Der japanische Finanzminister hat immer gesagt, er könne jederzeit die Bank of Japan dazu verpflichten, in den Devisenmärkten zur Schwächung der Landeswährung zu intervenieren. Nach dem rasanten Anstieg des Yen in der vorvergangenen Nacht hieß es, die G7 Notenbankchefs und Finanzminister würden sich bald über die Lage in Japan und an den Finanzmärkten nach der Katastrophe vom 11. März ins Benehmen setzen. Yen-Reaktion? Keine. Dann hieß es, bereits in der kommenden (also von jetzt aus gesehen, in der vergangenen) Nacht würden sich die G7-Vertreter zu einer Telefonkonferenz einfinden. Yen-Reaktion? Keine. Vorherrschende Meinung unter den Devisenhändlern: Japan wird sich von seinen Länderkollegen das OK einholen, zur Schwächung des Yen in den Devisenmärkten zu intervenieren, ohne danach als Währungskriegtreiber gebrandmarkt zu werden. Yen-Reaktion? Keine. Dann begann die Telefonkonferenz. Verschiedene Maßnahmen wurden erörtert. Schließlich meinte Yoshihiko Noda, Finanzminister in Japan: „Wir machen das mit dem Fähnchen.“

Punkt ein Uhr unserer Zeit, zur Öffnung der Märkte in Tokio, schmiss die Bank of Japan heimische Währung auf den Markt. Händlerkreise sprechen von einem Volumen von rund 1 Billion Yen (seinerzeit rund 9 Milliarden Euro). Yen-Reaktion? Heftig. Mit der Ankündigung koordinierter Devisenmarktinterventionen hatte wohl kaum einer gerechnet. Immerhin liegt die letzte derartige Maßnahme im Kreise der G7 mehr als zehn Jahre zurück: Im September 2000, als die sich gerade erst von der Pränatalphase abnabelnde Gemeinschaftswährung „Euro“ gegenüber dem US Dollar auf fast 0,80 abschmierte. Wie wir heute wissen, war die koordinierte Intervention seinerzeit erfolglos: Hätte man den Quatsch gelassen, wäre EUR-USD auf 0,01 gefallen und wir müssten uns heute nicht mit einer Euro-Schuldenkrise herumschlagen. Harhar, das ist natürlich Blödsinn. Die Intervention war damals so erfolgreich, dass sich die deutschen Exporteure erst bei einem Kurs von 1,10, später dann bei 1,15, bei 1,23, erneut bei 1,30 und schließlich bei 1,36 heftigst darüber beschwerten, die feste Gemeinschaftswährung würden ihr Auslandsgeschäft kaputt machen. Heute wissen wir: Ist ja alles noch mal gut gegangen und EUR-USD-Kurse zwischen 1,30 und 1,40 dürften (sollten…) Grundlage einer jeden vernünftigen Außenhandelskalkulation sein.

Der vermeintlich „korrekte“ Kurs für USD-JPY liegt bei 95, jedenfalls dann, wenn man der Volkswirte liebstes Spielzeug, die Kaufkraftparitätentheorie zugrunde legt. Es ist wohl eher unwahrscheinlich (sprich: ausgeschlossen), dass die G7-Fähnchenschwenker den Wechselkurs in diese luftigen Höhen treiben wollen. Eher ist zu vermuten, dass sich bereits dann ein Zufriedenheitsgefühl einstellt, wenn sich der Kurs oberhalb der Marke von 80 stabilisieren kann. Zwischenzeugnis: Ziel erreicht. USD-JPY sprang um über 3% auf Kurse um 81,50. Unmittelbar vor dem Erdbeben waren Kurse zwischen 82 und 83 die Norm. Angeblich wurde auf der „Fähnchenkonferenz von Telecom“ beschlossen, dass die Notenbanken aller beteiligten Staaten / Regionen (EWU, USA, UK und Kanada) zum (Aktien)-Handelsbeginn in ihren jeweiligen Märkten Yen in den Markt geben sollen.

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In den die Freiheit und staatliche Unabhängigkeit liebenden Finanzmärkten zog die staatliche Interventionspolitik einen Rattenschwanz von Erleichterung geprägter Marktreaktionen hervor: Nikkei +2,7% (höhere Exportchancen für die japanischen Unternehmen), US Aktienfutures +1,5% (Japans Aktien gehen fester…), Staatsanleihen schwächer (weniger Risiko eines Wirtschaftseinbruchs in Japan). Vor lauter Interventionen bin ich jetzt doch glatt von meiner Analystendreikampfvorschrift abgewichen. schnell nachholen: 1. Lage in Fukushima: etwas Rauch, aber insgesamt stabil, das Kühlsystem in Reaktor 2 soll bereits in den kommenden Stunden wieder funktionsfähig sein. 2. Wind: aus Westen. 3. Nikkei: s.o.

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Kornelius Purps ist Fixed Income Strategist bei der UniCreditBank AG.

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