Guten Morgen, heute ist Mittwoch, der 18. August 2010 !

  • Tag der offenen Tür: Bundesfinanzministerium bittet zum Schuldenplausch
  • Tag der steigenden Zuversicht: Übernahmeangebot von BHP an Potash beflügelt die Fantasie der Anleger
  • Tag des optimalen Lebens: Märkte stehen vor einem sehr ruhigen Handelstag

Sie brauchen noch ein unterhaltsames Programm für’s Wochenende? Na, wie wäre es dann mal mit einem Besuch in der Wilhelmstraße 97 in Berlin. Wie sie bei einem Blick in Street View unschwer erkennen können, steht dort das Bundesfinanzministerium. Am kommenden Wochenende ist dort "Tag der offenen Tür". Erfreuen Sie sich an interessanten Ausstellungen zur Arbeit im Bereich der Haushaltspolitik, erleben Sie eine Vorführung der Zoll-Spürhunde und lauschen Sie der Live-Musik von "Combo Zolla". Und wann jemals haben Sie wieder die Gelegenheit, Staatssekretär Steffen Kampeter und die Sängerin Annett Louisan bei einem gemeinsamen Talk auf der Bühne zu sehen? Eigentlich sollte auch Subby auftreten, unsere keine Subventionsblase. Aber Subby hat kurzfristig einen Termin nebenan beim Bundesforstministerium. Es geht dort um ein staatliches Stützungsprogramm für deutsche Renditejäger…

Das Sommerfest wurde möglich infolge der hervorragenden Finanzsituation des Ministeriums. Das Renditeniveau deutscher Bundesanleihen liegt heute über fast alle Laufzeiten jenseits von 2 Jahren hinweg ziemlich genau einen Prozentpunkt niedriger als vor einem Jahr. Das spart den Bund mal eben 2 Mrd. Euro Refinanzierungskosten. Da kann man es schon mal so richtig Krachen lassen – die Combo Zolla haut bestimmt die eine oder andere Zugabe raus. Pünktlich zum großen Fest bestätigt Moody’s sein Aaa-Rating für Deutschland. Diese Meldung kam genau drei Minuten, nachdem bekannt geworden war, dass Mesut Özil für 15 Milliarden Peseten zu Real Madrid wechselt. Werder Bremen, einer der systemrelevanten Fußballvereine hierzulande, ist damit saniert, ein staatliches Eingreifen über den Rettungsfonds EFSF (European Football Stabilization Facility) ist nun nicht mehr erforderlich.

Auch sonst überwogen gestern die positiven Meldungen: Irland hatte keine Probleme, am Kapitalmarkt insgesamt 1,5 Mrd. Euro aufzunehmen. Die Industrieproduktion in den USA legte im Juli um 1,0% zu – endlich mal ein positiver Datenpunkt in der schier endlosen Kette negativer Überraschungen. Der "ABC Konsumenten-Behaglichkeitsindex" stieg zum zweiten Mal in Folge an. Dort werden die US-Verbraucher jede Woche (!) gefragt: "Wie isses denn so?" und "Wann wollen Sie Ihren nächsten Kühlschrank kaufen?". Der Bergbaukonzern BHP möchte für die Kleinigkeit von 39 Mrd. Dollar (das sind 2.000 Özils!) den Düngemittelriesen Potash übernehmen. Potash lehnt zwar ab ("Allofs-Taktik"), aber die Börsianer sind trotzdem erfreut: So ein Übernahmeangebot sagt nämlich immer auch etwas über die Zuversicht des Käufers aus. Schwache Daten vom US Immobilienmarkt sowie der starke Rückgang im deutschen ZEW-Index fielen da nicht weiter ins Gewicht.

Und so ergriffen die Anleger am Rentenmarkt die Gelegenheit beim Schopfe, mal ein paar der in den vergangenen zwei Wochen aufgehäuften Buchgewinne zu realisieren, was zu leicht steigenden Renditen führte. Ändert das etwas an dem generellen Bild, wonach uns ultra-niedrige Marktzinsen noch eine ganze Zeit lang begleiten werden? Nein, natürlich nicht. Finanzminister Schäuble wollte, Arm in Arm mit Annett, am Wochenende eigentlich eine lebenslange Garantie für niedrige Zinsen aussprechen – verzichtet darauf aber, weil er sich vor Bußgelddrohungen der Wettbewerbshüter fürchtet. In den USA versuchte uns ein gewisser Narayana Kocherlakota die Entscheidung der Fed von vergangener Woche zu erklären. Der Mann, dessen Name so unaussprechlich ist, dass auf seiner Webseite eine akustische Aussprechhilfe angeboten wird, ist zwar Mitglied des FOMC, derzeit aber nicht stimmberechtigt. Kocherlakota spielte den "Quantitative Easing"-Schwenk der US Notenbank herunter ("…sollte man jetzt alles nicht so hochsterilisieren…"), fand damit bei den Anlegern aber kein Gehör.

Der Datenhöhepunkt des heutigen Tages sind die Produzentenpreise in Portugal. Daher werden die Anleger ihr Augenmerk vermutlich auf die zweite Runde des Duells zwischen BHP und Potash sowie auf das erste Training von Özil in Madrid richten. Auf uns wartet ein extrem ruhiger Tag an den internationalen Börsen. Darauf deuten auch die nur minimalen Kursbewegungen in den frühen Morgenstunden hin. Das kommt dann auch dem Motto von Annett Louisan ziemlich nahe: "Das optimale Leben"…

 

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Dies ist ein humoristischer Marktkommentar und keine Anlageberatung. Die Einschätzungen des Autors beruhen auf Informationen, die auf öffentlich zugänglichen, als verlässlich eingeschätzten Informationsquellen basieren. Weitere Informationen finden Sie im Disclaimer.
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Kornelius Purps
Fixed Income Strategist
Director
MRE4FI
UniCredit Research

kornelius.purps@unicreditgroup.de

Kornelius Purps Corporate & Investment Banking
UniCredit Bank AG

www.unicreditgroup.eu

 

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© Foto Purps und Logo UniCredit Bank by UniCredit Bank AG
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Kornelius Purps ist Fixed Income Strategist bei der UniCreditBank AG.

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