Für Banken ist die aktuelle Zwickmühle kein Brettspielergebnis, sondern bitterer Ernst.

Es ist noch gar nicht lange her, da haben Politiker mit dem Finger auf Banken und deren Manager gezeigt, weil diese sich allzu risikoreichen Geschäften zugewandt und damit die Bankenlandschaft in turbulente Zeiten geführt hatten. Allerorts wurde über die Gründe der Finanzkrise diskutiert und es wird immer noch über Wege diskutiert, die aus der Krise herausführen. Egal, ob sich die Ergebnisse der Diskussionen neuen Beratungsmodellen widmen, die Konzentration auf bestimmte Zielgruppen fordern, Honorarberatung hervorheben oder eine stärkere Regulierung anmahnen, eines kommt bei den Diskussionen immer wieder auf: Wir müssen zu unseren Wurzeln des Bank- und vor allem des Kreditgeschäfts zurückfinden.
Aus der Finanzkrise wurde die Wirtschaftskrise und jetzt sind es die gleichen Politiker, die wieder mit dem Finger auf uns Banker zeigen. Diesmal, weil wir uns an die Regeln halten. Diese Regeln passen aber nicht in die aktuelle Wirtschaftslage und schon gar nicht in die aktuelle politische Lage.
Das aktuelle Ergebnis ist wie die Zwickmühle beim Brettspiel, im Grunde können wir nur verlieren. Staatlich und damit mit Steuergeldern gefördert und gerettet, weil Banken anders als Autobauer die wirtschaftliche Aorta eines Landes sind, wirkt die Forderung, dass genau diese Banken nun gefälligst auch den deutschen Unternehmen mit Krediten aushelfen, nur allzu verständlich. Steinbrück drohte am letzten Sonntag sogar mit drastischen Maßnahmen und sogar der Bundespräsident meldete sich zu Wort und mahnte die Banker zur Großzügigkeit.
Um Großzügigkeit geht es im Kreditgeschäft nicht, denn wenn ein ordentlicher Banker nach Bewertung aller Informationen zu der Entscheidung kommt, einen Kredit nicht vergeben zu können, da die Rückzahlung gefährdet ist, es dennoch tut und der Kredit wie prognostiziert ausfällt, dann werden die fingerzeigenden Politiker zum dritten Mal auf uns zeigen.
Hat die Zwickmühle nur zwei Dimensionen, kommt in der aktuellen Situation noch eine weitere Dimension hinzu, denn in der Tat sind Kredite zwar mit 1,8% im Mai gestiegen, jedoch so langsam wie noch nie. Hinzu kommt ein völlig ausgebremstes Geldmengenwachstum, was im Gesamtergebnis zu einer Liquiditätsfalle führen könnte.
Mit Schuldzuweisungen kommen wir da nicht weiter. Politiker, Banker und Unternehmer gehören an einen Tisch. Krisen bewältigt man im Schulterschluss.

Foto: © logos/www.stockxpert.com
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Thorsten Hahn, Jahrgang 1967, ist Gründer und Geschäftsführer der BANKINGCLUB GmbH. Der Profinetzwerker zählt auf Plattformen wie XING und Linkedin zu den Nutzern mit der besten Vernetzung in die Finanzbranche. Wie kein Zweiter versteht er dieses Netzwerk zu nutzen und auch anderen zugänglich zu machen. Außerdem ist der erfahrene Banker und Diplom-Kaufmann Herausgeber der BANKINGNEWS, welche 10 Jahre lang als Onlinemagazin und seit Sommer 2014 als Printzeitung (7.500 Empfänger) erscheint, sowie Autor verschiedener Fachbücher und Buchbeiträge.

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