th – Wenn in diesen Tagen von Wirtschaftswachstum gesprochen wird, dann möchte man meinen, der Begriff ist auf dem Weg zum Unwort des Jahres 2009 zu avancieren.

Erst in der vergangenen Woche hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Prognose für das Wirtschaftswachstum auf minus 2,5 Prozent korrigiert. Was mathematisch korrekt klinkt, wirkt rhetorisch doch recht verharmlosend. Das zweite Konjunkturpaket reicht laut IWF nicht, den drohenden Abschwung der deutschen Wirtschaft zu bremsen und fordert Steinbrück auf, die Kasse weiter zu öffnen. Viele Volkswirte gehen bei den aktuell geplanten Maßnahmen aus Berlin davon aus, dass die Wirkung der Maßnahmen erst ab 2010 zur Geltung kommt. Vor dem Hintergrund, dass die Regierung selbst mittlerweile einräumt, dass die deutsche Wirtschaft um bis zu 3 Prozent schrumpfen könne, ist es verwunderlich, dass das zweite Paket nur ca. 1,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entspricht.

Doch egal, wann die Wirkung staatlicher Hilfe einsetzt; egal, ob die Hilfe den Schrumpfprozess um einen halben oder einen ganzen Prozentpunkt aufhält, am Ende des Tages wird die Zeche zurückzuzahlen sein.

Für die USA und Großbritannien gehen Experten davon aus, dass dies nur mit der Notenpresse zu machen sei, nur so ließen sich die Staatsausgaben auf Dauer finanzieren, denn das Volk ist in den beiden Ländern bereits hoffnungslos überschuldet. In Großbritannien beträgt die Verschuldung privater Haushalte 180 Prozent der Einkommen. Europa steht vor diesem Szenario vor einer harten Bewährungsprobe, können doch die Euroländer nicht ihre Zentralbanken zum Gelddrucken auffordern. Bei einem Ausstieg aus dem Euro würde der Landesbankrott und der Ausschluss aus dem europäischen Handelsystem drohen.

Übrigens, das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) geht von einem einprozentigen Wachstum aus. Minus natürlich. Es gab in den letzten Tagen sogar Prognosen einer schwarzen Null. Soviel ist gewiss, die Spanne ist groß, die Experten sind sich wie immer uneinig und am Ende des Jahres sind wir schlauer als am Anfang.

TEILEN
Vorheriger ArtikelSchluss mit dem freien Spiel der Märkte
Nächster ArtikelDie Besteuerung privater Kapitalanlagen
Thorsten Hahn, Jahrgang 1967, ist Gründer und Geschäftsführer der BANKINGCLUB GmbH. Der Profinetzwerker zählt auf Plattformen wie XING und Linkedin zu den Nutzern mit der besten Vernetzung in die Finanzbranche. Wie kein Zweiter versteht er dieses Netzwerk zu nutzen und auch anderen zugänglich zu machen. Außerdem ist der erfahrene Banker und Diplom-Kaufmann Herausgeber der BANKINGNEWS, welche 10 Jahre lang als Onlinemagazin und seit Sommer 2014 als Printzeitung (7.500 Empfänger) erscheint, sowie Autor verschiedener Fachbücher und Buchbeiträge.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

*

code