreichen Versprechungen, die ein Sozialplan eventuell beinhaltet โ€“ nicht gut verlรคuft, dann hat das Auswirkungen auf die restliche Truppe. Die fragt sich doch: Wie soll das gehen, ohne Ersatz? Arbeiten wir nicht schon genug? Wer ist der Nรคchste? Oder geht sogar auch noch der Chef? Verlassen die Ratten das sinkende Schiff? All diese Gedanken im Team beeinflussen die Arbeitsleistung und Motivation der Verbleibenden. Schlechtes Trennungsmanagement zeigt sich auch in der ansteigenden Krankenquote. Mitigierend kann โ€žFreiraum fรผr Gesprรคcheโ€œ einkalkuliert werden und zwar als Teil der Trennungskultur.

โ€žSie sind gefeuert!โ€œ โ€“ ein schwieriges Gesprรคch

Auch die Gesprรคchsfรผhrung in der Trennung kann gecoacht werden. Haben Sie schon einmal รผberdacht, wie viele Sรคtze Sie sagen, bis Sie den entscheidenden Satz aussprechen: โ€žHiermit kรผndige ich Ihnen!โ€œ? Auch die Frage, wann ein solches Gesprรคch gefรผhrt wird, kann Teil der Kultur sein. Fรผhren Sie diese Gesprรคche immer am Freitag um 18:00 Uhr, damit niemand etwas mitbekommt und die Aufgabe vor dem Wochenende erledigt ist? Verbunden mit der Hoffnung, dass die Familie und die Freunde des Mitarbeiters bzw. der Mitarbeiterin sicher Aufbauarbeit leisten werden? Oder fรผhren Sie diese Gesprรคche am Montag um 10:00 Uhr in vollem Bewusstsein, dass Sie nun die ganze Woche Gesprรคche mit den verbleibenden Teams fรผhren werden und dem einzelnen โ€žAbbaukandidatenโ€œ fรผnf Tage lang รผber den Weg laufen mรผssen? Haben Sie eine Outplacement- und Newplacement-Beratung im Unternehmen? Gibt es eine Transfergesellschaft? All diese รœberlegungen kรถnnen Teil der Trennungskultur in Ihrem Unternehmen sein.

Ich selbst bin auf dieses Thema durch das Buch โ€žTrennungs-Kultur und Mitarbeiterbindungโ€œ von Dr. Laurenz Andrzejewski und Hermann Refisch aufmerksam geworden. Ein Buch, das Ihren Blickwinkel verรคndern wird. Durch die vielen Beispiele aus der Praxis ist das Buch sehr lebensnah und kann Ihnen dabei helfen, in Ihrem Unternehmen eine Trennungskultur zu etablieren.

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